Schulpolitik in Bayern Die Misere des Gymnasiums

Immer weniger Schüler melden sich am Gymnasium an

(Foto: dpa)

In Bayern beginnt das Abitur, doch immer weniger Schüler melden sich am Gymnasium an. Wann merkt Kultusminister Spaenle endlich, dass das G 8 ein Fehler war, der durch halbherzige Reparaturarbeiten nicht wiedergutzumachen ist?

Ein Kommentar von Tina Baier

Was muss eigentlich noch passieren, damit Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) aufwacht und realisiert, dass das achtstufige Gymnasium (G 8) ein Fehler war, der durch halbherzige Reparaturarbeiten nicht wiedergutzumachen ist? Dass die Philologen neuerdings Appelle mit der Überschrift "Keine Angst vor dem Gymnasium!" verschicken, könnte Spaenle zumindest zu denken geben. Dass auf dem Land Eltern ihre Kinder offenbar reihenweise auf der Realschule anmelden, obwohl ihre Noten so gut sind, dass sie das Gymnasium besuchen könnten, müsste ihn hochgradig alarmieren. Tut es aber nicht. Stattdessen träumt Spaenle vom Flexibilisierungsjahr. Mantraartig wiederholt er, dass Gymnasiasten vom Herbst an ein Zusatzjahr einschieben dürfen - das ist sein Gegenentwurf zur Wahlfreiheit zwischen G 8 und G 9, wie sie die Freien Wähler fordern. Hat der Kultusminister überhaupt bemerkt, dass sich bayernweit weniger als 20 Schüler für sein Flexijahr interessieren, während Schulen, die in Hessen und Baden-Württemberg das G 9 wieder anbieten, regelrecht gestürmt werden? Das Gymnasium in Bayern hat ein Imageproblem und der Kultusminister begreift nicht, dass Aussitzen in diesem Fall nicht die richtige Strategie ist.

Fairerweise muss man dazusagen, dass die Gymnasien selbst nicht ganz unschuldig an der Misere sind. Zu viele Lehrer und Schulleiter haben bis heute nicht begriffen, dass Unterricht gerade in Zeiten des G 8, in denen die Kinder ganze Tage an der Schule verbringen, mehr sein muss als reine Wissensvermittlung. Bis jetzt waren die Familien erstaunlich geduldig. Doch wenn die Verantwortlichen nicht endlich reagieren, müssen sie damit rechnen, dass die Eltern Konsequenzen ziehen: Indem sie ihre Kinder anderswo zur Schule schicken oder indem sie im Herbst eine Partei wählen, die ihre Interessen besser vertritt.