Den Extremlauf auf die Zugspitze haben viele Läufer nur mit Glück überlebt. Viele von ihnen erheben nun schwere Vorwürfe gegen die Organisatoren des Wettbewerbs. Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen aufgenommen.
Nach dem Tod von zwei Extremsportlern an der Zugspitze hat die Kriminalpolizei Garmisch-Partenkirchen die Ermittlungen aufgenommen. Die Beamten wollen klären, ob der Wintereinbruch schon am Morgen vor dem Lauf bekannt war, außerdem werden Zeugen vernommen.
Zwei Menschen kamen bei dem Extrem-Verglauf ums Leben, mehrere Läufer wurden verletzt (Archivfoto). (© Foto: AP)
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"Erst danach wird entschieden, ob ein Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Tötung gegen den Veranstalter des Berglaufs eingeleitet wird", sagte Oberstaatsanwalt Rüdiger Hödl am Montag in München. Die Leichen der beiden Läufer, die am Sonntag am Berg gestorben waren, sollten noch am Nachmittag im Institut für Rechtsmedizin in München obduziert werden.
Offensichtlich haben viele Läufer großes Glück gehabt, dass sie den Lauf überlebt haben. Teilnehmer berichten der Süddeutschen Zeitung von Sportlern, die völlig entkräftet am Wegesrand standen, von einem Spanier, der heftige Schüttelfrostattacken erlebte, von einer Läuferin, die auf dem Schnee ausrutschte und aufs Gesicht fiel.
"Es war der reinste Horror", erinnert sich Claudia Holderied, 45, aus Bad Wörishofen. "Es ging mir schlecht. Eine Dreiviertelstunde oder eine Stunde hatte ich richtigen Schüttelfrost. Die Haut hat mir höllisch weh getan, wahrscheinlich leichte Erfrierungen. Man schleppt sich mechanisch rauf, will am liebsten sterben. Ich konnte nicht mal mehr einen Becher halten. Es musste mir einer helfen."
Alfons Grieb aus Amorbach ging es dagegen relativ gut, er ist gut durchtrainiert. "Die eine Hälfte der Läufer hätte gar nicht starten dürfen", sagt der 41 Jahre alte Spengler. "Ich bin zum dritten Mal mitgelaufen. Ich weiß, was da abgeht. Jeder Läufer muss wissen, was er macht.
"Veranstalter trifft viel Schuld"
"Jetzt versuchen manche, die Verantwortung auf den Veranstalter abzuwälzen", moniert der 49 Jahre alte Läufer Michael Hartinger. Er verteidigt die Organisatoren. Immer wieder hätten die Helfer gesagt: "Zieht euch g'scheit an." Die Veranstalter "trifft viel Schuld", findet dagegen die 36-jährige Georgia Lunz aus Niederbayern. Man habe ja absehen können, dass das Wetter schlecht bleibt. "Aber die hatten wohl Angst, dass sie die 65 Euro Startgeld zurückgeben müssen."
Die meisten Läufer kamen nur in kurzer Hose und Lauftrikot am ganzen Körper zitternd und mit blauen Lippen an den Hütten an. Im "Sonnalpin" holten die Mitarbeiter alles zusammen, was zum Wärmen geeignet war, "von Liegestuhl-Decken über Goldfolien bis zu Tischtüchern". In den Konferenzräumen wurde die Heizung bis zum Anschlag aufgedreht, in Schüsseln lauwarmes Wasser gefüllt, damit die Läufer ihre in den leichten Turnschuhen völlig unterkühlten Füße wieder auftauen konnten. Die wieder transportfähigen Sportler wurden mit den Bahnen ins Tal gebracht.
Die Bekleidung der Extremsportler ist bereits von den extremen Regenfällen zu Beginn der Tour komplett durchnässt. Die Temperaturen sind um mehr als zehn Grad gefallen. Am Startpunkt, dem Martinsplatz in Ehrwald, sind die etwa 600 Teilnehmer bei Temperaturen um zwölf Grad gestartet. Dann kommt der Regen. Und bei 2052 Höhenmetern, der Station Knorrhütte, überrascht sie der extreme Wetterumschwung. Die Temperaturen gehen bis auf etwa minus zwei Grad runter, Regen und Schnee setzen ein und ein gewaltig starker Wind
Die drastische Wirkung des Wetterumschwungs auf die Athleten beschreibt der Ärztliche Direktor des Garmischer Klinikums Johann Meierhofer: Durch die Anstrengung des Berglaufs steige die Körpertemperatur der Athleten auf 39 bis 40 Grad. Der Schneefall, die fallende Temperatur und insbesondere der Wind erzeugten bei den Läufern ein Gefühl, als ob man sie in einen Gefrierschrank stelle.
"Da ist man auch nach einer halben Stunde tot", sagt Meierhofer. Der Arzt geht von einer gefühlten Temperatur für die Läufer von minus zehn bis 15 Grad aus. Die sechs Verletzten, die am Sonntag mit Unterkühlungen in seine Klinik kamen, konnten wieder nach Hause. Bleibende Schäden befürchtet er nicht.
"Der spinnt!"
