Bildungsmonitor Sachsens Bildungssystem ist spitze

Mehr Kleinkindbetreuung, mehr Abiturienten: Deutschland kommt bei der Bildung allmählich voran, doch manche Länder schneiden in einer Untersuchung schlecht ab. Vor allem bei der Förderung Benachteiligter hapert es.

Sachsen bietet nach einer Studie deutschlandweit die besten Bildungschancen - Schleswig-Holstein die schlechtesten. Insgesamt werden Kinder und Jugendliche in Deutschland demnach besser gefördert als in den vergangenen Jahren. Doch tun die meisten Länder noch zu wenig gegen ungleiche Startchancen vor allem kleiner Kinder.

Das besagt der am Mittwoch in Berlin veröffentlichten Bildungsmonitor 2012, der im Auftrag der arbeitgebernahen Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) erstellt wurde. Platz zwei der Länder-Rangliste belegt Thüringen vor Baden-Württemberg. Am meisten zugelegt hat Hamburg. Auch Bremen, Thüringen, Brandenburg und Niedersachsen haben sich nach den Ergebnissen verbessert.

Bei der Betreuung von Kleinkindern - für den weiteren Bildungsweg oft von zentraler Bedeutung - gab es in den vergangenen Jahren laut den Forschern zu langsame Fortschritte. "Es reicht nicht aus", sagte Studienautor Axel Plünnecke vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln.

Die Betreuungsquote stieg binnen fünf Jahren zwar von rund 14 auf 25 Prozent. Ab August 2013 gibt es für unter Dreijährige aber einen Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz. "Es gibt mehr Angebote für unter Dreijährige, aber in der Summe werden viele Bundesländer Probleme haben, den Rechtsanspruch 2013 zu sichern", sagte Plünnecke.

Beispiel Bayern: Das Land liegt zwar mit Platz vier im Ranking oben, doch gerade im Vergleich zu Ostdeutschland fehle es an frühkindlicher Förderung. INSM-Geschäftsführer Hubertus Pellengahr: "Unser Ziel sind gleiche Startchancen für alle."

Die Studienautoren plädierten eindringlich für eine flächendeckende Infrastruktur zur Ganztagsbetreuung kleiner Kinder. Die Wachstumsrate würde so laut Bildungsmonitor langfristig um mehr als 0,33 Prozentpunkte steigen. Das Bruttoinlandsprodukt läge dann 2050 um 221 Milliarden Euro höher als ohne Ausbau der Betreuung. "Für Leistungen wie das Betreuungsgeld sind diese Effekte nicht nachweisbar", mahnte Plünnecke.

Die CSU forciert die Einführung dieser Leistung für die Betreuung von Kindern zuhause. Zudem zählen Schulqualität und Hochschulzugang für die Autoren zu den zentralen Qualitätsmerkmalen. Bremen verbessert sich in der Liste der Forscher um einen Platz auf Rang fünf. Das bisherige Schlusslicht Berlin rückt einen Platz auf und gibt die rote Laterne an Schleswig-Holstein ab. Obwohl die Zahl der Abiturienten dort relativ niedrig sei, gingen viele junge Leute zum Studieren in andere Länder.

Die Spitzenplätze für Sachsen und Thüringen begründete Pellengahr mit optimaler Infrastruktur für die Förderung. Die Länder bekämpften Bildungsarmut und böten breiten Zugang zu akademischen Abschlüssen - besonders in den naturwissenschaftlich-technischen Fächern.

Insgesamt gebe es seit 2000 wegen der steigenden Zahl von Hochschulabsolventen pro Jahrgang heute rund 556.000 zusätzliche Akademiker in Deutschland, davon 168.000 in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik. Der Anteil ausländischer Schulabgänger ohne Abschluss sank von rund 20 auf 13 Prozent. Das gehe stark auf den Kindergarten-Ausbau in den 90er Jahren und die damit verbundene intensivere Betreuung zurück.

Die Ganztagsquote bei Grundschülern stieg von 4 auf 23 Prozent. "Schüler aus bildungsfernen Haushalten oder aus Migrantenfamilien bleiben weiterhin hinter den anderen Schülern zurück", mahnten die Forscher aber. SPD-Bildungsexperte Ernst Dieter Rossmann forderte mehr Bundesmittel für die Bildung durch die Abschaffung des Verbots einer Bund/Länder-Kooperation im Grundgesetz.

Der Grünen-Bildungsexperte Kai Gehring griff die Regierung an: "Die weiter hohe Zahl an Risikoschülern und Schulabbrechern ist beschämend." Rosemarie Hein von den Linken bemängelte, Erfolge gegen Bildungsarmut blieben aus. Die INSM wird von den Metall- und Elektro-Arbeitgebern finanziert.

Der Monitor stellt das Länder-Ranking anhand eines Punktesystems mit 110 Indikatoren auf. Er wurde zum neunten Mal vorgelegt.