Zweifel an der Justiz Freigesprochen aber wahnhaft

Mollath war nach eigener Darstellung in Streit mit seiner Frau geraten, weil diese sich nicht von den Schwarzgeldgeschäften habe abbringen lassen. Die Frau zog aus und zeigte ihren Mann an: Er habe sie geschlagen und gewürgt. Mollath streitet dies bis heute ab. Seinen Unterstützern zufolge liege es dagegen nahe, dass die Frau die Vorwürfe gegen ihren Mann erfunden haben soll, um ihn ruhigzustellen. Ebenso bestreitet Mollath den zweiten Vorwurf, der 2003 in Nürnberg erhoben wurde. Er soll angeblichen Verbündeten seiner Frau die Reifen zerstochen haben.

Wegen fehlender Schuldfähigkeit wurde Mollath freigesprochen. Er leide unter einer wahnhaften Störung, urteilte ein Gutachter: Diese bringe es mit sich, dass Mollath viele Personen, mit denen er zu tun habe, mit einem angeblichen Schwarzgeldskandal in Verbindung bringe. Weil gewaltsame Übergriffe immer wieder möglich seien, ordnete das Gericht die Unterbringung in einer Psychiatrie an.

Mollath saß zunächst im Bezirkskrankenhaus Erlangen ein, danach in Bayreuth und Straubing, inzwischen wieder in Bayreuth. Diverse Sachverständige haben das Erstgutachten inzwischen bestätigt, die Unterbringung wird einmal pro Jahr überprüft. Eine Revision gegen das Nürnberger Urteil wurde vom Bundesgerichtshof 2007 verworfen.

Sechs Jahre später beginnen die Ermittlungen

Die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Nürnberg, Antje Gabriels-Gorsolke, sagte der SZ am Dienstag, die Anklagebehörde habe Mollaths Akte zunächst nicht als Anzeige aufgefasst. Mollath habe den Hefter mit mehr als hundert Seiten während seiner eigenen Verhandlung am Gericht übergeben. Ermittlungen seien damals nicht aufgenommen worden. Erst 2012 habe man einen Prüfbericht der Hypo-Vereinsbank aus dem Jahr 2003 angefordert. Strafrechtlich relevante Vorgänge seien nicht festgestellt worden, die Steuerfahnder ermittelten daher auch weiterhin "ohne Auftrag der Staatsanwaltschaft".

Dass die Unterbringung Mollaths mit der übergebenen Akte etwas zu tun haben könnte, sei eine abstruse Unterstellung. Dass eine Vielzahl der an dem Verfahren Beteiligten - ein Amtsgericht, zwei Landgerichte, ein Oberlandesgericht, der Bundesgerichtshof, diverse Gutachter - sich zusammengetan hätten, um einen Verurteilten über Jahre hinweg in der Psychiatrie unterzubringen, nennt Gabriels-Gorsolke "abwegig".

Auch Merk nennt die Vorwürfe "absurd". Sie habe den Landtag umfassend informiert. Volksvertreter ließen sich für Mollath nun "einspannen". Florian Streibl (Freie Wähler) sieht das anders: Für ihn ist der Fall Mollath "ein Justizskandal ungeheuren Ausmaßes"