Wie Stoiber der CSU helfen soll Die Lot gludert wieder

CSU-Altmeister Edmund Stoiber ist zurück - mit gewohnter Dynamik, aber neuem Hang zur Selbstironie. Zusammen mit Kronprinzessin Ilse Aigner will er Wahlkampf für Horst Seehofer machen.

Von Mike Szymanski

Die Golfbälle liegen wie Fallobst auf dem Rasen, aber Edmund Stoiber interessiert sich nicht dafür. Genauso wenig wie für die Golfer, die in einiger Entfernung mit ihren surrenden Elektroautos ihre Runden ziehen. Ein Frühlingstag im April, Stoiber ist zum Bergkramerhof gekommen, einem Golfresort am Rande seiner Heimatstadt Wolfratshausen. Der Aussicht wegen. Der Blick auf die Berge ist herrlich.

Golfspielen? "Liebe Leute, ich habe noch keine Zeit zum Golfspielen." Was haben sie vom Golfklub nicht alles versucht, den 71-Jährigen zu überreden. Er könnte doch jetzt, als Politik-Rentner. Kurse haben sie ihm angeboten, Probestunden. Einfach nur mal den Schläger in die Hand nehmen. Keine Chance. Stoiber sagt, er sei nur "nichtspielendes Ehrenmitglied".

Nichtspielendes Ehrenmitglied - das war Stoiber auch lange genug in seiner CSU, nachdem ihn seine Partei bei der denkwürdigen Klausurtagung in Wildbad Kreuth 2007 gestürzt hat. Stoiber war fortan der Ex-Parteichef, der Ex-Ministerpräsident. In Brüssel wühlt sich der bekennende Aktenfresser als Chef einer Spezialgruppe durchs Paragrafen-Dickicht, ohne dass dabei groß Notiz von seiner Arbeit genommen wird. Der "Archäopteryx aus Wolfratshausen", spottete Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger über den CSU-Politiker.

Voller Leidenschaft und immer auf Abruf

Jetzt meldet sich Edmund Stoiber zurück. "Die Partei weiß: Als Ehrenvorsitzender bin ich mit Leidenschaft da, wenn man mich ruft", sagt er beim Spaziergang. Und CSU-Chef Horst Seehofer hat Stoiber gerufen. Er wird im Landtagswahlkampf der CSU noch einmal eine ganz zentrale Rolle einnehmen. Die CSU kämpft um die Rückkehr zur Alleinregierung, da kann Seehofer jeden Mann gebrauchen. Ein Dutzend Auftritte plant Stoibers Büro gerade zusammen mit der Landesleitung der CSU, verteilt übers ganze Land.

Es ist eine Begegnung mit einem alten Bekannten. Schon die Begrüßung im Restaurant - wie früher: Stoiber betritt das Golf-Restaurant und ist schon wieder auf dem Sprung. "Mal ein bisschen auslüften!", sagt er und geht nach draußen. Nicht mal zum Ankommen hat er richtig Zeit.

Dann dauert es nur ein paar Schritte, bis er thematisch bei der "Renaissance der Regulation" angekommen ist, einem Vortrag über seine Arbeit in Brüssel. Hier schreitet einer über den Golfplatz, der gar nicht dran denkt, sich zur Ruhe zu setzen. Aus der Sakkotasche fummelt er ein Karteikärtchen, auf das er handschriftlich ein paar Zahlen notiert hat. Typisch Stoiber.