Veruntreuung bei Sparkasse Die Gamsbart-Connection

Die Staatsanwaltschaft wirft unter anderem dem Miesbacher Ex-Landrat Jakob Kreidl (CSU, im Bild) vor, sich auf Kosten der Miesbacher Sparkasse ausschweifende Gelage geleistet zu haben.

(Foto: dpa)
  • Die Staatsanwaltschaft wirft unter anderem dem früheren Miesbacher Sparkassenchef Georg Bromme und dem Miesbacher Ex-Landrat Jakob Kreidl (CSU) vielfache Untreue und Vorteilsgewährung beziehungsweise -annahme vor.
  • Die Angeklagten sollen der Sparkasse zwischen 2008 und 2013 einen Schaden von 1,25 Millionen verursacht haben - durch teure Ausflüge, Feiern und Reisen.
  • Auch dubiose Beraterverträge zwischen Politikern und Sparkassenmanagern stehen in der Anklage.
Von Christian Sebald, Miesbach

Wenn der Verwaltungsrat der Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee auf Reisen ging, war offenbar nur das Allerfeinste gut genug. So auf dem dreitägigen Ausflug anlässlich der Jahresabschlusssitzung des Kontrollgremiums im Dezember 2011 in ein Fünf-Sterne-Hotel im Stubaital. Zu den beiden Abendessen sollen erlesene Weine aus Italien gereicht worden sein, ein "Masseto 1999" zum Flaschenpreis von 920 Euro etwa und ein "Sassicaia" in der Sechs-Liter-Magnum-Flasche für 2010 Euro. Am Ende soll sich die Getränkerechnung für beide Abende auf gut 12 000 Euro belaufen haben. Und insgesamt soll sich die Sparkasse den Ausflug 42 000 Euro kosten haben lassen.

Die Fahrt ins Stubaital ist nach Informationen der Süddeutschen Zeitung nur ein Detail aus den beiden Anklagen im Finanzskandal um die Miesbacher Kreissparkasse vor vier Jahren, welche die Staatsanwaltschaft München II jetzt zur Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts München II erhoben hat. In ihrem Zentrum stehen der frühere Sparkassenchef Georg Bromme und der Miesbacher Ex-Landrat Jakob Kreidl (CSU). Die Fahrt ist freilich ein bezeichnendes Detail. Hat sie so stattgefunden, dann zeigt sie eindringlich, wie selbstverständlich Bromme, Kreidl und andere offenbar ihre Positionen ausnutzten, gleich ob es um Reisen, Geschenke oder Geburtstagsfeste ging.

Wenn die Sparkasse für immer schließt

Immer mehr Zweigstellen machen dicht, vor allem in ländlichen Gebieten. Kommunen und Landkreise wollen das nicht mehr hinnehmen. Von Meike Schreiber mehr ...

Die Staatsanwaltschaft wirft Bromme, Kreidl und weiteren elf Angeschuldigten deshalb vielfache Untreue und Vorteilsgewährung beziehungsweise -annahme vor. Von 2008 bis 2013 sollen der Sparkasse dadurch wenigstens 1,25 Millionen Euro Schaden entstanden sein.

Die Anklagen sind der neueste Paukenschlag im Miesbacher Sparkassen-Filz. Denn es geht ja nicht nur um den vormals hoch angesehenen Banker Bromme und den einst prominenten CSU-Mann Kreidl. Auch alle anderen Angeschuldigten sind Honoratioren im Oberland. Zwar sind einige Mitglieder dieser Gamsbart-Connection schon länger nicht mehr präsent in der Öffentlichkeit. Ein früherer Vize-Landrat der Freien Wähler ist dafür ein Beispiel. Andere wie der aktuelle Sparkassen-Vorstandschef und ein weiteres Vorstandsmitglied des Geldinstituts mischen aber weiter kräftig mit in der Region.

