Bildungsstudie straft G 8 ab Eltern fordern mehr Zeit zum Lernen

Zu viel Stress, zu wenig Freizeit, zu viel Nachhilfe: Eine Studie mit 3000 Müttern und Vätern schulpflichtiger Kinder ergab, dass acht von zehn Eltern das verkürzte Gymnasium ablehnen. Sie wünschen sich eine Rückkehr zum Abitur nach 13 Jahren.

Im Stechschritt zum Abitur? Zumindest bei den Eltern schulpflichtiger Kinder fällt die Verkürzung der Gymnasialzeit von neun auf acht Jahre durch. Zu dem Schluss kommt eine Umfrage des Sozialforschungsinstituts Emnid, für die 3000 Mütter und Väter zum zweiten Mal im Auftrag des Kindergeschäfts Jako-o befragt wurden. Fast 80 Prozent der Eltern würden demnach für ihr Kind eine neunjährige Gymnasialzeit (G 9) wählen - wenn sie könnten.

Breite Front gegen das achtjährige Gymnasium: Die Mehrheit der Schülereltern in Deutschland lehnt die Bildungsreform ab.

(Foto: SZ Grafik)

Ebenso viele fordern laut der repräsentativen Umfrage, die bildungspolitische Entscheidung rückgängig zu machen und zum Abitur nach 13 Jahren zurückzukehren. Befürworter des achtstufigen Gymnasiums (G 8), das vor knapp zehn Jahren in den westdeutschen Bundesländern eingeführt wurde, sind mit 17 Prozent Zustimmung dagegen deutlich schwächer vertreten.

"Dieses klare Bekenntnis zum neunjährigen Gymnasium muss man als Ohrfeige für die Bildungspolitiker aller Parteien und für die Kultusministerkonferenz werten", wird Bildungsforscher Klaus-Jürgen Tillmann von der Universität Bielefeld in einer Mitteilung des Auftraggebers zitiert. Wenn es beim achtjährigen Gymnasium bleibt, dann müssten laut der Befragten zumindest die Lehrpläne an die kürzere Lernzeit angepasst werden.

Zu viel Stress, zu wenig Freizeit, zu viel Nachhilfe, so lautet die hauptsächliche Kritik an G 8. Die ablehnende Haltung wird in der Studie quer durch die Stichprobe mit Entschiedenheit vertreten. Es gibt aber länderspezifische Unterschiede. Auf die Frage "Wenn Sie sich entscheiden müssten: Würden sie für ihr Kind das achtjährige oder das neunjährige Gymnasium wählen?" antworteten in Hessen fast 90 Prozent der Eltern mit "neun Jahre". In Bayern sind es mit 84 Prozent etwas weniger.

Dort soll es laut Ministerpräsident Horst Seehofer trotz Protesten keine Rückkehr zu G 9 geben. Der CSU-Politiker hat G 8 zur Chefsache erklärt. Andere Bundesländer wie Schleswig-Holstein oder Baden-Württemberg haben inzwischen angekündigt, den Gymnasien künftig eine Wahlfreiheit zwischen G 8 und G 9 einzuräumen. Diese Variante sehen die in der Studie befragten Eltern durchaus gemischt: 41 Prozent stimmten dafür, mehr als die Hälfte (57 Prozent) lehnten aber auch das ab.

Insgesamt sind sich die Befragten vor allem in einem einig: Sie wünschen sich für ihre Kinder mehr Zeit zum Lernen. So fordern sie einen Ausbau von Ganztagsschulen (70 Prozent). Bei der ersten Bildungsstudie von 2010 erhielt dieses Modell noch elf Prozent weniger Zustimmung. Fast zwei Drittel der befragten Eltern sprechen sich zudem für eine sechsjährige Grundschule aus.

Das gibt es derzeit in Berlin und Brandenburg. Die Hamburger Bürger lehnten eine solche "Primarschule" vor zwei Jahren per Volksentscheid hingegen ab. Ein anderes Modell ist die sogenannte "Orientierungsstufe", in der die Schüler der Klassen fünf und sechs noch weiter gemeinsam unterrichtet werden.

Trotz aller Kritik am deutschen Bildungssystem finden die Befragten durchaus auch positive Aspekte. Die Lehrer erhalten von ihnen ein gutes Zeugnis. Fast alle Eltern, 90 Prozent, glauben an die Kompetenz der Lehrkräfte ihrer Kinder. Fast ebenso viele sind vom Engagement der Pädagogen überzeugt.