Deutscher Wissenschaftsrat Hochschulen mangelt es an Professoren

Studenten werden immer öfter von wissenschaftlichen Mitarbeitern unterrichtet.

(Foto: Florian Peljak)

Mehr Studenten, befristete Verträge und schlechte Bezahlung: Die Universitäten brauchen Tausende neue Hochschullehrer. Doch die Karrierechancen für Nachwuchswissenschaftler sind schlecht.

Von Roland Preuß

Deutschlands Universitäten benötigen deutlich mehr Professoren, um angesichts steigender Studentenzahlen ihre Aufgaben bewältigen zu können. Dies forderte der Wissenschaftsrat am Montag in Berlin. In den kommenden zehn Jahren müssten etwa 7500 Professoren zusätzlich eingestellt werden, sagte der Vorsitzende des Wissenschaftsrates, der Bildungsforscher Manfred Prenzel. Für diese Aufgabe müsse man jungen Akademikern bessere Aussichten auf eine wissenschaftliche Karriere bieten als bisher. "Die Universitäten haben schon jetzt große Probleme, im Wettbewerb mit Unternehmen um die besten Leute mitzuhalten", sagte Prenzel der SZ.

Um den Beruf Wissenschaftler ansprechender zu gestalten, müsse es vor allem mehr attraktive, unbefristete Stellen geben. Der Wissenschaftsrat besteht aus renommierten Forschern sowie Vertretern von Bund und Ländern, er gilt als das einflussreichste bildungspolitische Gremium in Deutschland. Der Rat reagiert mit seinen Forderungen auf eine besorgniserregende Entwicklung: In den vergangenen sechs Jahren ist die Zahl der Studierenden laut den am Montag vorgelegten Empfehlungen des Rates um 22 Prozent gestiegen, die der Professoren jedoch lediglich um zehn Prozent. Auf einen hauptamtlichen Professor kommen demnach mittlerweile im Schnitt 64 Studierende.

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Angestrebte Professur bedeutet "beträchtliches Risiko"

"Die Studenten werden inzwischen zum Großteil nicht mehr von Professoren unterrichtet", sagte Prenzel. Die Aufgabe übernehmen mehr und mehr wissenschaftliche Mitarbeiter. Zugleich sei eine Karriere als Forscher unsicherer geworden. Die Zahl wissenschaftlicher Mitarbeiter, beispielsweise Beschäftigte mit einem Doktortitel, ist zwar gestiegen. Mehr als 80 Prozent von ihnen erhalten jedoch nur befristete Verträge - in der Regel mit deutlich niedrigerem Einkommen als in der freien Wirtschaft.

Zugleich sind die Chancen, eine Stelle als Professor zu erreichen, spürbar schlechter geworden, weil entsprechende Posten in viel geringerem Umfang neu geschaffen wurden als Stellen für wissenschaftliche Mitarbeiter wie etwa Doktoranden. Wissenschaftler, die eine Professur anstrebten, gingen in einigen Fächern ein "beträchtliches Risiko" ein, wenn sich der Wunsch nach einer Professur nicht erfülle, schreibt der Wissenschaftsrat. Dann sei es für eine Karriere außerhalb der Universität oft zu spät.

Der Rat fordert aus diesen Gründen, den Anteil der Professoren an allen Wissenschaftlern in den Universitäten zu erhöhen und den Nachwuchsforschern eine verlässlichere Lebensplanung zu ermöglichen. Ein Teil der neuen Stellen soll als sogenannte Tenure Track-Professuren geschaffen werden, einer Art Professor auf Probe. Ein solcher Tenure Track-Professor bekommt zwar zunächst nur einen Zeitvertrag, hat aber ein Recht auf eine feste Stelle, wenn er vereinbarte Leistungsvereinbarungen erfüllt. Daneben sollen ebenfalls etwa 7500 attraktive Stellen für wissenschaftliche Mitarbeiter geschaffen werden. Sie sollen unbefristet sein und Aufstiegsmöglichkeiten bieten, auch wenn es nichts mit einer Professur geworden ist. Die Mitarbeiter könnten in Forschung, Lehre oder als Wissenschaftsmanager arbeiten.

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