Zwischenzeugnisse in Bayern Schulnoten sind nicht objektiv

Es gibt zahlreiche Untersuchungen, die belegen, dass sich Lehrer - ob sie wollen oder nicht - unbewusst von äußeren Faktoren beeinflussen lassen. Zum Beispiel wirken sich Auftreten, Kleidung, Frisur, Sprache und Schrift eines Schülers auf seine Noten aus; stark geschminkte Lippen haben negative Folgen, Brillen positive. In einer anderen Untersuchung geht es um "das Gesetz der Reihe". Es besagt, dass Lehrer eine gute Arbeit besser bewerten, wenn sie zuvor mehrere schlechte korrigiert haben. Zudem scheint sich während des Korrigierens der Maßstab zu verändern. Manche Lehrer bewerten am Anfang einer Korrekturperiode strenger, andere am Ende.

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Richtig problematisch wird es, wenn man die Noten über verschiedene Klassen oder Schulen hinweg vergleicht. Eine der ersten Pisa-Studien hat gezeigt, dass verschiedene Lehrer ein und dieselbe Arbeit eines Schülers vollkommen unterschiedlich bewerten. Das Spektrum reichte von Note Zwei bis Note Fünf. Welche Noten ein Schüler bekommt, hängt außerdem stark vom Niveau der Klasse ab: Ein durchschnittlicher Schüler bekommt bessere Noten, wenn in seiner Klasse viele schlechte Schüler sitzen und schlechtere, wenn er gemeinsam mit vielen leistungsstarken Schülern unterrichtet wird.

Schlechte Noten entmündigen Schüler

Weil Noten seiner Ansicht nach wenig aussagekräftig sind, fordert Jonas Lanig, Vorsitzender der "Aktion humane Schule", sie abzuschaffen. "Was aber nicht heißt, dass Schüler keine Rückmeldung über ihre Leistung bekommen sollen", betont Lanig. Sie sollten aber "nicht länger mit Ziffernnoten abgespeist werden, wo sie doch Anspruch auf eine qualifizierte Beurteilung hätten" - etwa in Form eines Wortgutachtens. Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) ist dagegen überzeugt, dass "eine Schule ohne Noten den Schülerinnen und Schülern schaden würde".

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Noten seien eine wichtige Vorbereitung auf das Leben in der Gesellschaft, in der das Leistungsprinzip gelte. Noten "motivieren, wenn ein Schüler in einem Fach seine Kompetenzen unter Beweis stellen kann. Bewertungen fordern die jungen Menschen aber auch dazu heraus, sich stärker in einem Fach zu engagieren, wenn die Note auf Defizite hinweist", glaubt Spaenle.

Ursula Leppert hat als Lehrerin ganz andere Erfahrungen gemacht: "Schlechte Noten entmutigen jüngere Kinder bis hin zu Tränen", sagt sie. "Und ältere Schüler verdecken die Verletzung durch gespieltes Desinteresse." Es gibt Lehrer, die ihre eigenen Konsequenzen ziehen, etwa indem sie grundsätzlich keine schlechtere Note als Drei vergeben. Andere nehmen sich vor, dass wegen ihnen kein Schüler durchfallen darf. Zur Not gibt es noch das "Juli-Wunder": Schüler, die kurz vor den Sommerferien auf der Kippe stehen, dürfen noch schnell ein Referat halten, und bekommen dafür eine Eins oder Zwei. Das rettet sie dann vor dem Durchfallen.