Deutsche Studenten in Österreich Piefke-Alarm

Jeder neunte Student in Österreich kommt mittlerweile aus Deutschland. In manchen Fächern sind es sogar 80 Prozent. Zu viel, findet Wien - und will nun die EU einschalten, um die Zahl der Studenten aus dem Nachbarland zu begrenzen.

Von Cathrin Kahlweit, Wien

Österreichs Studenten, warnt Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle (ÖVP), dürften nicht das Gefühl haben, dass sie nicht in Österreich studieren können. Was wie eine Selbstverständlichkeit klingt, hat einen aktuellen Grund: Mittlerweile kommt jeder neunte Studienanfänger aus Deutschland; an den psychologischen Fakultäten in grenznahen Uni-Städten sind es sogar 80 Prozent.

Deshalb will der Minister jetzt Maßnahmen ergreifen, die vor allem auf deutsche Studierende abzielen. Spätestens nach der Nationalratswahl im September sollen Taten folgen. Das Ziel, wie es der Kurier flott zusammenfasst: "Minister will heimische Studenten bevorzugen."

Natürlich sei man für Mobilität und Internationalität, sagt Töchterles diplomatische Pressesprecherin Elisabeth Grabenweger, aber irgendwie müsse man auf diese "Schieflage" reagieren. Daher will der Minister jetzt einen Vorstoß bei der EU-Kommission machen, um zu verhindern, dass durch ein Übergewicht ausländischer Studenten in Österreich eine "anti-europäische Stimmung erzeugt" werde.

Quote in Medizin

Wie das genau aussehen soll, wie in Zukunft zwischen ausländischen (sprich deutschen) und inländischen Studenten unterschieden werden soll, das ist noch unklar. Bislang gibt es nur in der Medizin eine echte Quote: 75 Prozent der Plätze sind für Österreicher reserviert.

Die Debatte darüber, ob die EU-Freizügigkeit vor allem zu Lasten kleiner Länder wie Österreich gehen darf, wird an den renommierten Universitätsstandorten wie Wien, Salzburg, Graz oder Innsbruck schon lange geführt. Dabei hat man in Österreich im Prinzip nichts gegen die Deutschen. Die stellen die größte Ausländergruppe, ihre Zahl hat sich in zehn Jahren verdoppelt; gleichwohl sind die Zeiten des Piefke-Hasses vorbei, man versteht sich.

Wenn da nur nicht diese Studenten wären, die Österreichs Universitäten überrollen, was sogar schon zu einem Wikipedia-Eintrag unter dem Stichwort "Deutschenschwemme" geführt hat. In den Chatrooms zum Thema "Deutsche an unseren Unis" werden einfache Lösungen präferiert: "Es muss endlich aufhören, dass wir dummen Ösis die Studienflüchtlinge anderer Länder gratis aufnehmen." Oder: "Numerus clausus und raus aus der EU - das ist die Antwort."

Kein Konsens für Studiengebühren

Einer der Anlässe für den neuen Vorstoß Töchterles ist ein aktuelles Gerichtsurteil. Der Oberste Gerichtshof gab einem Grazer Medizinstudenten recht, der Anspruch auf Schadenersatz von der Republik Österreich erstritt. Einige prüfungsrelevante Seminare waren während seines Studiums überfüllt gewesen; der ehemalige Student, der mittlerweile als Arzt arbeitet, konnte daher erst verspätet Examen machen und reklamierte einen Verdienstausfall.

Die Universitäten befürchten zwar jetzt keine Klagewelle, weil zumindest für das Medizinstudium mittlerweile Aufnahmeprüfungen eingeführt wurden - aber was ist mit anderen Fächern?

Der Vorschlag, Deutschland solle für seine Studenten zahlen, stieß unlängst bei den deutschen Kultusministern naturgemäß auf wenig Gegenliebe. Für flächendeckende Studiengebühren in Österreich gibt es bisher noch keinen Konsens. Hoffnung setzen die hilflosen Österreicher deshalb vorerst auf: die geburtenschwachen Jahrgänge.

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