Noch liegt das Ergebnis nicht vor, doch das Volksbegehren zum Nichtraucherschutz in Bayern hat wohl die zehn Prozent geschafft. Die Organisatoren feiern schon.
Um drei Minuten vor acht Uhr abends gibt Sebastian Frankenberger, Organisator und Geschäftsführer des Volksbegehrens für besseren Nichtraucherschutz, die letzte Zurückhaltung auf. "Ich gehe davon aus, dass wir eine Million Unterschriften schaffen", sagt er am Telefon, "besonders wenn ich sehe, dass hier vor dem Münchner Rathaus noch eine riesige Schlange steht."
Lange Schlangen wie hier in München bildeten sich in vielen bayerischen Städten am letzten Tag der Einschreibefrist beim Volksbegehren für einen besseren Nichtraucherschutz. Der große Andrang am gesamten Mittwoch gab den Organisatoren die Gewissheit, dass sie sogar mehr als die nötigen 940.000 Unterschriften geschafft haben. (© Foto: dpa)
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Auch alle andere Rückmeldungen aus dem Land seien positiv. 940.000 Unterschriften, das sind zehn Prozent der Wahlberechtigten in Bayern, sieht das Gesetz als Hürde für einen Volksentscheid vor. Dass Frankenberger und seine Mitstreiter aller Voraussicht nach deutlich darüber liegen werden, hält der Organisator für "ein eindeutiges Zeichen an die Staatsregierung".
Zwölf Jahre nach dem letzten erfolgreichen Volksbegehren, als in Bayern der Senat abgeschafft wurde, schafft wohl eine weitere Initiative die Zehn-Prozent-Hürde. Vor dem letzten Tag, an denen sich die Wahlberechtigten in den Rathäusern in die Unterstützerlisten eintragen konnten, fehlten den Organisatoren noch etwa 15.000 bis 20.000 Stimmen. Da am Schluss erfahrungsgemäß immer großer Andrang herrscht und sich vorher täglich knapp 70.000 Bürger in die Listen eingetragen haben, war der Optimismus schon am gesamten Mittwoch sehr hoch.
Am Abend meldete die Stadt München dann mehr als 109.000 Stimmen, das sind 12,3 Prozent der Wahlberechtigten. "Es werden sogar noch welche dazukommen, wir werden die Schlange vor dem Rathaus noch komplett abarbeiten", sagte Klaus Gasteiger vom Wahlamt in München um 20 Uhr, am offiziellen Ende der Einschreibefrist. Stunden zuvor beschrieb sein Chef Jörg Schering die Lage so. "Bei uns brummt der Laden, die Schlange vor dem Rathaus reicht bis zur Mariensäule".
Auch in Nürnberg herrscht am gesamten Mittwoch enormer Andrang. "Man merkt, es ist der letzte Tag", hieß es aus dem Bürgerinformationszentrum. Am Nachmittag hatten die Nürnberger die 13-Prozent-Marke längst erreicht. Wesentlich ruhiger ging es in Augsburg zu. "Es sind zwar mehr Leute als in den Tagen zuvor, aber einen Riesenansturm haben wir jetzt auch nicht", hieß es aus dem Rathaus. Bis zum frühen Nachmittag hatten dort 10,2 der Wahlberechtigten unterschrieben. In Passau, wo am Mittag 13,1 Prozent verzeichnet wurden, bestätigte sich eine alte Erfahrung: "Es ist wie bei jedem Volks- oder Bürgerbegehren. Die meisten Leute kommen erst am letzten Tag."
Die Spitze unter Bayerns Städten hielt das mittelfränkische Schwabach wohl bis zum Schluss. Dort haben sich weit mehr als 20 Prozent der Bürger eingetragen. "Abgesehen von mir als Oberbürgermeister waren noch viele prominente Vertreter der anderen Parteien als Unterstützer des Volksbegehrens tätig. Hinzu kommen in Schwabach die attraktiven Öffnungszeiten und die zentral gelegenen Eintragestellen. Ich würde sagen, diese Mischung macht's", sagte Oberbürgermeister Matthias Thürauf (CSU), der als erster in seiner Stadt unterschrieben hatte. Bei so vielen schon erfolgten Unterschriften wunderte sich dort niemand, dass es am letzten Tag eher ruhig zuging.
Volksentscheid vermutlich im Sommer 2010
Das endgültige Ergebnis des Volksbegehrens gibt das Innenministerium am Donnerstag um zwölf Uhr bekannt. Von zehn Uhr an werden die laufend aktualisierten Zahlen im Internet unter www.statistik.bayern.de veröffentlicht. Ins Laufen gebracht hatte das Volksbegehren die ÖDP, später gewann sie die SPD und die Grünen sowie viele Verbände und Organisationen als Partner. Die Einschreibefrist ging vom 19. November bis 2. Dezember. Der Volksentscheid wird vermutlich im Sommer 2010 stattfinden.
Erst wenn das Ergebnis vom Landeswahlleiter heute offiziell festgestellt wird, will sich auch der bayerische Gesundheitsminister Markus Söder (CSU) äußern. Er schloss für die CSU bereits aus, dass der Gesetzentwurf des Volksbegehrens übernommen würde. Tut der Landtag das nicht, kommt es zum Volksentscheid. Dann sind alle Bürger aufgerufen, ihre Stimme für oder gegen ein strenges Rauchverbot abzugeben.