Kreidls Nachfolger als Landrat, der Grünen-Politiker Wolfgang Rzehak, zählt ebenfalls zu den Angeschuldigten. So wie auch ein prominenter CSU-Bürgermeister einer Gemeinde am Tegernsee, der vormalige Chef der CSU-Fraktion im Kreistag und ein führender Autohändler der Region - wenngleich sie nicht die ersten Adressaten sind, gegen die sich die Vorwürfe richten. Aber als Mitglieder des Sparkassen-Verwaltungsrats hätten sie laut Staatsanwaltschaft dem Treiben von Bromme und Kreidl Einhalt gebieten müssen. Stattdessen hätten sie ebenfalls Vorteile daraus gezogen.

Es war das rauschende Fest zu Kreidls 60. Geburtstag 2012, das den Sparkassen-Skandal ins Rollen brachte. Denn der Ex-Landrat ließ sich die 118 000 Euro teure Sause fast zur Gänze von der Sparkasse und vom Landkreis bezahlen. Auch ein 55 000 Euro teures Geburtstagsfest für den Ex-Landrat der Freien Wähler und eine 85 000 Euro teure Bürgermeister-Fahrt nach Interlaken, die schon 2014 hohe Wellen schlug, sind nach SZ-Informationen Bestandteile der Anklage. So wie auch die luxuriöse Renovierung des Landrat-Büros in der Miesbacher Kreisbehörde für 180 000 Euro, die die Sparkasse 2008 und 2009 spendierte. Und ein merkwürdiger Grundstückshandel, bei dem die Sparkasse im Markt Holzkirchen Bauland erwarb und der Kommune danach Spenden in einer Gesamthöhe von 400 000 Euro überwies.

In der Anklage sollen auch bislang weniger bekannte Anschuldigungen stehen. Eine zentrale ist der Beratervertrag, den Kreidl und zwei Sparkassenmanager mit Bromme für die ersten fünf Jahre nach dessen Abschied von der Sparkassen-Spitze geschlossen haben sollen. Für die angebliche Beratung soll die Sparkasse Bromme mehr als 234 000 Euro überwiesen haben, ohne dass dieser eine Gegenleistung erbracht haben soll. Auch eine Unterstützung eines Schießstands des Tiroler Landesjagdschutzvereins in Achenkirch gleich hinter der bayerisch-österreichischen Grenze soll in der Anklage auftauchen. Als leidenschaftlicher Jäger soll Bromme dort regelmäßig Gast gewesen sein. Zugleich soll er veranlasst haben, dass die Sparkasse den Tiroler Jägern Spenden im Wert von mehr als 17 000 Euro zukommen ließ.

Und dann ist da noch der dreitägige Ausflug des Miesbacher Kreistags nach Seiersberg in der Steiermark 2011. Die Gemeinde nahe Graz ist eine sogenannte Shopping-City mit mehr als 200 Läden. Die Staatsanwaltschaft soll den Ausflug, zu dem auch die Partnerinnen der Lokalpolitiker eingeladen waren, als Freizeitveranstaltung einstufen. Zunächst soll der Landkreis die Kosten von knapp 28 000 Euro bezahlt haben. Aber bereits zuvor sollen sich Bromme und Kreidl verständigt haben, dass die Sparkasse dem Landkreis für den Ausflug 20 000 Euro spendiert. So soll es dann auch geschehen sein. Allerdings habe die Sparkasse die Spende versteuern müssen, sodass sich der Betrag für sie am Ende auf 30 500 Euro summiert haben soll - 2500 Euro mehr als der Ausflug selbst gekostet hatte.

Bromme wollte keine Stellung zu der Anklage beziehen. Allerdings sagte er, dass er froh sei, sich nun vor dem Landgericht "auf hohem fachlichen Niveau" äußern zu können. Kreidl war nicht erreichbar. Sein Amtsnachfolger Rzehak zeigte sich erleichtert, dass die Anklagen jetzt vorliegen. Er sei sich sicher, dass die Richter richtig entscheiden werden. Nun muss das Gericht klären, ob die Anklage zulässig ist und es zu einem Prozess kommt.

Katholische Kirche verliert Millionen durch Immobilienprojekte in den USA

Offenbar vergab ein Mitarbeiter der Diözese Eichstätt bis zu 60 Millionen Dollar als Darlehen an dubiose amerikanische Firmen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt, zwei Beschuldigte sitzen in Haft. Von Nicolas Richter und Katja Riedel mehr...