Bachelor-Studiengänge Numerus clausus wird zur Regel

Für zwei Drittel der Bachelor-Studiengänge gelten von diesem Herbst an Zulassungsbeschränkungen. Damit reagieren die 20 größten deutschen Unis auf die anhaltend starke Nachfrage nach Studienplätzen. Hohe Hürden gibt es bei Psychologie und BWL, doch auch für Germanistik muss die Abiturnote gut sein.

Von Johann Osel und Marlene Weiss

Abiturienten, die im kommenden Semester erstmals ein Hochschulstudium aufnehmen wollen, müssen mit hohen Zugangshürden rechnen. Wegen der anhaltend starken Nachfrage wird es an großen Universitäten in der deutlichen Mehrzahl der Fächer einen Numerus clausus (NC) geben, teils spezielle Eignungstests. Nach einer Recherche der Süddeutschen Zeitung bei den 20 größten Universitäten ist dort die Zulassung für 68 Prozent der regulären Bachelor-Studiengänge beschränkt.

In Nordrhein-Westfalen ist der Andrang aktuell wegen des doppelten Abiturjahrgangs besonders stark. So sind an den Unis in Köln, Bochum, Duisburg-Essen und Aachen für 84 bis 100 Prozent der Fächer Hürden gesetzt. NRW-Wissenschaftsministerin Svenja Schulze (SPD) versichert zwar, man sei gut für den Ansturm gerüstet. Jedoch: "Nicht jeder wird am Wunschort das Wunschfach studieren können." Aber etwa auch an der Uni Hamburg gilt für alle Bachelor-Angebote ein NC. In begehrten Fächern werden bundesweit die Anforderungen von 2012 womöglich verschärft.

Schlechte Karten mit mäßigem Abitur

An den ausgewählten 20 Unis ist nahezu ein Drittel aller Studenten in Deutschland eingeschrieben. Darunter sind etwa die großen Standorte in Berlin und München sowie Münster, Heidelberg oder Frankfurt. Im Wintersemester 2012 war Psychologie an allen 20 Unis mit einem NC besetzt, der im Schnitt bei 1,3 lag. Selbst in Massenfächern wie Betriebswirtschaft hatte man mit mäßigem Abitur schlechte Karten, im Schnitt wurde eine glatte Zwei verlangt.

Sogar in der vermeintlich brotlosen Germanistik wurden nur an zwei der 20 Unis alle Bewerber zugelassen; der NC reichte von 1,7 bis 2,9. Hier wie in ähnlichen Fächern waren noch vor ein paar Jahren Beschränkungen völlig unüblich.

Studienplatzverteilung bis in den Herbst hinein

Mitte Juli endete die Bewerbungsfrist für zulassungsbeschränkte Fächer. Die Unis prüfen nun die Anträge. In den ersten Augustwochen werden Zu- oder Absagen verschickt. Derjenige, der in einem beschränkten Fach den letzten Platz bekommt, setzt mit seiner Abi-Note den NC. Zudem vergeben Hochschulen Plätze nach Wartesemestern oder über Eignungstests. Die endgültige Verteilung wird sich wohl bis zum Herbst ziehen.

Abiturienten bewerben sich oft an mehreren Unis gleichzeitig - das seit Jahren geplante Online-System zum Abgleich der Bewerbungen ist erst für wenige Studiengänge in Betrieb. Medizin und Pharmazie werden noch zentral über die frühere ZVS vergeben. Hier geht ohne einen guten Einser-Schnitt nichts.

Prognosen weisen für 2013 erneut gut eine halbe Million Studienanfänger aus. Bundesweit ist etwa die Hälfte der Bachelor-Angebote beschränkt. In kleineren Städten, im Osten und an Fachhochschulen ist der Andrang geringer, dies drückt die Gesamtquote. Letztlich geht es ums Geld. Zwar haben Bund und Länder den Hochschulpakt für neue Studienplätze jüngst erweitert. Die Hochschulrektorenkonferenz nennt das System dennoch "auf Kante genäht". So seien im Pakt pro Studienplatz 26.000 Euro vorgesehen, was nur für kostengünstige Fächer reiche. Ein Rektor sieht den NC gar als "Akt der Notwehr", um den Studienbetrieb sicherzustellen.