Zugspitzlauf "Das grenzt an Rufmord"

Krinningers Anwalt Stefan Beulke hält die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft und den Strafbefehl für oberflächlich und fehlerhaft. "Da wurden Tatsachen so verdreht, dass es an Rufmord grenzt." Krinninger habe vor dem Start um neun Uhr mündlich und schriftlich auf die möglichen Gefahren durch das schlechte Wetter hingewiesen. Des Weiteren habe er sofort das Ziel auf das Platt hinunter verlegt, als erste Anzeichen für eine Eskalation auftraten. Doch entsprechende entlastende Aussagen habe die Staatsanwaltschaft einfach nicht zur Kenntnis genommen. "Da wurde mit großem Eifer ermittelt, leider aber nur mit einem Auge", sagte Beulke.

Der Staatsanwaltschaft München II lag schon zwei Tage nach dem Zugspitzlauf eine E-Mail vor, in der Gerhard Opperer, Geschäftsführer der Bergwacht, seine Kameraden, aber indirekt auch Organisator Krinninger entlastete. Er verweist darin auf die "anfangs guten Bedingungen für einen Berglauf" und die Eigenverantwortlichkeit der Läufer, von denen "viele die Strecke problemlos gemeistert" hätten.

Von frühzeitig absehbaren Problemen durch den Wintereinbruch ist in der Mail nicht die Rede, im Gegenteil. Der Einsatz habe sich "innerhalb weniger Minuten" dramatisiert, hieß es.

Auch dem Amtsgericht Garmisch-Partenkirchen erschien der beantragte Strafbefehl vom 7. November 2008 als nicht stichhaltig. Der damals zuständige Richter schickte das Papier zur Nachbesserung an die Staatsanwaltschaft München II zurück. Dort nahm man zwar Stellung zur Kritik, hielt aber dem ursprünglichen Antrag auf Strafbefehl fest.

Richter wurde ausgetauscht

Im März 2009 reichte es dem Richter: Er setzte selbst einen Strafbefehl auf, den die Staatsanwaltschaft übernehmen und dann bei ihm beantragen sollte. Das fanden Krinninger und sein Anwalt wiederum ein wenig zu dreist und stellten einen Befangenheitsantrag, dem das Landgericht München in zweiter Instanz stattgab.

Der Richter in Garmisch-Partenkirchen wurde ausgetauscht, aber der neue drehte offenbar die Uhr zurück. Als ob es nichts gegeben hätte, bestätigte er den Strafbefehl in der Fassung vom November 2008, den sein Kollege für unzureichend erklärt hatte.

Unabhängig von solchen Rechtsscharmützeln wird der Prozess auch in der Extremsport-Szene mit Spannung erwartet. In Oberstdorf, wo in diesem Jahr zum zehnten Mal der Nebelhorn-Berglauf stattfand, rechnen die Sportveranstalter mit weitreichenden Folgen, falls Krinninger verurteilt wird. "Das würde uns zwingen, nicht nur den Berglauf, sondern auch andere Veranstaltungen grundlegend zu überdenken", sagte Stefan Betz, der für die Gemeinde die Vereine bei der Organisation unterstützt.

Sollte die Eigenverantwortung der Athleten eine so geringe Rolle spielen, dann "steht man ja als Veranstalter schon mit einem Bein im Gefängnis".