Der Fraktionschef der Grünen im bayerischen Landtag, Sepp Daxenberger, geht ebenfalls von einem sicheren Sieg des Volksbegehrens aus. "Das ist durch, diese Signale hatten wir schon am Nachmittag." Die zehn Prozent seien "eine furchtbar schwere Hürde", ein deutliches Signal, dass der Nichtraucherschutz den Menschen ein wichtiges Anliegen sei. "Die CSU hat hier wieder einmal die Stimmung in Bayern völlig falsch eingeschätzt. Sie hat es einfach nicht mehr im Gespür, was draußen los ist." Nun seien die Schwarzen gut beraten, im Landtag für das Volksbegehren zu stimmen. "Ich bin überzeugt, dass sie sonst beim Volksentscheid im Sommer ordentlich eine drauf kriegen."
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(SZ vom 3.12.2009/Katja Auer/Heiner Effern/Dietrich Mittler/segi)
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Was heißt denn hier Mehrheiten und Demokratie. Wenn ich richtig informiert bin, sind es ca. 13 %. Mehrheiten sind etwas anderes. Das es nicht nur Raucher gab, war auch vor diesem Begehren bekannt. Ein Großteil der Unterschriften kommt aus dem Lager der CSU Gegner. Die unterschreiben alles, wenn es gegen die CSU geht. Wenn Sie Anhänger der ÖDP sind, einer Partei die ansonsten nicht auf die Beine kommt, als mit dieser Marketing Aktion, dann tut es mir auch ein bißchen leid um Sie. Es ist ein Sieg der Kleinkarierten und Spießer, die eine zunehmende Tendenz haben. Mit vollem Bauch lässt das Denken nach. Die kommen und gehen, Bayern aber bleibt. Raucher werden daran nicht zerbrechen. Es ist einer ganz bestimmten Lobby gelungen, die Bürger zu spalten und damit von wichtigeren Themen abzuhalten. Sie können sich mal Gedanken machen - weshalb? Ich kann nicht richtig erkennen ob Sie Ihre Unterschrift schon bereuen. Eines garantiere ich Ihnen, Sie werden noch darüber nachdenken. Mit Speck fängt man bekanntlich Mäuse. Sie glauben doch nicht etwa, es gänge um Gesundheit.
Es gibt in Deutschland u. in der Welt wesentlich wichtigere Themen und nicht dieses Kleinkarierte der Spießer, die ohnehin nicht über den Tellerrand sehen können.
Hier ein Thema aus dem Stern von heute. Es ist eins von Tausenden Themen.
Familien in Not.
Arbeitslosigkeit, Krankheit, Tod eines Ernährers: Viele Familien in Deutschland haben Angst vor dem sozialen Absturz. Deshalb brauchen sie Unterstützung. Von uns. Der stern sucht Paten
Aha - Demokratie macht in Ihren Augen also nur Sinn wenn die Mehrheit Ihrer Meinung ist? Ansonsten gilt der Mehrheitsentscheid als Gängelung?
Zumal es ja heute noch nicht mal ein Mehrheitsentscheid ist und noch nichts passiert.
Das Volksbegehren zeigt heute nur das es nicht nur Raucher sondern auch Nichtraucher gibt und auch diese eine Meinung haben - nicht nur Herr Bergmüller mit seinem lobbyistischen "Wirtshaus-Kulturverein" - und wie es letztendlich ausgeht wird der Volksentscheid zeigen...
Es ist, wenn es denn so wäre, die größte Niederlage. Der Bürger gängelt und bevormundet sich selbst. Dazu wird nicht einmal mehr der Gesetzgeber benötigt. Über soviel Dummheit kann man nur entsetzt sein. Der Mensch wie ein dressierter Hund.
Ein Sieg der der Spießer und Kleinkarierten, das wäre dann der Stand der Dinge in Bayern kurz vor 2010. Nicht nachvollziehbar.
@peterpanmuc
So etwas darf natürlich nicht passieren, und ich rege mich mindestens ebenso sehr über diese rücksichtslosen Raucher auf. Solch assoziales Verhalten haben wie diesen ganzen Streit zu verdanken. Allerdings: nach dem aktuellen Gesetz hätten der Wirt das Rauchen untersagen müssen. Die Rechtslage ist also ausreichennd restriktiv, wenn es nur umgesetzt wird. Ein neues Gesetz hilft da nicht weiter, die Kontrolle muss verbessert werden (Lokalverbote, Bußgeld für Wirt und Raucher)
... in den Sonnenuntergang ritt und das HB Männchen zur Zigarette griff. Es war auch die Zeit als die Zigarettenhersteller nach und nach 4000 Stoffe in den Tabak mischten um mit irgendeinem Stoff den Treffer zur Sucht beim Menschen zu landen und niemand kam auf die Idee diesen Stoff zu verpönen. Es war die Zeit als die Zigarette auf allen Reklametafeln im Fernsehen im Kino gelaufen ist. Es war schick und es war Mode zu rauchen und viele wurden süchtig. Einer davon wurde ich und hätte damit nie angefangen wenn mir damals jemand gesagt hätte dass dies tödlich enden könnte. Nu ist es halt geschehen und nur mit einem vierwöchigem Aufenthalt in der Sahara, unter dem Motto ich geh Meilenweit für eine ....., wieder zu reparieren.
Ich bin für absolutes Werbeverbot für die Glimmstängel insbesondere die Ausgabe von Musterpäckchen an Jugendliche und alles was man machen kann dass jemand damit anfängt. Doch die militante, diktatorische Maßname in Gaststätten ist falsch, da es eine viel einfachere Lösung gibt, die allen gerecht wird: Schild an die Türe der Lokale: Nichtraucher oder Raucherlokal (mit dem Hinweis dass Jugendliche keinen Zutritt haben). Warum macht man dies nicht? Wegen den militante Nichtrauchern? Jemand der zwar raucht aber seit 20 Jahren nicht mehr in Lokale geht.
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