Zugspitz-Seilbahn Auf die Spitze getrieben

Ein Glashaus schwebt nach oben: Die neue Kabine ist nicht nur geräumiger, sondern auch noch transparent. Der Ausblick ist mehr so für Schwindelfreie.

(Foto: Max Prechtl/Bayerische Zugspitzbahn/dpa)

Die neue Zugspitz-Seilbahn kann drei Weltrekorde für sich beanspruchen. Künftig soll sie 50 000 Touristen pro Jahr zusätzlich auf den höchsten Gipfel Deutschlands bringen.

Von Matthias Köpf, Garmisch-Partenkirchen

Dass da auch ganz zum Schluss noch ziemlich viel schiefgehen könnte, das wissen sie hier aus eigener Erfahrung: Bei der ersten Fahrt am 1. Dezember 1962 wurde die Bahn zu heftig abgebremst, die Seile gerieten in Schwingung, das Zugseil schlug sich über das Tragseil. Weil später auch noch ein Sturm das Seil von einer Stütze hob, nahm die Eibsee-Seilbahn erst Mitte Mai 1963 den Betrieb auf. Den hat sie im April 2017 eingestellt, um ihrer Nachfolgerin Platz zu machen. Denn von diesem Donnerstag an fährt eine neue Bahn mit neuem Namen auf Deutschlands höchsten Berg: Auch diese "Seilbahn Zugspitze" ist ein Projekt mit maximalen Ansprüchen.

Wie der Berg war auch die Baustelle die höchste des Landes. Die Arbeiter hatten ebenso mit der dünnen Luft zu kämpfen wie der Helikopter, der ganz am Anfang, im Sommer 2015, die einzelnen Segmente des großen Baukrans von der Endstation der Zahnradbahn am Zugspitzplatt die letzten 300 Höhenmeter hinauf zum 2962 Meter hohen Gipfel hievte. Dort droben ist wenig Platz für Material und Gerätschaften, jeder Kubikmeter Beton, jedes Schalungsbrett, jedes gläserne Fassadenelement musste mit der Materialseilbahn hinaufgezogen werden. Mehr als zwei Jahre lang zwängten sich Arbeiter in Bauhelmen durch die Besuchermassen in der Bergstation.

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Denn auch ohne die alte Eibsee-Seilbahn kamen zuweilen immer noch bis zu 3000 Menschen pro Tag per Zahnradbahn auf die Zugspitze. Der Andrang veränderte sich mit dem Wetter, das auch sonst ein wesentlicher Faktor für die Bauarbeiten war. 2016 verging selbst im Sommer kaum eine Woche, in der die Arbeiter nicht erst stundenlang Schnee schaufeln und mit heißem Wasser ihre Gerüste enteisen mussten. Trotz dieser Umstände und eines ziemlich ehrgeizigen Zeitplans sind sie jetzt pünktlich fertig geworden, bis auf ein paar eher kosmetische Details vielleicht.

Die 50 Millionen Euro Baukosten sollen in 20 Jahren abbezahlt sein

Die Seilbahntechnik kann für sich sogar drei Weltrekorde beanspruchen: Für die größte Höhendifferenz zwischen zwei Stationen hielt ihn zuvor auch schon die Eibsee-Bahn, es sind immer noch 1945 Meter. Dazu kommt mit 3213 Metern die längste freie Seilstrecke, denn die neue Bahn hat nicht mehr zwei Stützen, sondern nur noch eine. Diese ist mit ihren 127 Metern dafür wiederum die höchsten Stahlbau-Stütze der Seilbahn-Welt.

Die Bayerische Zugspitzbahn Bergbahn AG, eine Tochter der kommunalen Gemeindewerke Garmisch-Partenkirchen, steckt 50 Millionen Euro in das Projekt, kommt dabei ohne staatliche Zuschüsse aus und will die Kredite in 20 Jahren abbezahlt haben. Sie hat die Bauarbeiten als zusätzliches Spektakel vermarktet, medial und ganz direkt bei Baustellenführungen. Das Produkt Zugspitze bewirbt sie international, zuletzt besonders auf dem asiatischen und arabischen Markt. Der Erfolg lässt sich an den Touristengruppen erkennen.

Waren von bayerischer Seite aus zuletzt eine halbe Million Menschen pro Jahr auf die Zugspitze gefahren und dazu auch noch einige mit der deutlich kleineren Bahn von Tirol herauf, so soll die neue Seilbahn mit ihren im Vergleich zur Eibsee-Bahn fast dreimal so großen Kabinen die Wartezeiten verkürzen und mindestens 50 000 zusätzliche Gäste bringen. Die Frage, ob die Zugspitze das verträgt, stellen sich Bergpuristen längst nicht mehr.

Vom Skibetrieb abgesehen ist Deutschlands höchster Berg für vergleichsweise wenige Menschen ein alpinistisches Ziel, aber dafür umso mehr eine bestens erschlossene Ausflug-Destination. Wenn die zur feierliche Eröffnung an diesem Donnerstag geladenen Gäste weg sind, können von Freitag an die Massen kommen. Schiefgehen soll da natürlich nichts. Auf das meiste wären sie dieses Mal vorbereitet.

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