Der bayerische Umweltminister begründet, warum er das Kabinett verlässt und als Hauptgeschäftsführer zum Bundesverband der Deutschen Industrie wechselt.
Eine größere Überraschung hätte Umweltminister Werner Schnappauf seinen Kabinettskollegen und Parteifreunden in der CSU, aber auch der Opposition und den Umweltverbänden kaum bereiten können als mit seinem abrupten Wechsel zum Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI). Seit gestern ist es offiziell: Am 24. September soll der 54-jährige Jurist von BDI-Präsidium und BDI-Vorstand offiziell zum Hauptgeschäftsführer berufen werden. Mitte November wird er das Amt antreten.
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"Es wird keine Interessenskonflikte geben", sagte Werner Schnappauf, der designierte Hauptgeschäftsführer des BDI. (© Foto: ddp)
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SZ:Neun Jahre waren Sie Umweltminister, seit 2003 sind Sie auch für Gesundheit und Verbraucherschutz zuständig. Warum suchen Sie sich ausgerechnet den BDI für den Ausstieg aus der Politik aus?
Schnappauf:Bisher bin ich nur nominiert für das Amt des Hauptgeschäftsführers, entscheiden werden die BDI-Gremien am 24. September. So überraschend das Angebot kam, so reizvoll und ehrenvoll ist die Aufgabe. Schließlich ist der BDI der Dachverband der deutschen Wirtschaft. Sie ist die größte Volkswirtschaft Europas und eine der führenden weltweit. Der BDI-Hauptgeschäftsführer arbeitet direkt an der Schnittstelle zwischen Wirtschaft und Politik. Das ist eine gewaltige Herausforderung.
SZ: Der BDI ist gegen das Nachtflugverbot am Frankfurter Flughafen. Was sagen Sie als Gesundheitsminister dazu?
Schnappauf: Es wird keine Interessenskonflikte geben. Bevor ich mein neues Amt antrete, lege ich alle politischen Mandate nieder. Und die künftigen Positionen des BDI werden - egal zu welcher Frage - gemeinsam im Verband und seinen jeweiligen Gremien erarbeitet.
SZ: Die Industrie stand nie im Verdacht, besonderen Wert auf die Umwelt zu legen. Sie waren jahrelang einer der führenden Umweltpolitiker der CSU. Sind da nicht Konflikte programmiert?
Schnappauf: Der BDI will sich noch stärker der großen Herausforderung Klimawandel stellen. Das hat BDI-Präsident Jürgen Thumann schon in seinem ersten Gespräch mit mir deutlich gemacht. Außerdem ist es meine tiefste Überzeugung, dass Ökonomie und Ökologie nur miteinander möglich sind und die Zukunft dem nachhaltigen Wirtschaften gehört.
SZ: Haben Sie sich beworben? Oder ist man auf Sie zugegangen?
Schnappauf: Man hat mich angesprochen, ich habe mich nicht beworben.
SZ: Schon im Frühsommer gab es Gerüchte, Sie seien auf dem Absprung.
Schnappauf: Zu dem Zeitpunkt gab es keine Offerte. Sie kam recht kurzfristig.
SZ: Sind Sie nicht amtsmüde von all den Gammelfleischskandalen und anderen Schlagzeilen?
Schnappauf: Keine Spur. Ich habe erst dieser Tage mit meinen Kabinettskollegen die Eckdaten für den bayerischen Klima-Aktionsplan 2020 fertig gestellt.
SZ: Aber der Druck war und ist doch gerade jetzt wieder wegen des Ekelfleisch-Skandals in Wertingen immens.
Schnappauf: Das Umwelt- und Verbraucherressort mit seinen vielen Risikofeldern - von Hochwasser bis Gammelfleisch, von Bären bis Kernkraft - steht natürlich besonders im Focus des öffentlichen Interesses. Da bleibt es nicht aus, dass der zuständige Minister im Kreuzfeuer steht.
SZ: Was qualifiziert Sie denn als BDI-Hauptgeschäftsführer?
Schnappauf: Ich habe in allen meinen politischen Funktionen stets auf eine enge Zusammenarbeit mit der Wirtschaft gesetzt. Schon als Landrat war es mein Kernanliegen, bestmögliche Rahmenbedingungen für die örtliche Wirtschaft zu gewährleisten. Regional- und Strukturpolitik sowie der Ausbau der Infrastruktur sind für mich als oberfränkischen Politiker und Ex-Landesentwicklungsminister Schlüsselthemen. Auch als Umweltminister, wo ich mit der bayerischen Wirtschaft im Umweltpakt partnerschaftlich zusammenarbeite, gehört die Förderung von Innovationen zu den obersten Zielen.
(SZ vom 6.9.2007)
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Die neueste Antwort
... das paßt, wie der "A*sch auf den Nachttopf".
SZ: "Die Industrie stand nie im Verdacht, besonderen Wert auf die Umwelt zu legen."
Dem Verdacht hat sich Schnappauf auch nie ausgesetzt.
Aber für die Position des BDI-Präsidenten scheint er prädestiniert zu sein:
An den Geruch fauligen Feisches braucht er sich nicht erst noch zu gewöhnen, den kennt er schon.
Jetzt kann er den Herr- /Seilschaften, die diesen Geruch verströmen, persönlich die Hand schütteln.
Ich glaube da ist er besser aufgehoben.
Das Ministeramt war für ihn ohnehin nichts, schon gar nicht dieses.,wo er sich um Gammelfleisch kümmern muß.
Die zukünftige Aufgabe ist doch ganz was anderes. Da braucht er sich nicht mehr mit dubiosen Fleischhändlern herumschlagen.
Das hat er es doch mit viel ziviliesirteren Größen - Nadelstreifen Männern zu tun.
Ist doch klar, das Schnappi da zuschnappt, einen solchen Bissen bekommt man doch nicht jeden Tag.
Jedenfalls, Spass beiseite, ich kann ihn schon verstehen. Bei diesen Geschäften heute, kann man die Nase schon voll haben.
...daß der BDI mit Schnappauf ebenso untergeht wie die bayrischen Ressorts, die er zuvor mit seiner puren Anwesenheit beehrt hatte.
Dies würde auch der dringend notwendigen Maßnahme eines Verbots dieser Organisation wegen grundgesetzeswidriger Handlungen zuvorkommen. ;-)
Nur gut, dass Bruno das alles nicht mehr mitbekommt... der würde sicher vor lauter Verzweiflung mit dem Verzehr von Gammelfleisch Suizid begehen!
@satyena:
Der Mut des Generals erfordert halt sehr viel Tapferkeit bei seinen Soldaten!
Paging