Bildung Studie: Zehntausende Grundschullehrer fehlen

Bis zum Jahr 2025 sind es der Bertelsmann-Stiftung zufolge 35000. Lehrerverbände werfen der Politik schwere Versäumnisse vor.

Von pamu, dpa

Der Lehrermangel an deutschen Grundschulen wird sich einer Studie der Bertelsmann Stiftung zufolge in den kommenden Jahren weiter verschärfen. Die Bildungsforscher Klaus Klemm und Dirk Zorn kommen in der am Mittwoch vorgestellten Untersuchung zu dem Ergebnis, dass bis zum Jahr 2025 etwa 35 000 Pädagogen fehlen werden.

Schuld an dieser Entwicklung sei das Aufeinandertreffen mehrerer Faktoren. So müssten in den kommenden acht Jahren 60 000 Lehrer ersetzt werden, die in den Ruhestand gingen. Weitere 45 000 Lehrer würden aufgrund steigender Schülerzahlen sowie für den Ausbau des Ganztagsangebots zusätzlich benötigt. Dies ergebe einen Bedarf von 105 000 neu einzustellenden Lehrern, der aber nicht gedeckt werden könne: Bis 2025 würden nur 70 000 ausgebildete Lehrkräfte die Universitäten verlassen. Die Forscher plädieren deshalb dafür, Pensionäre an die Schulen zurückzuholen und Lehrern Anreize für die Aufstockung ihrer Arbeitszeit zu bieten; fast 40 Prozent aller Grundschullehrer arbeiteten in Teilzeit. Zudem gelte es, Seiteneinsteiger für Grundschulen zu gewinnen, also Fachkräfte ohne Lehramtsstudium.

Lehrerverbände reagierten auf die Studie mit massiver Kritik an der Bildungspolitik. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) beklagte einen "dramatischen Lehrermangel". Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) sprach von "planerischem Wahnsinn", den die Politik zu verantworten habe. Die für die Bildungspolitik verantwortlichen Länder betonten dagegen, dass sie das Problem erkannt hätten. "Alle 16 Länder sind sich der Lage bewusst und ergreifen bereits landesspezifische Maßnahmen", sagte der hessische Kultusminister Alexander Lorz (CDU). Ein "Weckruf" sei nicht nötig. Die Studie biete "wenig Neues und manch Falsches", sagte die Bildungsministerin von Baden-Württemberg, Susanne Eisenmann (CDU). Es sei "schon bemerkenswert, wie Bertelsmann wieder einmal versucht, die Politik unter Druck zu setzen".