Kultusminister Siegfried Schneider legte einen guten Start hin, ist aber mittlerweile arg in die Defensive geraten.
Im Frühsommer war Siegfried Schneider etwas dünnhäutig. Da klagte er in kleiner Runde schon mal darüber, dass das Kultusressort zu führen wohl eine der schwierigsten Regierungsaufgaben sei. Zur Schule wisse jeder etwas zu sagen. Und jeder wisse es auch noch besser.
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Der ehemalige Lehrer kommt nicht zur Ruhe. (© Foto: dpa)
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Zwar gibt sich der Kultusminister jetzt, wenige Wochen vor der Landtagswahl, selbstbewusst, als sei es in letzter Sekunde gelungen, alle Störfeuer zu beseitigen. Doch der Schein trügt. Die Schulpolitik der CSU birgt weiterhin Explosives. Ob und wie sich dies am 28. September entlädt, wenn der Bürger sein Kreuz auf dem Stimmzettel macht, kann keiner sagen.
Das größte und bislang völlig ungelöste Problem von Schneider ist der Lehrermangel. Je nach Schulart fallen bis zu zehn Prozent des Unterrichts aus. Kurzfristig ärgern sich Eltern darüber, langfristig aber kommen Zweifel an der Funktionsfähigkeit des öffentlichen Schulsystems auf. Zumal der Lehrermangel, da sind sich SPD und Grüne mit allen Lehrerverbänden einig, hausgemacht ist.
Schuld daran trägt eine jahrzehntelange Sparpolitik. Sie führte dazu, dass Stellen abgebaut und exzellente Lehramts-Bewerber im Schuldienst keine Chance hatten. In der vergangenen Legislaturperiode wurde dieser Kurs zwar korrigiert - nur viel zu spät.
2200 Lehrer mehr sollen allein in diesem Jahr die Schulen unterstützen, doch der Lehrermarkt ist leer gefegt. Die Schulen fahren ein Notprogramm. Sie nehmen jeden, den sie kriegen: Österreicher, Quereinsteiger, Pensionisten und Abiturienten. Nach wie vor fällt aber zu viel Unterricht aus.
Wie ein Makel haftet auch das achtjährige Gymnasium an Schneiders Haus. Zwar hat der Minister diese Reform nicht zu verantworten. Es ist eine Hypothek, die noch auf das Konto des ehemaligen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber geht. Er beschloss die Schulzeitverkürzung im Alleingang nach seinem erdrutschartigen Sieg bei der Landtagswahl 2003.
Ohne Plan und Probe
Anders als im Nachbarland Baden-Württemberg kam die Reform in Bayern aber ohne Plan und Probelauf. Es fehlten anfangs der Lehrplan und die Bücher. Die Schulbusverbindungen und die Mittagsbetreuung waren ein Desaster. Inzwischen hat das G8 mehr Korrekturen über sich ergehen lassen müssen als es Jahre zählt. Allein dreimal wurden die Stundentafeln gekürzt, mehrmals die Lehrpläne überarbeitet. Doch selbst nach dem jüngsten Kompromiss, den Schneider mit Eltern und Lehrern im Frühjahr errang, bleibt der Eindruck eines ewigen Provisoriums.
Schneider kommt nicht zur Ruhe. Kaum scheint eine Aufgabe gelöst zu sein, tut sich eine neue auf. So fehlt ihm die Kraft, sich über die große Linie Gedanken zu machen - sowohl in der Schulpolitik wie auch als CSU-Chef in Oberbayern.
Dabei hatte für den Eichstätter Volksschullehrer alles so gut angefangen, als er im April 2005 vom bildungspolitischen Sprecher der CSU-Landtagsfraktion in das Ministeramt wechselte. Seine Vorgängerin Monika Hohlmeier war soeben über den Münchner CSU-Skandal gestolpert und hatte so manchen Wegbegleiter mit in den Untergang gerissen.
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Die neueste Antwort
Alle sind unzufrieden mit dem dreigliedrigen Schulsystem. Die Lehrer, die Eltern, die Kinder.
Das Schulsystem ist nur auf möglichst frühe Auslese angelegt. "Spätentwickler" haben in diesem System sehr große Schwierigkeiten.
Nach der 4. Klasse ist es eigentlich unmöglich zu entscheiden, wer für die Realschule oder für das Gymnasium geeignet ist. Was sollen hier objektive Kriterien sein? Sicher nicht der Notendurchschnitt.
Leider nutzen die Oppositionsparteien diese Unzufriedenheit der Wähler nicht entsprechend. Wenn das der Fall wäre, würde sich das bayerische Bildungssystem sehr bald ändern.
Herr Schneider und di CSU sind z ängstlich echte Reformen anzugehen, bei denen sich Ihnen dann die Lehrerverbände in den Weg stellen werden. Dafür gibt es jetzt Ankündigungen, die nicht einhaltbar sind
- die zusätzlichen Lehrer sind nicht verfügbar (teilweise auch auf Grund der zu niedrig angesetzten Staatsnote)
- die versprochene Klassenstärke wird erst in 2012 (angeblich) eingeführt. Dafür erhöht sich die Schülerzahl pro Klasse von der 2. in die 3.Klasse Grundschule um 40% - dort wird dann ausgesiebt)
- Förderunterricht im G8 wird gestrichen, Stunden werden gekürzt aber der Lehrstoff bleibt gleich
- Ganztagesschule ist ein Potemkisches Dorf.
Eigentlich hatte die CSU 40-Jahre Zeit ein nicht schlechtes Schulsystem stetig zu modernisieren, dafür wurde es in den letzten Jahren mit einem Experiment nach dem anderen nur laufend verschlimmbessert.