Interview: Olaf Przybilla

Stefan Oschmann organisierte vor 20 Jahren das erste Africa Festival auf den Würzburger Mainwiesen - und versteht sich als musikalischer Entdecker.

SZ: Zwanzig Jahre Africa Festival zwischen Weinbergen. War das so geplant?

Als "besten Basar nördlich von Marrakesch" würdigte im vergangen Jahr ein Botschafter das Festival. (© Foto: dpa)

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Stefan Oschmann: Gewiss nicht. Die Sache geht ursprünglich auf ein Konzert in Amsterdam zurück, "Africa Soli" hieß die Gruppe aus Guinea, große Musik damals. Wir haben uns das angehört und beschlossen: Die sollen das auch mal bei uns in Würzburg spielen.

SZ: Keine große Sache vermutlich.

Oschmann: Dachten wir eigentlich auch. Aber vor 20 Jahren haben Sie für so was einfach keinen Konzertveranstalter gefunden, zumindest nicht in Würzburg. Also haben wir gesagt, dann laden wir die Jungs eben selbst in unsere Stadt ein.

Ein fabelhaftes Erfolg war das, sie füllten eine kleine Halle im Würzburger Stadtteil Grombühl. Im Nachhinein war das die Geburtsstunde unseres Vereins Afro Project. Ahnen, was daraus werden würde, konnte logischerweise niemand.

SZ: Am Donnerstag kommt der Außenminister zur Festivaleröffnung.

Oschmann: Was das für uns bedeutet, müssen wir vermutlich nicht eigens betonen. Und es reist ja nicht allein Frank-Walter Steinmeier an. Botschafter aus 35 Ländern werden nach Würzburg kommen - eine große Ehre für uns.

SZ: Sie haben sich ursprünglich "Entwicklungshelfer" genannt.

Oschmann: Richtig, wir wollten das Klischee einfach mal umdrehen und haben von musikalischer Entwicklungshilfe für Deutschland gesprochen. Zu Beginn unseres Festivals hatten wir den Eindruck, die sei ziemlich notwendig. Heute sind wir da erheblich weiter. Auf den Würzburger Mainwiesen haben wir in den vergangenen 20 Jahren 1,4 Millionen Entwicklungshilfeempfänger begrüßen dürfen, wenn Sie so wollen.

SZ: Ihr Festival wird seither viel kopiert. Ärgert Sie das nicht?

Oschmann: Ja gut, was heißt ärgern? Wir nehmen das eher als Auszeichnung. Die anderen kopieren uns ja vermutlich nicht, weil wir in Würzburg so erfolglos sind. Außerdem dürfen wir uns "das Original" nennen - in aller Bescheidenheit.

SZ: Dachten Sie nie daran, die Organisation in professionelle Hände zu geben?

Oschmann: Nein. Ein wichtiger Grund für den Erfolg dieses Festivals dürfte es ja gerade sein, dass wir die Organisation ehrenamtlich stemmen. Wir, das sind: ein Grafiker, ein Lehrer, ein Psychotherapeut, ein Architekt, ein Messebauer, ein Sozialarbeiter. Wissen Sie, bei uns wird Youssou N'Dour für 30 Euro spielen, in Paris nimmt ein Konzertveranstalter 60Euro. Unsere Verbindung zu Youssou - der in Würzburg schon zu hören war, lange bevor er ein Weltstar wurde - ist sehr freundschaftlich. Als Youssou sein Festival DK24 in Dakar auf die Beine stellte, durften wir ihm aus Würzburg unser Know-how anbieten.

SZ: Verstehen Sie sich noch als musikalischer Entdecker?

Oschmann: Natürlich. Wir dürfen sicher für uns in Anspruch nehmen, dass etwa ein Habib Koite aus Mali nicht zuletzt von Würzburg aus den Sprung ins internationale Musikgeschäft geschafft hat. Angelique Kidjo aus Benin hat sogar ihr erstes Konzert in Europa in Würzburg gegeben. Mittlerweile sind solche Entdeckungen natürlich schwerer, die Musik Afrikas ist ja längst ins Blickfeld der Musikindustrie gerückt. Wir glauben schon, ein kleines Stück dazu beigetragen zu haben. Und hoffen, immer wieder Musikern den Weg zur Spitze ebnen zu können: Der nigerianischen Sängerin Asa etwa - bei uns am Sonntag zu hören - sage ich auch eine große Zukunft voraus.

SZ: Wenn es vier Tage lang regnet in Würzburg...

Oschmann: ...dann haben wir ein Problem, klar. Allerdings ist die Stadt Würzburg mit im Boot, das gibt uns Sicherheit. Wie wir überhaupt das Glück hatten, von Anfang an nie auf taube Ohren zu stoßen. Hätte nicht Gabriel Engert...

SZ: ...der heute Kulturreferent der Stadt Ingolstadt ist...

Oschmann: ...1988 als Mitarbeiter des Würzburger Kulturamtes eine kleine finanzielle Unterstützung für uns durchgeboxt - Afrika am Main hätte es vermutlich niemals gegeben.

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(SZ vom 21.05.2008)