Wahl-Statistik für Bayern Wer Seehofer den Triumph beschert hat

Arbeiterpartei, Familienpartei, Mautpartei: Die CSU hat Wahlforschern zufolge nicht nur mit Wirtschaftskompetenz überzeugt. SPD und Grüne konnten zu wenig Kurzentschlossene gewinnen - und punkteten nur bei den Höchstgebildeten.

Von Tobias Dorfer

Das Ergebnis ist eindeutig. Die CSU darf nach der Landtagswahl in Bayern alleine weiterregieren. Auf knapp 48 Prozent kommen die Christsozialen dem vorläufigen amtlichen Endergebnis zufolge. Eine klare, eine absolute Mehrheit. Doch wie kommt dieses fulminante Ergebnis zustande? Warum konnte die SPD nicht von ihrem populären Spitzenkandidaten Christian Ude profitieren? Und wie kam der Absturz der FDP zustande? Wer wählte wen und warum: Ein Blick in die Statistiken verrät einige interessante Fakten.

  • Landesregierung - powered by CSU

Die Mehrheit der Bayern findet, die Landesregierung hat in den vergangenen Jahren eigentlich ganz gut gearbeitet. Aber wer ist eigentlich "die Landesregierung"? Laut ARD-Wahlforschern sind 66 Prozent der Bayern mit der Regierung Seehofer zufrieden. Fast identisch sind die Werte für die CSU. Das zeigt: Die Landesregierung wird quasi mit der CSU gleichgesetzt. Und die FDP? Stimmt, die hat ja auch mitregiert, kann aber von der Zufriedenheit der Bayern gar nicht profitieren. Mit 20 Prozent bekommen die Liberalen ein vernichtendes Zeugnis ausgestellt. Kein Wunder, dass die FDP mit etwa 3 Prozent abgestraft wurde.

  • CSU attraktiv für Nichtwähler

Um mehr als 4 Prozent Wählerstimmen legt die CSU zu - doch woher kommen die? Laut ARD-Tagesschau vor allem aus den Reihen der Nichtwähler (plus 320.000). Von ehemaligen FDP-Wählern wandern 120.000 zu Horst Seehofer und seiner Partei ab. Und selbst von denjenigen, die 2008 noch Grüne wählten, bekommt die CSU 20.000 Kreuzchen. Sogar von der Linken wandern 20.000 Wähler zu den Christsozialen. Die SPD mobilisiert immerhin 110.000 Nichtwähler und wildert zudem noch bei FDP (10.000), Grünen (20.000) und Linken (40.000). Insgesamt nimmt die Zahl der Nichtwähler um 430.000 ab. Die Zahl jedoch wäre noch erfreulicher gewesen, wenn nicht 10.000 FDP-Wähler und 20.000 Linke-Wähler bei dieser Wahl zuhause geblieben wären.

  • CSU alleine: Regierung wider Wählerwillen

48 Prozent sind ein klarer Auftrag vom Wähler: Die CSU wird Bayern in den kommenden fünf Jahren ohne Koalitionspartner regieren. Dabei ist eine Alleinregierung der Christsozialen überhaupt nicht das, was die Mehrheit der Wähler wollte. Laut Infratest dimap wünschten sich lediglich 35 Prozent der Bayern, dass die CSU alleine regiert. Favorit war die Koalition von CSU und Freien Wählern (44 Prozent). Selbst ein schwarz-gelbes Bündnis bekam mehr Sympathien (43 Prozent) als die Alleinregierung der Christsozialen.

  • Seehofer - Alleinherrscher mit Manko

Horst Seehofer ist der große Sieger der Landtagswahl. Aber lässt sich der Erfolg der CSU tatsächlich am Ministerpräsidenten festmachen? Die Zahlen von Infratest dimap zeigen jedoch: Im direkten Vergleich mit seinem SPD-Gegner kann Seehofer nicht brillieren. Christian Ude wird als sympathischer (46 zu 41 Prozent), glaubwürdiger (43 zu 34 Prozent) und bürgernäher (41 zu 39 Prozent) bewertet. Bei der Führungsstärke gibt es allerdings einen klaren Vorsprung für den CSU-Chef (74 zu 14 Prozent).