Verzweifelter Kampf um Asyl Im Schatten der Scharia

Eine junge Frau flüchtete aus Iran, weil sie lesbisch ist. In ihrer Heimat ist ihr Leben in Gefahr. Doch in Deutschland wird ihr Antrag auf Asyl abgelehnt. Sie habe die Gefährdung ihrer Person nicht glaubhaft machen können.

Von Katja Auer

Das Foto zeigt die Probleme nicht. Zwei lachende junge Frauen sind darauf zu sehen, fröhlich, lebenslustig. Die eine ist Samira Ghorbani Danesh, die andere ihre Freundin. Mehr als das, ihre Partnerin. Drei Jahre waren die beiden ein Paar. Wie es ihr heute geht, weiß Samira nicht. Ihr ist nur das Foto geblieben. Als sie ihre Freundin zuletzt gesehen hat, sei diese von den Bassidj, der iranischen Religionspolizei, mitgenommen und ins Gefängnis gesperrt worden. Wie die anderen, mit denen Samira und ihre Freundin eine Party gefeiert hatten.

In Teheran war das, vor anderthalb Jahren. Alkohol sei dort getrunken worden, geraucht, Musik gehört, sagt sie. Dinge, die in Iran zumindest problematisch sind. Aber vor allem war es eine Party von lesbischen und schwulen jungen Menschen. Homosexualität darf in Iran nicht ausgelebt werden. Wer es dennoch tut, der kann dafür sogar umgebracht werden. Als die Bassidj kamen, habe sie sich bei einem Nachbarn verstecken können, erzählt Samira. Danach habe sie ins Ausland fliehen müssen. Sie kam nach Deutschland und lebt heute in einem Frauenhaus in Franken.

24 Jahre ist Samira alt, eine hübsche junge Frau, die auffallend gut deutsch spricht. Das hat sie sich in den langen Monaten im Flüchtlingslager selbst beigebracht. "Ich möchte hier arbeiten", sagt sie. In Iran hat sie Architektur studiert, nun würde sie gerne eine Ausbildung als Immobilienkauffrau machen. Aber ob Samira tatsächlich in Deutschland bleiben kann, ist fraglich. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge hat ihren Antrag auf Asyl abgelehnt und das Verwaltungsgericht Bayreuth zudem ihren Widerspruch, den sie gegen den Bescheid einlegte. Die Behörden argumentieren, "dass die Klägerin keine Gefährdung ihrer Person habe glaubhaft machen können".

Zwar würden homosexuelle Handlungen in Iran bestraft - bei Männern sofort mit der Todesstrafe, bei Frauen in den ersten drei Fällen mit 100 Peitschenhieben und "erst bei der vierten Verurteilung mit der Todesstrafe". Dennoch bestehe "keine beachtliche Wahrscheinlichkeit" dafür, dass Samira in Iran tatsächlich bedroht sei, heißt es in der Urteilsbegründung. Denn homosexuelle Handlungen gelten erst dann als bewiesen, wenn entweder ein viermaliges Geständnis vor dem Richter abgelegt werde oder vier unbescholtene Männer als Zeugen aussagten.

Die junge Frau habe nach Ansicht des Gerichts in Iran keine "relevanten Verfolgungsmaßnahmen zu befürchten" - zumindest "bei entsprechend zurückhaltendem Lebenswandel, den alle Homosexuellen in Iran praktizieren, die unbehelligt leben wollen". Ein Leben "im Schatten des Rechts" sei möglich.

Auch die Geschichte ihrer Flucht halten sowohl das Bundesamt als auch das Verwaltungsgericht für unglaubwürdig. Zum einen sei es unwahrscheinlich, dass ein unbekannter Mann, bei dem Samira nach der Party untergeschlüpft sein will, ein solches Risiko eingehe, um eine fremde junge Frau zu schützen. Zum anderen glauben die Behörden nicht, dass die Religionspolizei so schnell die Partygäste identifiziert und deren Angehörige informiert haben könne. Samira dagegen erzählt, sie habe nach jener Party aus Angst vor ihren Eltern nicht mehr nach Hause zurückkehren können. Von dem Sparbuch, das sie immer bei sich getragen habe, habe sie 10.000 Dollar abgehoben und sei mit Hilfe einer Freundin und eines Schleppers nach Deutschland geflohen. Das war im Oktober 2010.

"Ich konnte meine Freundin nie an die Hand nehmen", sagt Samira. Sie ist enttäuscht von der Entscheidung der Behörden, und sie hat Angst davor, dass sie nach Iran zurück muss. Dass sie dort nicht lange leben würde, davon ist sie überzeugt. Da ist zum einen die Polizei. Sie hat Vorladungen vorgelegt, die die deutschen Behörden aber ebenfalls als unglaubwürdig einstufen. Sie habe sich auch politisch engagiert, sagt Samira - gegen die Regierung. Und es gebe ein Video, das sie bei einer Demonstration zeigt. Zum anderen ist da ihr Vater. "Er wird mich töten", sagt Samira, und sie sagt das nicht einmal überrascht. "Ich habe seine Ehre verletzt." Ihre Freundin hat sie an der Universität kennengelernt. Ein beinahe geschützter Raum, "denn solange ich studierte, solange musste ich nicht heiraten". Nach dem Studium hätte sie keine Ausreden mehr gehabt. Dann hätte sie den Mann heiraten müssen, den ihr der Vater ausgesucht hätte. "Wir mussten immer lügen", sagt Samira.

Unterstützung bekommt die junge Frau vom Bayerischen Flüchtlingsrat und vom Internationalen Frauencafé in Nürnberg. Dort glaubt man ihre Geschichte. "Sie hat nur geheult, als die Ablehnung kam", sagt Anne Maya vom Internationalen Frauencafé. Sie hofft, dass der Folgeantrag nun Erfolg hat, den Samira mit Hilfe einer erfahrenen Anwältin stellen will. Für Anne Maya ist Samira das Musterbeispiel an Integrationswillen. Sie wolle ja auch gar nicht dem deutschen Staat zur Last fallen, betont Samira immer wieder. Wäre Iran ein freies Land, würde sie gerne dort leben. Aber so? Dieser Iran sei nicht ihr Land. Sie will keine Angst mehr haben. Und endlich lieben dürfen, wen sie will.