Walter Mixa: Neue Mission im Netz Am Anfang war das Web

Genug geschwiegen: Ein Jahr nach der Prügel-Affäre sucht Walter Mixa wieder die Öffentlichkeit. Im Internet will er die Jugend für die Kirche begeistern. Doch es scheint, als hätte der ehemalige Bischof von Augsburg noch eine zweite Mission.

Von Tobias Dorfer und Stefan Mayr

Der Weg zur Erleuchtung beginnt auf einer Internetseite in strahlendem Weinrot. Viel ist noch nicht darauf zu sehen. Eine E-Mail-Adresse für Presseanfragen, ein Datum - und ein Name: "Bischof Mixa". Und weil die Mission ein Logo braucht, türmt sich über dem letzten Buchstaben des Nachnamens eine große Mitra - die traditionelle Kopfbedeckung der Bischöfe.

Am 25. April, dem 70. Geburtstag des ehemaligen Augsburger Bischofs Walter Mixa, soll diese Internetseite mit Leben gefüllt werden. Von ihr aus geht die neue Mission des umstrittenen Kirchenmanns aus - oder zumindest das, was er darunter versteht: Junge Menschen will der Bischof im Ruhestand für die katholische Kirche begeistern.

Die weinrote Internetseite und ein Profil auf Facebook sollen der Jugend ab Ostermontag den Weg zum Herrn ebnen. Und voran will Mixa schreiten, wie ein "Wanderprediger im Mittelalter", nur eben mit den Mitteln moderner Kommunikation - so sagt er es zumindest in einem eben erschienenen Interview mit dem Donaukurier.

Die Jugend. Ausgerechnet. Es ist erst ein Jahr her, da erschütterte die Prügel- und Finanzaffäre um den damaligen Augsburger Bischof nicht nur das zweitgrößte Bistum im Freistaat - sondern die gesamte katholische Kirche. Mixa soll in seiner Zeit als Stadtpfarrer von Schrobenhausen in den 70er Jahren Kindern eines kirchlichen Betreuungsheimes Gewalt angetan haben.

"Mir geht es um die Neuevangelisierung"

Mixa hat die Vorwürfe zurückgewiesen, bis heute bestreitet er Prügelstrafen. "Die eine oder andere Watschn" hat er inzwischen zwar eingeräumt - seine Glaubwürdigkeit konnte das nicht mehr retten. Am 22. April 2010 bot Mixa dem Papst seinen Rücktritt an. Papst Benedikt XVI. ernannte den Görlitzer Bischof Konrad Zdarsa zum neuen Oberhirten von Augsburg - und verordnete Mixa "eine Zeit des Schweigens, der Sammlung und des Gebets".

Geht es nach Walter Mixa, dann wäre diese Zeit der Einkehr bereits Anfang des Jahres zu Ende gewesen. Im Januar gab er bekannt, mit dem Inhaber einer Selbstverteidigungssportschule ein Buch veröffentlichen und auf Vortragsreise gehen zu wollen. Zdarsa distanzierte sich damals von den Plänen, sprach von einem "beklagenswerten Fall" und davon, dass die Zeit des Schweigens für seinen Vorgänger noch nicht zu Ende sei. Mixa und der Bodyguard mussten zurückrudern.

Bis jetzt. Mixa, der seit dem Auszug aus dem bischöflichen Ordinariat in Augsburg ohne Aufgabe in Gunzenheim (Bistum Eichstätt) wohnt, drängt zurück an die Öffentlichkeit. Er wolle noch fünf oder sechs Jahre Dienst in der Kirche tun, verrät er dem Donaukurier. "Mir geht es um die Neuevangelisierung, die Papst Benedikt XVI. als das entscheidende Gegenwarts- und Zukunftsprogramm der Kirche herausgestellt hat", sagt er. "Da möchte ich mich ganz bewusst engagieren, sei es durch persönliche Gespräche oder Gesprächsrunden, sei es durch Vorträge oder durch Einkehrtage."