Deutsche Elite-Universitäten Geld für die Professoren - Frust für die Studenten

Es gibt Ruhm und Geld für jene Unis, die sich mit dem Titel "Elite" schmücken dürfen. Elf Hochschulen sind es neuerdings in Deutschland. Aber was nutzt es den Studenten? An sie denkt bei aller Exzellenz niemand. Sie haben im Zeugnis einen gut beleumundeten Forschungsstandort stehen. Das mag ein Vorteil bei der Jobsuche sein - mehr nicht.

Ein Kommentar von Johann Osel

Es ist keineswegs so, dass in Harvard oder Oxford die blanke Panik ausbricht, wenn in Kiel ein Forschungs-Cluster entsteht und in Bayreuth eine Doktorandenschmiede, wenn die Hochschulen in Aachen oder Heidelberg mit vielen Millionen Euro im Rücken die Flagge der "Elite-Universitäten" hissen. Aber es hat sich in der Welt herumgesprochen, dass der Wissenschaftsstandort Deutschland durch die Exzellenzinitiative einen Sprung nach vorne gemacht hat.

Volle Hörsäle, keine Chance auf einen Wohnheimplatz - so sieht die Wirklichkeit für viele Studenten aus. Elite-Uni hin oder her.

(Foto: dpa)

Die Universitäten können mit den Mitteln aus diesem Wettbewerb von Bund und Ländern fabelhafte Strukturen für Spitzenforschung aufbauen und damit beim internationalen Buhlen um die klügsten Köpfe wuchern. Das Finale der Exzellenzinitiative hat nun wieder neue Gewinner hervorgebracht, und auch Verlierer. Die größte Verlierergruppe stand aber bereits vorher fest: die Studenten.

Von dem Geld, mit dem die Politik ausgewählte Universitäten flutet, hat der Student im Hörsaal erst einmal nichts. Vielleicht entstehen in den Exzellenzstrukturen hie und da Forschungsprojekte, die auch Studenten einbinden. Forschung und Lehre sind aber nach wie vor zwei Welten, und zwischen ihnen bestehen meist keine breitspurigen Verbindungsstraßen, sondern allenfalls Trampelpfade.

Wahrscheinlicher ist es zudem, dass sich der jetzt preisgekrönte Professor erst mal mit seinen Millionen ins Studierzimmer zurückzieht und der Hochschüler im Hörsaal ihn kaum noch zu Gesicht bekommt. Studenten an Elite-Unis haben im Abschlusszeugnis einen gut beleumundeten Forschungsstandort als verleihende Institution stehen. Ein Vorteil bei der Jobsuche. Mehr nicht.

Milliarden pumpt die Initiative in die Forschungslabors der Hochschulen - das klingt gut, kaschiert aber nur mit großem Buhei die flächendeckenden Finanzierungsprobleme bei den Grundaufgaben. Durch das Geld wird kein einziger Studienplatz geschaffen - was angesichts der doppelten Abiturjahrgänge, unter deren Last alle Hochschulen derzeit stöhnen, dringend nötig wäre. Es wird nirgends ein zusätzlicher Hörsaal gebaut, auch wenn vielerorts Studenten wegen Überfüllung von Vorlesungen auf Treppen kauern.

Und der Exzellenz-Topf gibt keinerlei Zuschüsse für Wohnheimplätze, auf welche Tausende Studenten hoffen, oder für andere Investitionen in Lehre und soziale Infrastruktur. Im schlimmsten Fall haben ehrgeizige Uni-Chefs für die Exzellenz-Bewerbung ihr Haus vorab auf Elite-Maß getrimmt und Ballast abgeworfen - etwa vermeintlich unrentable Fachbereiche stillgelegt, alles zum Nachteil der Studenten.

Wilhelm von Humboldt hat vor gut 200 Jahren die Einheit von Forschung und Lehre als Ideal formuliert, es wird bis heute nur allzu gerne rauf und runter zitiert. Die Exzellenz-Initiative stößt die Humboldt-Statue zwar nicht vom Sockel; sie schafft durch die einseitige Begünstigung der Forschung aber ein Ungleichgewicht im ganzen System. Humboldt mit seinem Ideal gerät zumindest ins Wanken.

Für den Elite-Wettbewerb haben sich Bund und Länder trotz Föderalismus zusammengerauft. Das wäre nun endlich auch für die Lehre fällig. Doch hier geht es freilich nicht um etwas, mit dem sich auf internationalem Parkett angeben lässt; Lehre erbringt keine Patente. So hält sich der Elan in Grenzen: Der "Qualitätspakt Lehre", ein Wettbewerb für bessere Studienbedingungen, ist nur eine Art Exzellenzinitiative für Arme. Und der "Hochschulpakt" für mehr Studienplätze wurde anfangs viel zu niedrig kalkuliert, jetzt streiten Bund und Länder um die Kosten.

Wenn über eine ohnehin mickrige Bafög-Erhöhung debattiert wird, kommt meist postwendend der Einwurf: kein Geld. Richtiger wäre: keine Priorität. Die junge Generation darf sich zwar kein Wünsch-dir-was-Studium erwarten. Wohl aber einen Staat, der bei der Lehre einen ähnlichen Ehrgeiz an den Tag legt wie bei der Forschung.