Die große Inventur: In drei Wochen startet auch in Bayern die Volkszählung. 16.000 Interviewer werden dazu etwa 1,2 Millionen Bürger aufsuchen. Wir erklären, was der Staat von uns wissen will.
Erstmals seit 1987 schwärmen wieder Volkszähler aus, um Deutschland statistisch zu erfassen. Wie viele Menschen leben in der Bundesrepublik? Wie leben sie? An welchen Gott glauben sie? Vom 9. Mai an werden allein in Bayern 16000 Interviewer im Einsatz sein und an den Türen klingeln. Die Süddeutsche Zeitung beantwortet Wissenswertes über den Wissensdrang des Staates.
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Volkszählung in Bayern: 16.000 Interviewer werden dazu etwa 1,2 Millionen Bürger aufsuchen. (© dpa)
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Warum wird wieder gezählt?
Die EU verlangt nach der großen Inventur. Jedes Mitgliedsland soll solide Daten über die Bevölkerung vorliegen haben und diese künftig alle zehn Jahre aktualisieren. Die Daten aus dem Jahr 1987 sind längst überholt und taugen kaum noch als Grundlage für politische Entscheidungen.
Bei wem klingelt es an der Tür?
Knapp zehn Prozent der Bayern können sich auf Besuch einstellen, 1,2 Millionen Bayern müssen damit rechnen, befragt zu werden. Diese sogenannte Haushaltsstichprobe ist per Zufallsprinzip ermittelt worden. Zusätzlich bitten Interviewer in Seniorenheimen und Studentenwohnheimen um Gespräche. Post bekommen auch etwa drei Millionen Immobilieneigentümer und Verwalter, sie sollen in Fragebögen Auskunft zur Wohnsituation machen. Insgesamt müssen sich ein Drittel der Bayern Fragen gefallen lassen.
Heißt Volkszählung nicht, dass jeder befragt wird?
Das Verfahren hat sich im Vergleich zu 1987 deutlich geändert. Wenn man so will, dient die stichprobenartige Befragung der Bevölkerung vor allem zur Feinjustierung. Die Statistiker werten vor allem Daten aus den Melderegistern und etwa der Arbeitsagentur aus, aber da kommt es zu Ungenauigkeiten. Beim Melderegister wird das Problem anschaulich: Beim Umzug nehmen es die Bürger meist sehr genau, sich in der neuen Stadt anzumelden. Beim Abmelden sind sie nachlässig. So kommt es beispielsweise, dass die Zensus-Experten davon ausgehen, dass die Einwohnerzahl in Deutschland womöglich um bis zu 1,3 Millionen nach unten korrigiert werden muss. So viele Menschen wohnen allein in Bayerns Landeshauptstadt München.
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Die neueste Antwort
Zu viele!
Nairb schreibt
"Ein Volkszählung dient ja nicht der Kontrolle über die Bevölkerung oder allein der eigentlichen Zählung, (...)"
die Daten aller Einwohner, also nicht nur die der Haushaltsstichprobe bzw. der Wohnungszählung oder die der sog. Sonderbereiche (Justizvollzug, Psychiatrische Kliniken usw.) bleiben zentral für einige Jahre zugänglich, sie sind über eine eindeutige Personenkennziffer erschlossen. Das ist schon wegen des Personenkennzeichens verfassungsrechtlich bedenklich (BVerfG 1983); außerdem weckt ein solcher Datenbestand immer Begehrlichkeiten.
s. http://zensus11.de/
Für Ackermann nur Peanuts.
Im Zeitalter des www ist das Abmelden in der alten Gemeinde nicht mehr nötig. Das wird gemeinsam mit der Anmeldung in der neuen Gemeinde erledigt.
Vielmehr soll hier die Schluderei der Verwaltungbeamten und/oder -angestellten verschleiert werden.
Ich verstehe gar nicht warum hier soviel Wirbel gemacht wird.
Ein Volkszählung dient ja nicht der Kontrolle über die Bevölkerung oder allein der eigentlichen Zählung, sondern eigentlich dazu, uns und künftigen Generationen Einblick in unsere Gesellschaft zu geben. Wer hat Anschluss an das Internet? Wie weit fahren wir mit dem Auto zur Artbeit? etc.
Wenn wir (bzw. künftige Generationen) also in 50 oder 100 Jahren zurückblicken ist es sicherlich sehr interessant zu sehen wie unser Leben heute aussieht.
Wer Angst vorm Überwachungsstaat hat, sollte nicht so naiv sein zu glauben, daß eine Volkszählung das sprichwörtliche Kraut fett macht: GEZ, Meldepflicht, Steuererklärung etc.
Ich glaube, viele Deutsche haben Angst, daß die Statistiken den Deutschen zeigen könnten, daß es Ihnen gar nicht so schlecht geht, wie Ihnen Bild &Co gerne verkaufen möchten.
In Irland war am 10. April Volkszählung. Dort wird alle 5 Jahre jeder Haushalt befragt. Die Teilnahme ist verpflichtend - allerdings ist die Bevölkerungszahl auch überschaubarer. Diese Volkszählung dürfte einen guten Einblick in die Verhältnisse der Bevölkerung geben im Vergleich zur Höhe des Booms vor 5 Jahren.
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