Xavier Naidoo "Ich erwarte nichts Gutes von der katholischen Kirche"

Der Sänger Xavier Naidoo ist gläubig, aber an der Kirche lässt er kein gutes Haar. Ein Gespräch über sein Verhältnis zu Gott - und warum der Papst Buße tun sollte.

Interview: Bernhard Blöchl

Seine zweite Soloplatte trägt den Untertitel "Alles für den Herrn", seine Texte sind geprägt von katholischen Gedanken, und auch mit seinem Musikerkollektiv Söhne Mannheims beschäftigt sich der bibelkundige Sänger eindringlich mit dem Thema Glauben. Am Freitag tritt Xavier Naidoo im Kloster Benediktbeuern auf, wo er sein Album "Alles kann besser werden" vorstellt - ein besonderes Konzert für den 38-Jährigen, der zwar gläubig ist, aber mit der Institution Kirche auf Kriegsfuß steht, wie er sagt. Bernhard Blöchl sprach mit Naidoo.

SZ: Sie sind römisch-katholisch erzogen worden und bringen Ihren Zugang zu Gott in vielen Ihrer Songs zum Ausdruck. Ist das Kloster Benediktbeuern ein besonderer Konzertort für Sie?

Xavier Naidoo: Er ist insofern besonders, als hinter den Klostermauern Menschen leben, die ihr Leben komplett Gott gewidmet haben. Und das finde ich interessant. Es ist das erste Mal, dass ich in einem Kloster auftrete. Ich hoffe, dass ich mit einigen von ihnen sprechen kann. Das sind ja Salesianer, und ich bin gespannt, wie die so drauf sind. Es gibt genügend Orden und Ordensgemeinschaften, die ich kritischer begutachte, zum Beispiel die Piusbrüder oder die Jesuiten. Aber ich bin gespannt und offen und freue mich auf den Auftritt im Kloster.

SZ: Stellen Sie Ihr Tourneeprogramm für das Kloster um?

Naidoo: Nein, ich werde speziell in Benediktbeuern keine Songs weglassen oder so.

SZ: Beten Sie vor Ihren Konzerten?

Naidoo: Nein, mein Gebet ist meine Musik. Ich versuche das immer mit einer großen Intensität und Leidenschaft zu machen. Viele meiner Songs sind an Gott gerichtet. Wir hatten zwar schon viele Konzerte mit den Söhnen Mannheims, wo wir uns im Kreis aufgestellt und gebetet haben, aber das machen wir nicht immer.

SZ: Man hat Ihnen immer wieder vorgeworfen, Ihre Texte seien missionarisch. Sie würden sich der Musik bedienen, um Ihren Glauben anderen aufzudrücken.

Naidoo: Wenn ich zurückblicke, dann waren die ersten Songs, die ich veröffentlicht habe, schon geprägt von katholischen Gedanken. Ich musste das einfach loswerden. Ich habe schon immer gesagt, dass ich in den Liedern, die ich schreibe, ehrlich und offen sein muss, sonst kann ich sie nicht voller Inbrunst singen. Die Erlebnisse, die man hatte, verarbeitet man in Songs. Und dann kommen dabei Sachen raus, durch die sich andere vielleicht angegriffen fühlen. Nach dem Motto: Was wedelt der da jetzt mit der Bibel rum? Ich musste das verarbeiten, um einen neuen Zugang dazu zu finden. Ich habe auch versucht, die Dogmen, die die Kirche vorgibt, in gewisser Weise noch einmal zu verdeutlichen, um mir selber zu sagen: Das ist ein Wahnsinn!

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