Bachelor-Studiengänge Junge Union fordert Korrekturen der Bologna-Reform

Zu jung, zu wenig auf das Berufsleben vorbereitet, zu wenig Auslandserfahrung: Zum zehnten Geburtstag hagelt es Kritik an der Bologna-Reform. Zwar verteidigt Bildungsministerin Schavan die Umstellung der Studienabschlüsse. Doch vom Bildungsexperten der Jungen Union, Tom Zeller, kommen ganz andere Töne.

Interview: Roland Preuß

Mit scharfer Kritik an den Bachelor- und Masterstudiengängen hat der Vorsitzende der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), Horst Hippler, vergangene Woche in der SZ eine Debatte über die europaweite Studienreform (Bologna-Reform) angestoßen. Hippler bemängelt die Berufsqualifikation und die internationalen Wechselmöglichkeiten der Bachelorstudenten, Unionspolitiker verteidigen dagegen vehement die Reform. Eine Ausnahme ist Tom Zeller, 32. Der Bildungsexperte ist Stellvertretender Bundesvorsitzender der Jungen Union.

SZ: Sind Sie selbst bereits in den Genuss der neuen Studiengänge Bachelor und Master gekommen?

Zeller: Nein, ich habe noch das alte Diplom in Politologie gemacht.

Sie haben die Bologna-Reform während der Studentenstreiks 2009 entgegen der Parteilinie kritisiert. Ist seither genug geschehen?

Es gab seitdem immerhin Bologna-Nachfolgekonferenzen, die an der Reform einige hilfreiche Justierungen vorgenommen haben. Die grundsätzliche Skepsis ist allerdings geblieben, auch wegen vieler schlechter Erfahrungen, die Studenten mit den neuen Studiengängen gemacht haben. Das gemeinsame Ziel, europaweites Studieren zu erleichtern, halte ich allerdings nach wie vor für gut und richtig.

In diesem Ziel sind sich ohnehin fast alle einig. Was muss nun konkret geschehen, damit der Weg dorthin, die Bachelor- und Masterstudiengänge, besser werden?

Wir müssen den Trend zur starken Verschulung und zur Konzentration auf die Credit Points, die man für die Lehrveranstaltungen erhält, umkehren. Es geht darum, das Studium wieder freier gestalten zu können, so wie die Studierenden es für richtig halten. Die Verschulung hat dazu geführt, dass viel Kreativität und Flexibilität erstickt wurde. Doch das ist genau das, was wir brauchen. Durch die sehr starke Straffung der Studiengänge haben wir sehr viel Luft zum Atmen genommen. Außerdem müssen wir den jungen Leuten flexiblere Möglichkeiten geben, ihre Studienleistungen anerkennen zu lassen, an Hochschulen im In- und im Ausland.

Ist das nicht in erster Linie die Verantwortung der Hochschulen, das umzusetzen?

Ja, absolut. Es gibt Hochschulen, die diesen Weg exzellent gegangen sind, es existieren aber auch andere, welche die Möglichkeiten von Bologna schlecht genutzt haben. Es gibt nicht den einen Schuldigen für die Fehler der Reform, sondern mehrere Akteure. Die Uni-Rektoren, deren Vorsitzender ja nun das Modell kritisiert, tragen da durchaus Verantwortung - und sind bisher nicht durch blühende Innovationsfreude aufgefallen.

Bildungsministerin Annette Schavan, aber auch Wissenschaftsminister von Union und SPD verteidigen die Reform eisern - wollen hier die Verantwortlichen Fehler nicht eingestehen?

So weit würde ich nicht gehen. Die Bildungspolitiker sind nun gefordert, in den regelmäßigen Konferenzen zur Bologna-Reform eine Zwischenbilanz zu ziehen. Dann ist erkennbar: Man kann viele Justierungen vornehmen. Das darf man nicht von vorneherein ablehnen.

Den Bachelor erlangen Studenten in der Regel nach sechs Semestern, für die alten Abschlüsse Magister und Diplom brauchte man deutlich mehr Zeit, konnte aber auch mehr in die Tiefe gehen. War diese gründliche Bildung nicht eine der Stärken der deutschen Uni-Systems, das wir nun aus der Hand geben?

Diese Gefahr sehe ich durchaus, gerade wenn ich an den weltweit sehr guten Ruf deutscher Mediziner und Ingenieure denke. Aber man kann das nicht pauschalisieren. Das neue System hat große Vorteile: die Absolventen können früher einen Beruf ergreifen, und zumindest grundsätzlich haben sie bessere Möglichkeiten für ein internationales Studium.