Zukunftspläne in München Wie es für den Olympiapark weitergehen könnte

Visionen für das Olympia-Areal hat im Rathaus niemand, manche warnen sogar davor. Der Park steckt in einer Zwickmühle zwischen den Erwartungen der Münchner und dem, was er sich leisten kann. Die Verantwortlichen setzen ihre Hoffnungen in zwei Projekte.

Von Silke Lode

Einen besonders guten Lauf hatte der Münchner Olympiapark in den vergangenen Jahren wahrlich nicht. Der Fußball ist ausgezogen, die Bewerbung um die Olympischen Winterspiele 2018 gescheitert. Die mehr als 40 Jahre alten Bauwerke fangen an zu bröckeln, ein Versuch mit Autorennen im Stadion stieß auf wütenden Protest bei den Anwohnern und Ablehnung in der Politik. Jetzt sind auch noch die X-Games völlig unerwartet vom Veranstalter, einem amerikanischen TV-Sender, nach der ersten Runde abgebrochen worden. Unweigerlich stellt sich die Frage, was für ein Konzept die Stadt gemeinsam mit der Olympiapark GmbH für das historische Areal hat. Doch die Suche nach Antworten endet schnell immer wieder am gleichen Punkt: beim Geld.

Der Olympiapark ist nach den städtischen Krankenhäusern mit Abstand eine der größten Baustellen der Stadt. Mehr als 100 Millionen Euro hat München in den vergangenen Jahren bereits in die Sanierung der Bauwerke investiert, vor allem in die Olympiahalle, die als Veranstaltungsort für Konzerte ebenso wie für Sportereignisse sehr gefragt ist. Der Löwenanteil der Arbeiten steht allerdings noch an.

Auf knapp eine halbe Milliarde Euro beläuft sich die jüngste Prognose für die Sanierungskosten, die in den nächsten 20 Jahren auf die Stadt zukommen. Eine Prognose, die in der Vergangenheit regelmäßig nach oben korrigiert wurde. 80 Millionen Euro soll allein die Sanierung des Plexiglas-Zeltdachs kosten - auch diese Summe ist nur eine grobe Schätzung. Fällig sind ebenso der Olympiaturm, die Eishalle, die Brücken und Kanäle im Park. Der laufende Betrieb ist in diesen Kalkulationen noch gar nicht berücksichtigt, im Frühjahr hat die Stadt den Zuschuss von 37,5 auf 40 Millionen Euro pro Jahr erhöht.

"Der Park steckt in einer Zwickmühle"

"Natürlich zerbrechen wir uns im Aufsichtsrat permanent den Kopf über die Zukunft des Olympiaparks", sagt Vize-Aufsichtsratschef Walter Zöller. 1972, als in München Olympische Sommerspiele stattfanden, wurde er zum ersten Mal in den Stadtrat gewählt, als Planungsexperte sitzt er dort bis heute für die CSU. Selten scheut er kritische Worte, doch Vorwürfe macht er weder der Olympiapark GmbH noch der rot-grünen Stadtregierung. "Der Park steckt in einer Zwickmühle zwischen den Erwartungen der Münchner und dem, was er sich leisten kann", sagt Zöller.

Beim Wort "Visionen" schüttelt er nur den Kopf und sagt, der Olympiapark brauche vielmehr einen realistischen Kompromiss: zwischen kommerzieller Nutzung und den Ansprüchen derjenigen, die dort Ruhe und Erholung suchen. Und das alles unter der Prämisse der Bezahlbarkeit. "Die Zuschüsse dürfen nicht immer weiter steigen. Irgendwann ist auch Schluss", meint Zöller.

Sein Fraktionschef Josef Schmid, von dem als OB-Kandidat qua Amt zukunftsweisende Konzepte erwartet werden, äußert sich etwas blumiger, aber in der Essenz ähnlich. Der olympische Moment müsse erlebbar bleiben, eine kommerzielle Nutzung aber möglich sein. Visionen? Fehlanzeige. Schmids einzig neue Idee sind "Spiel- und Bolzplätze für das junge Publikum".

Sportbürgermeisterin Christine Strobl (SPD) ärgert die ganze Debatte: "Wenn wir im Olympiapark etwas machen, gibt es sofort Proteste. Und wenn wir nichts machen heißt es: Ihr braucht innovative Ideen." Sie will zunächst den Bürgerentscheid über eine erneute Olympiabewerbung am 10. November abwarten. Zudem arbeite die Verwaltung gemeinsam mit Red Bull derzeit an Plänen für eine neue Eishockey- und Basketballhalle im Park. Und wenn dann noch jemand gute Ideen für ein tolles Sportereignis im Olympiastadion habe: "Nur her damit, ich bin für jede Überlegung offen", sagt Strobl.

Wohin soll die Reise gehen?

Jutta Koller von den Grünen ist die einzige, die offen einräumt: "Wir haben kein städtisches Konzept für den Park." Ein Versäumnis, das nun immer mehr Mitglieder des Aufsichtsrats angehen wollen, wie Koller sagt. Beobachter aus der Welt des Sports machen die Zögerlichkeit der Politik mitverantwortlich für die Ideenlosigkeit rund um den Park. "Ude war der Sport völlig wurst", sagt einer über den Münchner Oberbürgermeister, der vor gut einem Jahr den Aufsichtsratsvorsitz an Strobl abgegeben hat.

Lange habe es aus dem Rathaus keine Signale gegeben, wohin die Reise gehen soll. Deutlich wird das auch an der Personalie Ralph Huber: Gegen den Olympiapark-Chef steht der Vorwurf der finanziellen Untreue im Raum. Die Staatsanwaltschaft prüft seit Monaten, das Binnenverhältnis gilt als völlig zerrüttet, doch Huber ist formal in Amt und Würden. Daran will die Stadt mit Verweis auf die Unschuldsvermutung auch nichts ändern.

Der zweite Mann im Olympiapark, Arno Hartung, hat inzwischen die Pensionsgrenze erreicht. Um ein halbes Jahr wurde sein Vertrag bereits verlängert - irgendwer muss sich ja kümmern. Doch auch hier zögert der Aufsichtsrat. Strobl kann sich zwar vorstellen, dass Hartung noch zwei bis drei Jahre bleibt - entschieden ist aber nichts, und die von vielen ersehnte Erneuerung ist so auch kaum zu erwarten.

Zwei Projekte machen Hoffnung

Große Hoffnungen setzen Stadt und Olympiapark derzeit auf zwei Projekte: eine mögliche Bewerbung um die Winterspiele 2022 und die geplante Multifunktionshalle, die Red Bull bauen will. Strobl sagt, sie sei "optimistisch", dass das Projekt tatsächlich realisiert wird, einen Grundsatzbeschluss hat der Stadtrat bereits getroffen. Mit Basketball und Eishockey gäbe es endlich wieder regelmäßig Spitzensport im Olympiapark, zudem wäre die Gefahr einer neuen privaten Halle irgendwo im Stadtgebiet gebannt, die dem Olympiapark auf dem Veranstaltungsmarkt zusätzlich Konkurrenz machen würde.

Olympische Winterspiele sind ohnehin der große Traum der Parkverwalter, sie brächten Geld und einen klaren Planungsauftrag nach München. Der Ruf nach neuen Ideen - er wäre mit einem Schlag verstummt. Wenn die Spiele 2022 aber nicht kommen, stellen sich solche Grundsatzfragen umso dringlicher. Und im Rathaus könnte dann schon bald der Tag kommen, an dem der Stadtrat sich von einem Teil der Anlagen verabschiedet, weil niemand mehr ihren Erhalt stemmen will.