Datenschutz bei Online-Kursen Der gläserne Student

Aus der Zeit vor dem digitalen Studium: Eine Vorlesung des Chirurgen Karl August Bier im Hörsaal der Universitätsklinik in Berlin.

(Foto: Scherl/Süddeutsche Zeitung Photo)
  • Mittlerweile bieten auch deutsche Universitäten Online-Veranstaltungen, sogenannte "Massive Open Online Courses" (MOOCs) an.
  • Die Münchner Hochschulen LMU und TU setzen dabei auf den großen Anbieter Coursera.
  • Es gibt Bedenken, was die Sicherheit und den Weiterverkauf der Nutzerdaten angeht.
Von Johannes Boie und Hannes Grassegger

Der geschäftsführende Vizepräsident der Technischen Universität München (TUM), Hans Pongratz, ist begeistert. Er erzählt von einem Tutorium, "das zehn Studierende gehört hatten." Dann stellte die Münchner Uni den Kurs, in dem gelehrt wird, wie man Kleinhubschraubern beibringt, alleine zu fliegen, online. Und alleine im ersten Durchlauf schauten 25 000 Teilnehmer aus 170 verschiedenen Ländern zu. Keiner davon musste nach München ziehen, keiner musste sich an der TUM einschreiben. Es ist die Demokratisierung des Wissens mit digitaler Hilfe.

Das Potenzial des digitalen Lernens ist überwältigend, wie das immer der Fall ist, wenn eine Kulturtechnik oder eine Industrie digitalisiert wird. Menschen, für die ein Flug nach Deutschland oder in die USA unerschwinglich wäre, können plötzlich an den Unis dieser Länder lernen. Menschen, die keine Zeit haben, eine Vorlesung zu besuchen, schauen sich eine nach der Arbeit auf dem Notebook an. Und auch wenn die Unis, die ihre Kurse online anbieten, viel Arbeit mit dem Schneiden von Lehrvideos und der Erstellung digitaler Quizze oder Fragebögen haben: Wenn der Arbeitsaufwand erst einmal abgeleistet ist, spielt es keine Rolle, ob einer oder Hunderttausende Studenten das Material verwenden. Alleine Kurse der TUM wurden bislang von über 100 000 Menschen gesehen.

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Die bayerischen Unis setzen auf den Anbieter Coursera

Wie an der TUM ist man deshalb auch an der anderen Münchner Universität, der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) sehr zufrieden, zu den ersten deutschen Unis zu gehören, die diese "Massive Open Online Courses" - kurz: Moocs - anbieten.

Die Bayern setzen zur Verbreitung ihrer Inhalte auf das kalifornische Start-up Coursera. Es gibt nur wenige große Anbieter bislang. Neben dem Start-up Udacity des Deutschen Sebastian Thrun - das mittlerweile über eine Milliarde Dollar wert ist - ist das vor allem der Marktführer Coursera. Das Start-up vergleicht sich selbst gerne mit Amazon. Ein großes Vorbild. Die Leute bei Coursera seien "tolle Ansprechpartner", schwärmt dann auch LMU-Vizepräsident Martin Wirsing.