Ausbildung von Lehrern Warme Worte für faule Säcke

Das Lehramtsstudium ist eine Großbaustelle, an den Hochschulen fristet es oft ein Schattendasein. Reformen kommen im föderalen Dickicht nur in kleinen Schritten voran, wie es aktuell die Beratungen von Bund und Ländern zeigen.

Ein Kommentar von Johann Osel

Faule Säcke in hässlichen Strickpullovern, die sich über üppige Ferien und sichere Jobs bis zur Rente freuen; Dilettanten, die nur Pädagogen wurden, weil ihre Abiturnote für anständige Berufe nicht gereicht hat. Derlei Ansichten über Lehrer kursieren wie eh und je, nicht nur an dumpfen Stammtischen. Natürlich, es gibt Vertreter der Zunft, die den Feuereifer verloren haben oder ihn nie hatten.

Hartnäckig hält sich das Vorurteil vom faulen Lehrer, der sich über üppige Ferien freut. Seine Leistungen werden dabei ignoriert.

(Foto: dpa)

Was die meisten Lehrer leisten, wird aber gerne ignoriert, in Umfragen hat sich das gesellschaftliche Ansehen zuletzt nur leicht gebessert. Anders in der Politik: Seit dem Pisa-Schock wird über die Qualität des Unterrichts und über die Rolle der Lehrer debattiert, warme Worte gibt es zuhauf. Leider nur Worte: Das Lehramtsstudium ist eine Großbaustelle, es fristet an den Hochschulen oft ein Schattendasein. Und Reformen kommen im föderalen Dickicht nur in kleinen Schritten voran, wie es aktuell die Beratungen von Bund und Ländern zeigen.

Vor etwa einem Jahr wollte der Bund eine "Exzellenzinitiative" für Lehrer auflegen. Wie beim gleichnamigen Forschungswettbewerb sollten mit Millionen aus Berlin herausragende Zentren für die Lehrerbildung der Zukunft entstehen. Eine Aufwertung innerhalb der Hochschulen sollte es geben, neue Unterrichtskonzepte, stärkeren Praxisbezug. Das alles gebieten schon die gestiegenen Anforderungen des Berufs: Die Schülerschaft wird immer heterogener, zugleich müssen Lehrer oft ausgleichen, was im Elternhaus versäumt wurde.

Unterricht von Fächern mit ein bisschen erzieherischer Begleitung - das ist eine Stellenbeschreibung nach verstaubten Schablonen. Den ersten Entwurf des Bundes hatten die Länder zerrissen, eine "Qualitätsoffensive" für die Breite solle es lieber geben. Wegen organisatorischer Feinheiten wurde das Projekt nun abermals aufgeschoben. Das lässt sich durchaus als fehlende Wertschätzung interpretieren.

Dabei sind die Probleme hinlänglich bekannt: Angehende Lehrer sitzen an den meisten Hochschulen zwischen allen Stühlen, ihre Ausbildung geschieht selten strategisch und an einer zentralen Fakultät, sie gilt Rektoren als lästige Pflichtleistung für den Staat. Sie kostet Geld, bringt aber nichts ein - keine Mittel oder Kooperationen mit der Industrie wie bei den Technikfächern, kaum famose Forschungsergebnisse wie Sozialwissenschaften, nichts, womit man sich als Universität groß schmücken kann.

Und so behandeln Hochschulen ihre Lehramtsstudenten zuweilen, als handele es sich um einen Nischenberuf, als gelte es eine Handvoll Altägyptologen irgendwie durchs Studium zu schleusen. Dass bessere Lehrer morgen die besseren Studenten bescheren, wird selten erkannt.

Zusätzliche Probleme bringt die sogenannte Bologna-Reform. Wie andere Studiengänge sollten auch die Lehrerämter auf die Abschlüsse Bachelor und Master umgestellt werden - allerdings gab es nur einen Beschluss der Länder, der sie zu nichts verpflichtet. So haben nun zwar die meisten Minister das neue System eingeführt, manche aber nur zum Teil, andere behielten gleich das alte Staatsexamen. Die Folge: Lehrer können teils einfacher in einen anderen EU-Staat wechseln als ins Nachbarbundesland, während etwa der Abschluss eines Tischlers allerorten anerkannt wird.

Dabei bräuchte es gerade mehr Lehreraustausch, zudem eine bundesweite Steuerung: In den kommenden Jahren gehen Zehntausende Pädagogen in den Ruhestand, jeder Zweite ist heute älter als 50 Jahre; und in manchen Fächern herrscht schon jetzt akuter Lehrermangel, in anderen dagegen ein Überangebot, sodass manchen Absolventen der Berufseinstieg gar nicht gelingt. An einer attraktiveren Ausbildung und mehr Vergleichbarkeit führt kein Weg vorbei. Das weiß die Politik zu gut; sie kümmert sich aber um das Thema kaum - die Politik ist da ein fauler Sack.