Wildtiere in Bayern Empörung über Luchs-Abschuss

Im Bayerischen Wald ist eine trächtige Luchsin abgeschossen worden - doch die Tiere sind streng geschützt. Nun haben Jagdvereine und Umweltstiftungen mehrere Tausend Euro Belohnung für Hinweise auf den Täter ausgesetzt.

Von Christian Sebald

Nach dem illegalen Abschuss einer trächtigen Luchsin im Bayerischen Wald haben Naturschutzverbände hohe Belohnungen für Hinweise auf den Täter ausgesetzt. Die Gregor-Louisoder-Umweltstiftung in München stellt 10.000 Euro zur Verfügung, der Ökologische Jagdverein (ÖJV) Bayern 3000 Euro. Zugleich wächst die Empörung über den illegalen Abschuss. "Es ist erbärmlich, wie hier die Wiederansiedlung einer hochbedrohten und streng geschützten Tierart brutal verhindert wird", sagt der ÖJV-Vorsitzende Wolfgang Kornder.

Auch beim Bayerischen Landesjagdverband (BJV) reagiert man ungehalten. "Wer so etwas tut, handelt skrupellos", sagt Eric Imm, der Naturschutzreferent des BJV, und kündigte Strafanzeige an. Auch Jens Schlüter vom Bund Naturschutz im Bayerwald zeigt sich entsetzt. "Innerhalb eines Jahres haben Wilderer bereits zwei Luchse getötet", sagt er. "Polizei und Staatsanwaltschaft müssen jetzt mit allem Einsatz den Täter ermitteln."

Die tote Luchsin, die mit drei Jungen trächtig war, war vor gut zwei Wochen nahe einem Wanderweg am Silberberg bei Bodenmais gefunden worden. Die Untersuchung des Kadavers ergab, dass das streng geschützte Wildtier mit Schrotschüssen in die Brust getötet worden war. Experten gehen davon aus, dass der Wilderer mit seiner Tat ein gezieltes Zeichen setzen wollte, dass Luchse und andere Wildtiere im Bayerischen Wald nicht geduldet werden. Schon vor einem Jahr hatte ein Unbekannter bei Rinchnach eine Luchsin vergiftet.

Derweil haben der Wildbiologe Marco Heurich und seine Mitarbeiter die Ergebnisse ihres vierjährigen Luchs-Forschungsprojektes im Nationalpark Bayerischer Wald präsentiert. Danach halten sich 16 Luchsweibchen und -männchen in der Region und auf tschechischer Seite auf. Ihre Reviere sind sehr viel weitläufiger als bisher angenommen, die Raubtiere haben ausgesprochen gute Lebensbedingungen und die Weibchen bringen jedes Jahr bis zu zehn Jungtiere zur Welt. Dennoch breitet sich die Population nicht weiter aus. Im Gegenteil: "Fast alle Jungtiere verschwinden auf rätselhafte Weise", sagt Heurich.

Dabei kämen nur wenige durch Autounfälle ums Leben. Die anderen, da sind sich die Experten sicher, werden gewildert. Der Grund ist, da sind sich die Fachleute ebenfalls sicher, dass die Jäger keine sogenannten Beutekonkurrenten dulden. Die Luchse im Bayerwald jagen vor allem Rehe, zunehmend aber auch Rotwild. Beide Arten reklamieren die Jäger aber strikt für sich, auch wenn das keiner in der Öffentlichkeit offen sagen wird.