Zoff um Auftritt von LaBrassBanda "Das ist ja lächerlich"

Er gehe halt nicht hin. Der Streit schwappt bereits über Trachtlerkreise hinaus. Sprach-Traditionalist Sepp Obermeier aus dem Bayerischen Wald, landesweit bewundert oder gefürchtet wegen seines unermüdlichen Einsatzes für das Bairische, zeigt wenig Verständnis für die Traditionalisten in Oberbayern. "Das ist ja lächerlich. Der Dufter gibt jetzt den Trachten-Ayatollah."

Da hilft es auch nichts, dass Obermeier den langjährigen Obertrachtler Dufter für den Kampf gegen die volkstümliche Musik ausdrücklich schätzt. Dufter legte in seinen Tagen als aktiver Chef den Volksmusikern nahe, Auftritte im Musikantenstadl wegen des hohen Peinlichkeits-Faktors abzulehnen. Nun sei aber bei den Apparatschiks des Trachtenwesens eine gewisse "Hirschhornzugeknöpftheit" zu spüren, findet Obermeier.

"Das ist wie bei Sechzig und Bayern"

Die Trachtler ein Haufen zugeknöpfter Gegenwartsverweigerer? Ein Anruf beim Ruhpoldinger Bürgermeister Claus Pichler. Der muss es wissen, schließlich war er selbst lange Vorstand eines Trachtenvereins. In der Warteschleife passend: astreine bayerische Blasmusik. Der Bürgermeister, gewöhnlich ein Freund von Wortgirlanden, hält sich erstaunlich bedeckt. Schließlich sei er Vorstand des kleineren Ruhpoldinger Vereins D'Rauschberger Zell und nicht der größeren Miesenbacher gewesen, die LaBrassBanda eingeladen haben. "Das ist wie bei Sechzig und Bayern, da redet man sich lieber nicht drein", sagt Pichler.

Eine gesunde Rivalität gebe es auch unter Trachtlern, doch über Sticheleien gehe diese nicht hinaus, wie er an sich selbst belegt. "Ich stamme schließlich aus einer Mischehe." Und LaBrassBanda? Ja mei, sagt der Bürgermeister schließlich, er könne halt nicht an allen Abenden auf dem Gautrachtenfest präsent sein. Die Zeit werde zeigen, ob dieser Trend von Ruhpolding sich durchsetze oder verpuffe wie der Ententanz auf dem Oktoberfest.

Nippelcheck im Zirkus

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Natürlich hat Chef-Organisator Hermann Feil gewusst, dass der Tabubruch auf seinem Gautrachtenfest für Aufregung sorgen werde. Ihm gehe es darum, über die Zukunft der Trachtler einen Dialog anzustoßen, sagt er. "Wir reden viel zu wenig und nur in Hinterzimmern. Wir haben viele junge Mitglieder, die anders denken als in den Fünfziger- oder Sechzigerjahren." Seinem Verein gehe es nicht um einen Stil- oder Wortbruch, sondern um eine dezente Öffnung der Trachtler. "Wir haben ja nicht Status Quo eingeladen." Sondern LaBrassBanda, die mit ihren bayerischen Wurzeln und Texten ebenfalls "als Satelliten unter dem bayerischen Schutzschild kreisen".

Ruhpolding sei der richtige Platz für eine Neuorientierung mit Maß, findet Feil. Tatsächlich wurde hier manches Tabu gebrochen. Man denke an die Heimatfilme der anderen Art wie "Das Sündige Dorf". Oder an den Auftritt der Oberkrainer beim letzten Gautrachtenfest in Ruhpolding 1988, der bei Puristen für Empörung sorgte. Über den Oberkrainer Abend am 26. Juli regt sich im Jahr 2014 keiner mehr auf.

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