Wahlkampagne der Grünen Mit "Rudi Rüssel" und "Schnauze voll"

Guter Käse muss reifen. Aber ein ganzes Bundesland? "Bayern ist reif. Und du?" Mit diesem Motto gehen die bayerischen Grünen in den Wahlkampf. "Rudi Rüssel" und "Schnauze voll" - so soll die Politik für morgen klingen. Fragt sich nur, ob die bayerischen Wähler reif für die Kampagne der Grünen sind.

Von Lukas Meyer-Blankenburg

Guter Käse kann, ja muss reifen. Ein schöner Rotwein wird auch nicht gerade schlechter, wenn man ihn etwas länger reifen lässt. Aber ein ganzes Bundesland? "Bayern ist reif. Und du?" Mit diesem Motto gehen die bayerischen Grünen in den Wahlkampf für die bevorstehende Landtagswahl im September.

Die Spitzenkandidatin der Partei, Margarete Bause, stellte die Kampagne am Montag hoch über den Dächern von München im Vorhoelzer-Forum vor: "Bayern ist reif steht für die Tatsache, dass wir in einer modernen Gesellschaft leben. Das Land ist bunter und vielfältiger geworden. Aber wir haben eine Landesregierung, die Politik von gestern betreibt."

Geht es nach Bause, dann ist der Freistaat reif für den Politikwechsel und die Regierung um Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) sozusagen überreif, wenn nicht gar fällig. Sie forderte deshalb: "Es ist Zeit, die Landesregierung abzuwählen und ein halbes Jahrhundert CSU-Herrschaft zu beenden."

Mit welchen Themen ihr das gelingen soll, erläuterte die Spitzenkandidatin anhand der neuen Plakate der grünen Wahlkampagne: "Bildungspolitik ist eines der wichtigsten Themen des Wahlkampfs. Die Unzufriedenheit in diesem Bereich ist immens." Die Grünen wollen die "enormen Leistungserwartungen" aus dem "veralteten Schulsystem" nehmen. "Wir brauchen Schulen, die Mut machen und nicht Druck", sagte Bause. Gerade auf dem Land wolle man sich für Gemeinschaftsschulen einsetzen, damit die Kinder länger miteinander lernten, aber auch damit überhaupt Schulen in ländlichen Regionen erhalten blieben, soll heißen: "Wir lassen die Schule im Dorf."

Neben der Bildung und dem "grünen Herzensthema" Energiewende stehen der Verbraucherschutz und die Förderung der Gleichstellung von Mann und Frau im Vordergrund des Wahlkampfs.

Der soll jetzt vor allem mit frechen Sprüchen in Schwung kommen. So hielt die Landesvorsitzende der bayerischen Grünen Theresa Schopper zum Thema Verbraucher- und Tierschutz das Bild eines grinsenden Schweins in die Kameras: "Schnauze voll von Antibiotika." Schopper erläuterte dazu: "Wir sehen große Chancen darin, die Menschen mit dem Thema Verbraucherschutz auf unsere Seite zu bringen. Es geht um eine andere Agrar-, Tierschutz- und Umweltpolitik. Und ich finde, unser Rudi Rüssel hier ist ein wunderbares Motiv dafür."

Als Motiv stellte sich auch die Spitzenkandidatin selbst zur Verfügung. Zu dem Spruch "Jetzt gehen Frauen in Führung" lacht Bause den Wähler vom Plakat aus an. Am Montag machte sie deutlich, wie der Spruch gemeint ist: Zum einen will ihre Partei das Betreuungsgeld mitsamt des ihrer Ansicht nach gestrigen Familienbildes der Staatsregierung so schnell wie möglich abschaffen. Die CSU schicke Frauen an den Herd, die Grünen in Führungspositionen, hieß es. Zum anderen möchte Bause als Spitzenkandidatin der Grünen selbst die politische Führung im Freistaat übernehmen.

Wie ernst es ihr damit ist, stellte Bause auf Fragen nach möglichen Koalitionspartnern klar. SPD, Freie Wähler - Bause möchte sich vor der Wahl nicht festlegen und betont vielmehr die Stärke der eigenen Partei: "Wir setzen auf uns. Andere Landtagswahlen haben gezeigt: Einen Politikwechsel gibt es immer nur aufgrund von starken Grünen. Alles weitere wird man sehen." Die nötigen Stimmen für die eigene Partei will Bause dank der flotten Plakatsprüche erhalten und sagt: "Mit diesem Wahlkampf setzen wir auf Inhalte."

Es wird sich zeigen, ob die bayerischen Wähler reif für die Kampagne der Grünen sind. Schon die Wahlplakate von SPD Spitzenkandidat Christian Ude hatten kürzlich das kreative Potenzial der Wählerschaft geweckt. Zu dem Plakat, das Ude mit dem Schriftzug "Ein Ministerpräsident hält Wort" im wahrsten Sinne Wort-haltend abbildet, hagelte es nicht ganz ernst gemeinte Alternativen im Netz, wie: "Ude hält Hof." Oder: "Ude hält durch."