Wachsende Empörung "Farce und Ungereimtheiten"

Nationalparkbefürworter prüfen Klage wegen Steigerwald

Von Christian Sebald

Nach der Annullierung des Schutzgebietes "Der Hohe Buchene Wald im Ebracher Forst" im fränkischen Steigerwald gerät zunehmend Umweltministerin Ulrike Scharf (CSU) in die Kritik. "Frau Scharf soll sich nicht länger Umweltministerin nennen, sondern Holzlobby-Ministerin", sagt Benedikt Schmitt, der Vorsitzende des "Vereins Nationalpark Nordsteigerwald". "Das Aufhebungsverfahren war eine Farce, hier im Steigerwald werden die Bürgerrechte auf ganzer Linie abgeschafft." Der Nationalparkverein, der dieser Tage das tausendste Mitglied begrüßt, prüft eine Popularklage vor dem Bayerischen Verfassungsgerichtshof. "In dem Verfahren gibt es lauter Ungereimtheiten, die werden wir nicht hinnehmen", sagt Schmitt. Auch der Bund Naturschutz und der Vogelschutzbund LBV haben bereits Klage gegen die Aufhebung angekündigt, sie ziehen allerdings vor den Bayerischen Verwaltungsgerichtshof.

Außerdem wächst die Empörung über die Regionalkonferenz zur Zukunft des Steigerwalds, die Scharf Ende Oktober einberufen will. Damit will die Ministerin die verhärteten Fronten in dem Streit um einen Buchenwald-Nationalpark aufbrechen. Außerdem will sie Möglichkeiten ausloten, wie die Region ohne ein großes Schutzgebiet das Prädikat Welterbe erhalten könnte, wie sich das viele Einheimische wünschen. "Scharf weiß genau, dass der Steigerwald nur mit einem Nationalpark Weltnaturerbe werden kann", sagt Schmitt. "Wenn sie eine Regionalkonferenz über alternative Optionen einberuft, streut sie den Leuten Sand in die Augen." Die Idee etwa für ein Weltkulturerbe auf der Achse Würzburg, Ebrach mit seiner alten Zisterzienserabtei und Bamberg, nennt Schmitt "Ablenkungsmanöver". Beim LBV sieht man das ähnlich. "Es geht um die alten Buchenwälder und einen besseren Schutz für sie", sagt LBV-Chef Norbert Schäffer. "Den schaffen wir nur durch ein großes Schutzgebiet, wie ,Der Hohe Buchene Wald' eines ist."

Der Streit um den Steigerwald tobt seit acht Jahren. Die CSU, die Forstwirtschaft und der Anti-Nationalpark-Verein "Unser Steigerwald" wehren sich massiv gegen Pläne für einen Nationalpark dort. Im April 2014 wies der damalige Bamberger CSU-Landrat Günther Denzler das 775 Hektar große Schutzgebiet "Der Hohe Buchene Wald" aus. Darauf eskalierte der Streit derart, dass Ministerpräsident Horst Seehofer sich für seine Aufhebung entschied. Um sie zu ermöglichen, änderten Staatsregierung und Landtags-CSU sogar das bayerische Naturschutzgesetz.