Verunglückter US-Kampfjet Absturzstelle zum militärischen Sicherheitsgebiet erklärt

Mit Schutzanzug geht ein Angehöriger des US-Militär bei Engelmannsreuth durch das Einsatzzentrum.

(Foto: dpa)
  • Nach dem Absturz der F-16 in der Oberpfalz hat jetzt das US-Militär das Sagen am Unfallort.
  • Der Pilot des abgestürzten US-Kampfjets hatte mehrere Übungsbomben und Tanks abgeworfen, um ein größeres Unglück zu verhindern.
  • Die Tanks sind noch nicht geortet, von ihnen geht weiterhin Explosionsgefahr aus.
Von Olaf Przybilla und Katja Auer

Pilot gerettet, Augenzeuge verletzt

In der Oberpfalz ist am Dienstagmorgen ein Kampfjet der US-Luftwaffe abgestürzt. Die Militärmaschine stürzte in ein Waldgebiet zwischen dem Landkreis Neustadt an der Waldnaab und dem oberfränkischen Landkreis Bayreuth. Der Pilot rettete sich mit dem Schleudersitz, er wurde leicht verletzt. Ein Mann, der sich in der Nähe der Absturzstelle befand, erlitt durch das Rauchgas ebenfalls leichte Verletzungen.

Die Gegend rund um den Unfallort wurde am Abend zum militärischen Sicherheitsgebiet erklärt. Die Entscheidungsgewalt etwa über nächtliche Sicherheitswachen hat bis auf weiteres das US-Militär inne.

Bei der Maschine handelt es sich um ein Jagdflugzeug vom Typ F-16, wie die US-Armee bestätigte. Die Fighting Falcon war mit Übungsmunition bewaffnet: Bomben, die zwar rauchen, wenn sie bei Manövern abgeworfen werden, die aber nicht explodieren. Als der Pilot merkte, dass er die Maschine aufgeben musste, warf er den Großteil der Übungsbomben sowie zwei Kerosin-Zusatztanks über dem Wald ab. Eine Bombe war offenbar noch an Bord, als der Jet kurz nach 9.30 Uhr havarierte.

Die Einsatzkräfte gingen wegen erhöhter Explosionsgefahr besonders vorsichtig vor. Diese ging weniger von der Übungsbombe aus als vielmehr von dem Kerosin, außerdem hatte das Flugzeug den Raketentreibstoff Hydrazin an Bord. Nur Einsatzkräfte in Schutzanzügen durften sich nähern, Feldjäger der Bundeswehr schirmten die Absturzstelle ab.

Feuer aus Sicherheitsgründen nicht gelöscht

Vom US-Stützpunkt Grafenwöhr eilten Spezialkräfte an die Absturzstelle - auch ein Löschpanzer, mit dem das Wrack gelöscht wurde. Die Feuerwehr hatte zunächst einen Umkreis von 100 Metern um den Unfallort abgesperrt, diesen aber schnell auf 600 Meter erweitert. "Aus Gründen des Eigenschutzes" blieben auch die Einsatzkräfte erst einmal auf Distanz. Die Absturzstelle wurde von Helikoptern aus der Luft beobachtet. Zwar könne man Rauchschwaden erkennen, das Feuer werde aber nicht gelöscht, sagte eine Feuerwehrsprecherin am Vormittag.

Die Explosionsgefahr war auch am Abend nicht gebannt - wegen der abgeworfenen Kerosintanks, die im Wald immer noch nicht geortet waren. An der Absturzstelle waren tagsüber 400 Einsatzkräfte aus den umliegenden Gemeinden. Sie rüsteten sich für einen etwaigen Waldbrand. Landwirte stellten Wasserbehälter zur Verfügung, um auch ein Großfeuer unter Kontrolle bringen zu können. Über Nacht sollte die Zahl der Helfer aber erst einmal "ausgedünnt" werden, sagte ein Sprecher des Landratsamts Bayreuth.

Verwirrung um Lage der Absturzstelle

Die Fighting Falcon war in Spangdahlem in Rheinland-Pfalz stationiert und Teil des 480. Kampfgeschwaders der US Air Force. Am Vormittag war der Pilot zu einem Übungsflug nach Grafenwöhr gestartet - im Verband mit fünf weiteren Maschinen. Warum der Jet um 9:38 Uhr abstürzte, blieb zunächst unklar. Die Vermutung, es habe Triebwerksprobleme gegeben, wurde offiziell nicht bestätigt.

Über die exakte Lage der Absturzstelle herrschte stundenlang Verwirrung. Oberpfalz oder Oberfranken? Klar war nur, dass die Trümmer an der Grenze zwischen den beiden Regierungsbezirken lagen. Es seien Mitarbeiter des Vermessungsamtes vor Ort, um das zu klären, sagte eine Sprecherin des Landratsamtes Neustadt an der Waldnaab (Oberpfalz), das zumindest eine Weile für das Thema zuständig war. Am Mittag übernahm das Landratsamt Bayreuth (Oberfranken).

Am Nachmittag übertrug das Innenministerium die Zuständigkeit dann endgültig an das Landratsamt Bayreuth - obwohl die Absturzstelle nach jüngsten Erkenntnissen wohl tatsächlich in der Oberpfalz liegt.