Helmut Reitmeir, zweimaliger Berglauf-Weltmeister und Berglauf-Veranstalter, erhebt schwere Vorwürfe gegen den Veranstalter des Zugspitzlaufs. "Die Leute sind teilweise schlecht trainiert und überschätzen sich total. Aber die Frage, warum bei so schlechten Verhältnissen gelaufen wurde, muss man sich schon stellen."
Aufgrund des katastrophalen Wetterberichts sei er selbstverständlich davon ausgegangen, dass der Veranstalter den Berglauf absagt oder die Teilnehmer zumindest nicht bis zum Gipfel laufen lasse. "Als ich erfahren habe, dass er das doch getan hat, habe ich gesagt: Der spinnt!" Im vergangenen Jahr seien viele "stinksauer" gewesen, dass der Lauf vorzeitig abgebrochen wurde. "Der Veranstalter hatte halt Angst, dass ihm nächstes Jahr die Leute ausbleiben." Reitmeir beklagte auch, dass die Bergwacht den Lauf nicht unterbrochen habe.
Der passionierte Bergläufer Reitmeir hatte schon am Donnerstag auf seiner Internetseite davor gewarnt, dass sich Teilnehmer während des Zugspitzlaufs verlaufen könnten. Der Veranstalter habe es nicht für nötig gehalten, bei hoch gelegenen Schneefeldern die Strecke zu markieren, sagte Reitmeir. Er fordert, dass von vorne herein nur erfahrene Bergläufer zu so schwierigen Strecken in hochalpinem Gelände zugelassen werden. "Die Hälfte hat bei dem Lauf nichts verloren, weil sie keine Bergerfahrung hat."
Organisator Peter Krinninger, dessen Agentur getgoing den Lauf zum achten Mal ausrichtete, äußert sich auf Anraten der Staatsanwaltschaft nicht mehr zur Frage, ob oder wann er den Lauf hätte abbrechen müssen. Auch die Garmischer Bergwacht will nichts zu dem Vorwurf sagen, sie hätte das Rennen rechtzeitig abbrechen müssen.
Der Deutsche Wetterdienst betont, schon am Donnerstag sei vor dem schlechten Wetter gewarnt worden. Nach Angaben von Toni Thalhammer, Geschäftsführer des Bayerischen Leichtathletik-Verbandes, gibt es für Bergläufe keine Vorschriften, an die sich der Veranstalter halten muss. Im Prinzip könne jeder eine solche Veranstaltung organisieren. Bei extremen Bergläufen wie dem Zugspitzlauf sei jeder für seine eigene Gesundheit verantwortlich. "Man kann niemandem zum Aufhören zwingen", sagt ein erfahrener Bergläufer.
(SZ vom 15.07.2008/dmo)
Rekord in Deutschland
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Lesen scheint auch nicht unbedingt Ihre Stärke zu sein. Ich entscheide nicht über Tod und Leben. Diese Entscheidung traf jeder Teilnehmer dieses Laufes für sich selbst. Von der Teilnahme angefangen, mit der Wahl seiner Ausrüstung bis hin zur Frage ob er irgendwann unterwegs aussteigen soll.
Wer die Gefahr wissentlich sucht, aus welchen Gründen auch immer, der bekommt von mir kein Mitleid. Warum sollen hier Rettungsdienst und Bergwacht bereitstehen?
nicht umsonst begegnete man in früheren Zeiten den Naturgewalten mit mehr Vorsicht und Respekt. Sieht so aus als ob die Menschen es verlernt hätten, die Natur aber auch sich selbst richtig einzuschätzen. Das Gebirge ist eben kein Fitnesscenter sondern ein urtümliches Gelände, das ein gewisses Maß an Erfahrung erfordert, weil es einen Menschen innerhalb von Sekunden in eine extreme Situation bringen kann. Wenn dieser sinnlose und für die Angehörtigen sicherlich entsetzliche Unfall auch nur etwas Gutes haben kann, dann vielleicht die Tatsache, dass man künftig den Naturgewalten wieder etwas respektvoller begegnet.
Wer sind sie eigentlich daß sie bestimmen wer sterben soll und wer nicht? Wie Menschenverachtend sind sie eigentlich daß sie anderen den Tod wünschen? Die Kommentare hier nehmen echt langsam wirklich groteske Züge an.
Anstand und Piietät kennt scheinbar keiner mehr.
Hat sich eigentlich schon mal jemand überlegt das es gar nicht so abwegig ist, das Angehörige der Toten euren Schmutz hier lesen. Schämt Ihr euch denn kein bischen für diesen Müll? Das ist echt so traurig......
... Rettungsdienste jede Suppe auslöffeln, den andere mit ihrem Selbstverwirklichungstrip einbrocken?
Wer meint er müsse sich in Gefahr bringen, um den richtigen Kick zu erleben, dem soll man doch auch den richtigen Kick lasse und ihn sich selbst überlassen. Was solls, in Afrika sterben Kinder weils am nötigsten fehlt dann laßt doch diese Leute sterben, wenn sie sowieso nicht mehr wissen, was noch obendraufgesattelt werden soll.
Extremlauf mit extremen Finale.
Was wollen die Extremläufer noch mehr, welch ein Kick ?
Paging