Wintersport "Wir haben jetzt andere Zielgruppen"

Insolvenzverwalter Florian Zistler setzte zunächst - wie die Gemeinde Rettenberg auch - auf einen von der bisherigen Betreiberfamilie favorisierten Unternehmer aus der Schweiz. Der Mann heißt Gregor Wallimann und versprach den Rettenbergern bei einem öffentlichen Auftritt, 80 Millionen Euro in die maroden Liftanlagen zu investieren. Zwei moderne Seilbahnen wolle er bauen, sagte der Schweizer und ließ sich von einem Banker, den er eigens mitgebracht hatte, seine Zahlungsfähigkeit bestätigen. Doch als das Geld fließen sollte, wartete der vorläufige Insolvenzverwalter vergeblich.

In der Grüntenhütte kehrten jahrzehntelang die Skifahrer ein. Jetzt treffen sich dort in 1500 Meter Höhe die Tourengeher, Schneeschuhwanderer und Rodler.

(Foto: Privat)

Rettenbergs Bürgermeister Oliver Kunz (CSU) hat seither weder von Wallimann, der laut einer Schweizer Tageszeitung als Vermögensverwalter 1,8 Millionen Franken an Kundengeldern in die eigene Tasche gesteckt haben und dafür 2001 auch verurteilt worden sein soll, noch von den bisherigen Skiliftbetreibern etwas gehört. Das Problem sei nun die drohende Insolvenz der Skilift-Betriebs-GmbH, berichtet der Bürgermeister. In diesem Fall würden die Flächen am Grünten, die als Pisten genutzt wurden, nicht mehr zur Verfügung stehen.

Die Grundstücke gehören teils der ehemaligen Betreiberfamilie, die für eine Stellungnahme nicht zu erreichen war, Alpgenossenschaften und einzelnen Privatleuten, die ihre Wiesen in sogenannten Grunddienstbarkeiten für den Skibetrieb zur Verfügung gestellt haben. Bei einer Insolvenz würden die Grunddienstbarkeiten hinfällig, so der Bürgermeister: "Ein neuer Betreiber der Skilifte müsste dann bei Null anfangen."

Die Gemeinde Rettenberg verzeichnet im Jahr etwa 160 000 Übernachtungen, und diese Zahl zeigt, wie wichtig das Tourismusgeschäft für den 4500 Einwohner zählenden Ort ist. Deshalb bot die Gemeinde den bisherigen Liftbetreibern auch an, ihnen ihre Grundstücke am Grünten abzukaufen. Auf diesen Vorschlag sei aber nicht eingegangen worden, sagt Kunz, der nur noch darauf hoffen kann, dass Insolvenzverwalter Zistler rechtzeitig einen anderen Investor findet.

Aus dem Büro des Rechtsanwalts heißt es, die Verhandlungen mit Interessenten würden laufen. Zuletzt hieß es, fünf potenzielle Investoren hätten sich bei Zistler gemeldet. Der Bürgermeister weiß von mehreren potenten Unternehmern aus der Region, die sich für die Grüntenlifte interessieren. Er wundert sich allerdings, dass sie jetzt auf den Plan treten. "Es ist schon interessant, dass die Interessenten sich erst melden, wo alles vor die Wand gefahren ist."

Hüttenwirt Zeberle glaubt trotz dieser für Rettenberg ermunternden Nachrichten nicht daran, dass die Lifte eine Zukunft haben. Er orientiert sich an bewirtschafteten Berghütten in Österreich, die sich in Gebieten befinden, die nicht mehr zum Skifahren genutzt werden. In Zusammenarbeit mit dem Alpenverein will er sein eigenes Tourismuskonzept erarbeiten, "für den Winter und für den Sommer".

Mit einer Event-Firma arbeitet Zeberle bereits zusammen, die seine Hütte an den Wochenenden für Gruppen zum Übernachten anbietet. "Wir haben jetzt andere Zielgruppen", sagt der Wirt - und sieht dabei nicht unglücklich aus.

Wild und verwunschen

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