Entzug von Schavans Doktortitel Es ging nicht um Flüchtigkeitsfehler

Timo Steppat kann sich in die damalige Lage der jungen Annette Schavan hineinversetzen. Sie war bei ihrer Promotion fast im gleichen Alter wie er jetzt, Mitte 20. Über Flüchtigkeitsfehler hätte der 23-Jährige hinweggesehen. "Ich habe nichts gegen Frau Schavan, doch die Beweise waren erdrückend." Scheddler sieht das ähnlich: "Nachdem ich die Dokumente gesehen hatte, war für mich die Entscheidung relativ klar."

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Abgesprochen hätten sich die studentischen Mitglieder des Fakultätsrats nicht. Aber oft ausgetauscht. "Wir wollten die Perspektive der Studenten mit einfließen lassen." Dafür seien sie ja auch gewählt worden. Neben Steppat und Scheddler gibt es einen dritten Studentenvertreter, der allerdings nicht mit Medien sprechen will.

Über den Sitzungsverlauf und ihr persönliches Votum schweigen Steppat und Scheddler. So haben es die 15 Stimmberechtigten des Fakultätsrats vereinbart. "Ich würde mich freuen, wenn Annette Schavan die Unterlagen öffentlich machen würde", sagt Steppat. Wer seinen Doktortitel offensiv trage, müsse sich auch der Prüfung stellen. Beide blicken nüchtern, fast kühl auf das Verfahren. Jeder scheint für sich einen Weg gefunden zu haben, mit der eigenen Entscheidung umzugehen.

Wissenschaftliche Standards und Fairness

Scheddler glaubt aber, die Professoren hätten unter einem größeren Druck gestanden. Sie selbst haben sich nicht überfordert gefühlt - sie, die beide noch nicht einmal ihre Bachelor-Arbeit geschrieben haben. "Wir mussten nicht die Güte der Doktorarbeit, sondern ihre Gültigkeit überprüfen, da spielt es keine Rolle, ob wir promoviert sind oder nicht", sagt Scheddler.

Beiden geht es um wissenschaftliche Standards, aber auch um Fairness. "Wenn man über die Verstöße in Schavans Diss hinweggegangen wäre, müsste man die gleiche Nachsicht bei Plagiaten heutiger Doktoranden zeigen", meint Steppat. So würde man den Doktortitel abwerten. Und dass die Ministerin an ihrem Doktortitel festhält, kann Scheddler nicht nachvollziehen. "Ich finde, Annette Schavan macht sich lächerlich, dass sie die Entscheidung anfechten will. Sie tut sich damit keinen Gefallen." Timo Steppat sieht das anders. Es sei ihr gutes Recht, den Gerichtsweg zu beschreiten.

Die langen Sitzungen und der große Zeitaufwand haben Spuren der Müdigkeit hinterlassen. "Stellenweise habe ich in den letzten zwei Monaten den Eindruck gehabt, dass ich eher nebenbei studiere", sagt Scheddler. Eine Klausuranmeldung hat er verbummelt. Und die Kommilitonen haben von der vielen Arbeit im Fakultätsrat kaum etwas mitbekommen. Trotzdem möchte er weitermachen als Studentenvertreter. Auf eine weitere Plagiatsprüfung könne er jedoch gut verzichten, sagt er. Für ihn gipfelt die ganze Aufregung in dem Begriff "Schavanist", mit dem im Internet angebliche Schavan-Verteidiger geschmäht werden. "Das ist mein Unwort des Jahres."

Timo Steppat hat dagegen genug von der Hochschulpolitik. Er hat abgeschlossen. Mit dem Fall Schavan und mit dem Fakultätsrat. Nächste Woche reicht er seinen Rücktritt ein.