Ein österreichischer Elektrizitätsriese übernimmt 13 Wasserkraftwerke - die Kommunen haben das Nachsehen.
Die Kunden werden nichts merken, und auch für die Angestellten soll sich nichts ändern, so lässt es der neue Eigentümer von 13 Wasserkraftwerken am Inn verlauten. Österreichs größtes Elektrizitätsunternehmen Verbund hat Anfang der Woche bekannt gegeben, dass es vom Energieversorger Eon Wasserkraftwerke in Bayern mit einer Leistung von 312 Megawatt übernimmt.
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Wasserkraftwerke sind überaus begehrt, wenn sie auf den Markt kommen und verkauft werden (© Foto: AP)
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Etwa 500.000 Haushalte könnten damit versorgt werden. Es ist ein Milliardendeal, der hinter den Kulissen abgewickelt wurde, und bei dem vor allem bayerische Kommunen und deren Elektrizitätswerke auf der Strecke geblieben sind.
Wasserkraftwerke sind überaus begehrt, wenn sie auf den Markt kommen und zum Kauf angeboten werden. Langfristig lässt sich mit den Anlagen viel Geld verdienen. Sie brauchen keine teuren Brennstoffe, um Strom zu erzeugen, die Wartung kostet vergleichsweise wenig und viel Personal erfordern die Anlagen auch nicht. "Wasserkraftwerke sind etwas Fantastisches", heißt es übereinstimmend bei den Energieversorgern.
Auflage der EU-Kommission
Auch Eon trennte sich nicht gerne von den Anlagen, kommt aber notgedrungen einer Auflage der EU-Kommission nach. Deren Wettbewerbshüter hatten verlangt, dass der Energieriese Kraftwerkskapazitäten abgibt, ansonsten drohte ein Kartellverfahren.
Die Konkurrenz hat nur auf eine solche Gelegenheit gewartet: "Wir hatten großes Interesse", sagt auch Joachim Martini, Geschäftsführer der Energieallianz Bayern, einem Konsortium aus 100 regionalen Bietern, darunter Landkreise wie Altötting, aber auch kleine Stadtwerke wie etwa jene in Freising. Sie hatten ihre Kräfte gebündelt, um im Wettbewerb um die Wasserkraftwerke mithalten zu können.
Dem Vernehmen nach hatte die Energieallianz knapp eine Milliarde Euro geboten - Branchenkennern zufolge durchaus ein guter Preis. Trotzdem reichte es nicht. Der österreichische Konkurrent Verbund legte Eon das bessere Angebot vor. Zwei Drittel der Summe sollen durch Stromlieferungen an Eon beglichen werden, abrufbar im Zeitraum von 20 Jahren. Die Verbund, jetzt schon Österreichs größter Stromanbieter, kommt mit dem Kauf seinem Ziel näher, unter die drei größten Wasserkrafterzeuger in Europa aufzusteigen.
Den Stadtwerken und Kommunen in Bayern ist die Gelegenheit entgangen, sich von stark schwankenden Energiemarktpreisen ein Stück weit unabhängiger zu machen. Auch die kommunalen Elektrizitätswerke versuchen seit Jahren, ihren Anteil an selbsterzeugtem Strom aus erneuerbaren Energien zu steigern. Außerdem wünschen sich immer mehr Kunden Ökostrom.
Politische Dimension
Hätte das regionale Konsortium den Zuschlag bekommen, wären die Stadtwerke ein großes Stück voran gekommen. Dies verdeutlicht eine Berechnung der Stadtwerke Augsburg. Strom aus regenerativen Quellen macht dort bisher einen Anteil von 19 Prozent aus, durch die Wasserkraftwerke hätte er theoretisch um zehn Prozent auf 29 Prozent gesteigert werden können. Nun aber profitieren die Österreicher vom Geschäft.
