22. Januar 2013 22:35 Entscheidung der Universität Düsseldorf Schavan muss um Doktortitel bangen

Die Universität Düsseldorf hält die Plagiatsvorwürfe gegen Bildungsministerin Schavan für stichhaltig. Sie leitet ein Verfahren ein, um ihr den akademischen Grad abzuerkennen.

Von Roland Preuß

Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) steht vor dem Verlust ihres Doktortitels. Die Universität Düsseldorf leitete am Dienstagabend offiziell das Verfahren zur Aberkennung von Schavans akademischem Grad ein. Dies sagte der Dekan der Philosophischen Fakultät, Bruno Bleckmann. Die Entscheidung fiel Bleckmann zufolge in geheimer Abstimmung mit 14 Ja-Stimmen bei einer Enthaltung. Mit dem Votum signalisiert die Hochschule, dass sie die Plagiatsvorwürfe gegen Schavan für so stichhaltig halte, dass sie den Titelentzug weiter vorantreibt. Bleckmann betonte jedoch, dass das Verfahren "ergebnisoffen" sei. Für den 5. Februar sei eine weitere Sitzung des Fakultätsrats angesetzt. Dann werde über die Fortsetzung des Verfahrens beraten.

Sollte Schavan tatsächlich ihren Titel verlieren, so dürfte sie auch als Ministerin schwer zu halten sein. Allerdings kann sie eine endgültige Entscheidung durch eine Klage vor dem Verwaltungsgericht hinauszögern. Der Düsseldorfer Beschluss fiel im zuständigen Rat der Philosophischen Fakultät. Dort sind 15 Universitätsangehörige mit Stimmrecht vertreten - als Mehrheit acht Professoren, zudem wissenschaftliche und nichtwissenschaftliche Mitarbeiter sowie Studenten. Zuvor hatte das Gremium stundenlang über die Vorwürfe beraten. Der Rat fällt letztlich auch die Entscheidung über den Entzug des Titels.

Ministerin widersprach den Vorwürfen

In den nächsten Wochen sollen sich die Mitglieder des Gremiums intensiv mit Unterlagen des Promotionsausschusses und einer Stellungnahme Schavans auseinandersetzen. Der Promotionsausschuss hatte die Plagiatsvorwürfe vorab geprüft und empfohlen, das Verfahren zur Aberkennung des Titels einzuleiten. Wenn die Universität Anzeichen für ein wissenschaftliches Fehlverhalten habe, müsse sie dem "konsequent und unabhängig von Person und Position" nachgehen, sagte Bleckmann. Die Ministerin hat den Vorwürfen mehrfach widersprochen.

Am Dienstag erhielt die langjährige Ministerin erneut Rückhalt aus der eigenen Partei. Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) bezeichnete ihre Kabinettskollegin im ZDF als "hervorragende Bildungsministerin". Zugleich sprach sich von der Leyen dafür aus, in dem Verfahren Zurückhaltung zu üben und es nicht von außen zu kommentieren. Zuvor hatte bereits Kanzlerin Angela Merkel erkennen lassen, dass sie zu ihrer Vertrauten steht.

Der Bundesbildungsministerin wird vorgeworfen, in ihrer Doktorarbeit "Person und Gewissen" von 1980 fremde Textpassagen ohne sauberen Nachweis der Quellen übernommen zu haben. Erste Vorwürfe waren vergangenen April anonym im Internet erhoben worden, daraufhin leitete die Universität auch auf Bitten Schavans hin die Prüfung ein. Diese hatte federführend der Judaistik-Professor Stefan Rohrbacher übernommen. In einem vertraulichen Gutachten kam er zu einem klaren Urteil: Schavan habe plagiiert. Zudem attestierte er der Autorin eine "leitende Täuschungsabsicht". Schavan hat angekündigt, trotz der Vorwürfe erneut für den Bundestag zu kandidieren.

Schavans Doktorarbeit Werke im Vergleich