Vorstand beschließt Quote Frauenförderung à la CSU

Der CSU-Vorstand hat sich auf eine Frauenquote von 40 Prozent in den oberen Gremien geeinigt. Doch der Beschluss ist nur ein Placebo: Denn die Parteispitze ist nicht das Problem.

Ein Kommentar von Katja Auer

Das ist Frauenförderung à la CSU: Die Frauenunion eine Quote von 40 Prozent fordern lassen, das dann drei Wochen lang totdiskutieren und schließlich einen Minimalkompromiss als Erfolgsmodell verkaufen. Eine Quote von 40 Prozent für den Landesvorstand und die Bezirksvorstände klingt erst mal gut. Trotzdem ist der Beschluss nicht viel mehr als ein Placebo.

Denn die Spitzengremien sind nicht das Problem. Schon lange gilt, dass zwei von vier Parteivizes Frauen sein sollen. Und auch für die Bezirksvorstände werden sich schon ein paar Frauen finden. Aber: Die eigentlichen Schwierigkeiten hat die CSU an der Basis. Dort kommen die Frauen nicht in die Ämter, dort fehlt der Nachwuchs. Und da war auch der Widerstand gegen eine feste Regelung am größten. Jetzt werden Kreis- und Ortsverbände von der Quotenregelung ausgenommen, das heißt, dort passiert erst mal gar nichts.

Gut, die CSU ist eine männliche Partei, nur 18 Prozent der Mitglieder sind Frauen. Gut, vielerorts stehen keine weiblichen Kandidaten zur Verfügung, und mit einer Quote würde vielleicht im Einzelfall eine Frau einem besser qualifizierten Mann vorgezogen. Nebenbei: Das hat umgekehrt noch keinen gestört.

Warum ist die CSU so unattraktiv? Weil sich Frauen dem Hahnenkampf um ein Parteiamt nicht aussetzen wollen, weil sie Familie, Karriere und Partei vereinbaren müssen. Dafür braucht es einen Anreiz. Damit die Frauen mehr werden. Damit die Masse wächst, aus der die Partei schöpfen kann. Damit vielleicht sogar ein Wettbewerb unter den Frauen entsteht. Und das geht nur mit der Quote. SPD und Grüne haben längst vorgemacht, dass es funktioniert, sogar in vielen Wirtschaftsunternehmen setzt sich das Modell inzwischen durch.

Die CSU ist mal wieder hinten dran. Schon bei der Debatte über die Kinderbetreuung hat es Jahrzehnte gedauert, bis die Partei die gesellschaftliche Realität anerkannte. Da will die CSU mehr weibliche Mitglieder, da will sie wählbar sein für junge, gebildete Frauen, die ihr Lebensglück nicht daheim am Herd finden.

Aber die müssen sich auch vertreten fühlen. Warum sollten junge Akademikerinnen einer Männerpartei ihre Stimme geben, die schon die Frauen in den eigenen Reihen kleinhalten will? Mit ihrer Pseudo-Frauenquote hat die CSU wieder mal den Anschluss verpasst.