Das Kraftwerksgeschäft hat auch eine politische Dimension. Nun sieht man, welche Spätfolgen die unter Edmund Stoiber in den 90er Jahren so vehement betriebene Privatisierungswelle hat. Damals spülte der Verkauf von Anteilen an Unternehmen wie etwa dem Bayernwerk, das Kraftwerke betrieb, Hunderte Millionen Euro in die Staatskasse. "Wir hätten damals darauf achten müssen, dass Kommunen zumindest Vorkaufsrechte erhalten, wenn die Anlagen weiterverkauft werden", sagt Ludwig Hartmann, Landtagsabgeordneter der Grünen. "Wir hätten die Kraftwerke gerne in kommunaler Hand gesehen."
Immerhin haben die Österreicher - nicht zuletzt auf politischen Druck aus Bayern - Entgegenkommen signalisiert. Der Stromkonzern will für die 13 Inn-Kraftwerke eine eigene Gesellschaft in Deutschland gründen. Die bayerischen Kommunen könnten einen Anteil von 30Prozent an dieser Gesellschaft erwerben. Genau dies hat die Energieallianz Bayern jetzt auch vor. Sie nimmt, was sie bekommen kann.
- Agentur für erneuerbare Energien Irena für die Umwelt 26.01.2009
- Wasserkraft Schmelzwasser soll Strom liefern 25.03.2008
- Wasserkraft Streit um Afrikas Super-Damm 22.04.2008
(SZ vom 13.06.2009/aho)
Probleme beim Berliner Flughafen lange bekannt
Die neueste Antwort
Mit den Verkaufserlösen aus den diversen Kraftwerken, wurden zum grössten Teil die Neubauten der Universitätskliniken in Würzburg und Regensburg finanziert. Da medizinische Forschung und eine moderne Gesundheitsfürsorge durchaus eine wichtige Staatsaufgabe und somit eine sinnvolle Zukunftsinvestition sind, würde ich sagen, daß das Geld dort gut aufgehoben ist.
Das die jetzt jammernden Kommunen nicht zum Zug gekommen sind, liegt unter anderem auch daran, daß sie das für den Verkauf erforderliche Geld in den vergangenen Jahren anderweitig verbraten haben.
Und die vom Verfasser dieses Artikels beschriebene Möglichkeit der Unabhängigkeit können Sie getrost vergessen. Auch sogenannte kleine und unabhängige Stadtwerke nehmen ihre Kunden genau so gnadenlos aus wie die großen Stromerzeuger. Monopol ist schließlich Monopol.
Liebe E.ON, Erzeugungsanlagen tauscht man - wenn man muß - lieber unter seines Gleichen aus, man kennt sich halt. Wo kämen wir denn hin, wenn kleine Stadtwerke bei der lukrativen Erzeugung auch mitspielen wollten, die sollen sich lieber den Zorn der Verbraucher einfangen und ansonsten als Weiterverteiler schön unter der Aufsicht von E.ON Strom beziehen.
Das man die Kleinen außen vor läßt und die Großen so einen interessanten Deal unter sich ausmachen, darüber absolutes Stillschweigen herrscht hat Geschmäckle.
Die E.On verkauft die Wasserkraftwerke in Bayern
nach Österreich, OHNE einen Kaufpreis zu nennen.
Es wird lediglich über einen Strom-Liefervertrag
mit einer Laufzeit von 20 Jahren berichtet.
Eine Mitwirkung der Aktionäre, also ein Beschluss
auf einer HV wäre bei Geschäften dieser Größenordnung
eine Sache des guten Stils gewesen. Die Frage wäre
zu klären, ob eine solche Mitwirkung nicht sogar
VORGESCHRIEBEN ist.
Die Verbund AG gehört zu 51% der Republik Österreich, die Innwerke gehörtem früher dem Freistaat Bayern?
Jetzt haben bei dem hin und her Geschiebe sich viele - vor allem auch Banken- eine goldene Nase verdient .
Und was hat der Steuerzahler davon?
Isar-Amperwerke und der Bayernwerk AG gefeiert. Die Erlöse daraus sollten Zukunfstinvestitionen des bayerischen Staates möglich machen. Jetzt setzt das große Jammern ein, weil immer mehr Volksvermögen in gewinnorientierten Unternehmen verschwindet.
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