Wende in der bayerischen Bildungspolitik SPD und Grüne haben sich den Freien Wählern inzwischen angenähert

Die CSU befürchtet, dass die Freien Wähler großen Zuspruch im Land erfahren. Mehr Wahlfreiheit, mehr Individualität, mehr Freizeit, insgesamt eine Entschleunigung an den Schulen. Das sei sehr populär und durchaus Position der CSU, heißt es in eingeweihten Kreisen der Partei. Eine zentrale Rolle beim weiteren Verfahren dürfte dem Philologenverband unter Leitung von Max Schmidt zukommen.

Nachdem mittlerweile alle Oppositionsparteien ein G-9-Angebot fordern, aber jeweils unterschiedliche Konzepte haben, ist von besonderer Bedeutung, was die Gymnasiallehrer selbst wollen. Schmidt sagte der SZ: "Mir wäre ein eigener bayerischer Weg sehr recht." Modelle aus anderen Bundesländern könne man nur bedingt übernehmen, sie böten keine Blaupause für Bayern. Der Freistaat brauche eine G-9-Lösung, die sowohl auf dem Land als auch in der Stadt funktioniere.

Schmidt sieht die Rückkehr zum G 9 zum Greifen nahe: "Ich glaube, dass der Zeitpunkt sehr rasch nach der Kommunalwahl kommen muss, wo wir uns alle zusammensetzen. Wir werden dann Grundzüge unseres Konzeptes vorlegen."

Inzwischen haben sich auch die SPD und die Grünen mit solchen Thesen den Freien Wählern angenähert. Selbst eine parteiübergreifende große Schulreform erscheint mittlerweile denkbar. Für die Opposition machte am Donnerstag Grünen-Fraktionschef Ludwig Hartmann die Tür weit auf: "Wir würden eine solche Zusammenarbeit begrüßen."

Seehofers Milliardengeschenk

Die 800 Lehrerstellen, die gestrichen werden sollten, bleiben jetzt doch erhalten. Die Kosten dafür sind immens. Und auch die Hochschulen wollen nicht freiwillig auf das versprochene Personal verzichten. Kann Bayern jetzt noch Weltmeister im Schuldentilgen werden? Von Tina Baier, Frank Müller und Mike Szymanski mehr ...

Als hilfreich könnte sich dabei erweisen, dass nun auch der Streit um die Lehrer-Planstellen vorerst bereinigt ist. Im Landtagsplenum gab es am Donnerstag zwar nochmals eine kontroverse Debatte. Alle Fraktionen zeigten sich aber erleichtert, dass die CSU nun doch nicht 800 Lehrerstellen streichen will. Seehofer bestritt, dass er dies mit einem Machtwort erzwungen habe. Alle Bildungsexperten der Fraktion hätten zusammengewirkt.