Weltbild Verlag Allein der Glaube bleibt

Die Mitarbeiter des Weltbild Verlags rechnen mit weiteren Entlassungen.

(Foto: Angelika Bardehle)
  • Die Stimmung im Weltbild Verlag ist schlechter denn je: Ein Jahr nach der Insolvenz könnte es weitere Entlassungen geben.
  • Ihre Wut richtet sich gegen den neuen Eigentümer Walter Droege.
  • Auch die Arbeitnehmer-Vertreter kritisieren Droege und seine Manager scharf.
Von Stefan Mayr, Augsburg

Dolores Sailer geht alles andere als optimistisch in das Jahr 2015. "Bei uns herrscht sehr große Unsicherheit", sagt die Konzernbetriebsrats-Vorsitzende im Augsburger Weltbild-Verlag. "Viele Leute verlassen das Unternehmen freiwillig, die halten das nicht mehr aus." Genau vor einem Jahr hat die damals noch katholische Verlagsgruppe Insolvenz angemeldet. Heute heißt das Unternehmen Weltbild Retail GmbH und gehört dem Düsseldorfer Investor Walter Droege und seiner GmbH. Von einstmals 2200 Mitarbeitern in Augsburg sind gerade einmal 950 übrig. Mehr als 1000 Menschen wurden auf die Straße gesetzt, dazu kommen etwa 300 in den Filialen.

Und trotz der enormen Einschnitte muss sich das verbliebene Personal schon wieder ernsthafte Sorgen um den Job machen. Denn vor Weihnachten hatte die neue Geschäftsführung weitere Entlassungen angekündigt - ohne Zahlen zu nennen. Wie geht es weiter mit dem Unternehmen, das in Konkurrenz zum US-Riesen Amazon sowohl im Internet als auch in Geschäften Bücher und andere Waren verkauft? Die Arbeitnehmer-Vertreter kritisieren den neuen Eigentümer und seine Manager scharf und rechnen langfristig mit weiteren Entlassungen, die über das bisher bekannte Ausmaß hinausgehen.

Verdi ist von Eigentümer Droege enttäuscht

"Wir nehmen immer mehr wahr, dass die Geschäftsführung auf Schrumpfung setzt und nicht auf Wachstum", sagt Hubert Thiermeyer von der Gewerkschaft Verdi. "Das Konzept Weltbild 2.0, das mit den knallharten Sanierern von Roland Berger erstellt wurde, wird nicht umgesetzt", kritisiert Thiermeyer. "Und es liegt keine bessere Alternative vor, das ist ein großes Problem." Er sei "selten so euphorisch gestartet und danach so enttäuscht worden", sagt der Verdi-Mann.

"Anfangs gab Droege das klare Versprechen, dass er ins Unternehmen investiert und nicht mit der üblichen Kürzungsorgie kommt. Aber er machte dann sofort das Gegenteil." Der Investor habe sich als "klassischer knallharter Kosten-Sanierer" entpuppt, "der mit Drohungen und Geheimhaltungspolitik arbeitet". Wenn er aber weiterhin nur an den Kosten spare und Weltbild 2.0 nicht umsetze, "steigt die Gefahr, dass wir die Kunden verlieren". Es gibt gut informierte Mitarbeiter, die hinter vorgehaltener Hand mittelfristig eine weitere Halbierung der Mitarbeiterzahlen erwarten. Sie berichten von "leeren Regalen" in den Filialen im Weihnachtsgeschäft, weil zu wenig Ware bestellt worden sei. Und wenn, dann sei nur Ramsch gekommen.

Kritik kommt auch vom Insolvenzverwalter

Selbst Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz, der Droege als Retter ins Boot holte, kritisiert den 60-Prozent-Mehrheitsgesellschafter - wenn auch nur in diplomatischen Tönen. "Das Sanierungskonzept, der Verhandlungsstil und der Umgang mit den Mitarbeitern sind anders als von der Insolvenzverwaltung", sagt Geiwitz. Insider berichten, Geiwitz sei sehr unzufrieden mit Droeges Vorgehen und versuche regelmäßig, ihm einen sanfteren Umgangston näherzubringen. Allerdings ohne Erfolg. Geiwitz muss sich fügen, denn als Vertreter der Gläubiger hält er nur 40 Prozent der Anteile. Über sein Verhältnis zu Droege sagt er nur: "Trotz der deutlichen Unterschiede glaube ich immer noch an den Erfolg der Sanierung."

Damit meint Geiwitz vor allem: Für die Gläubiger muss eines Tages mehr Geld herausspringen als es bei einer Abwicklung des insolventen Verlages Anfang 2014 der Fall gewesen wäre. Wie viele Angestellte es dann noch gibt, muss für Geiwitz zweitrangig sein. Dennoch, so bestätigen alle Gewerkschafter, ist es Geiwitz, der sich für die Interessen des Personals einspreizt. Und Walter Droege? Er gibt trotz mehrmaliger Nachfragen keine Interviews.