Verkehr in Franken Nürnberg setzt auf Radschnellwege

Daniel Ulrich, Planungs- und Baureferent der Stadt Nürnberg, zeigt den Entwurf des Radnetzes. Es soll die verstopften Straßen entlasten.

(Foto: Daniel Karmann/dpa)
  • Radschnellwege sollen künftig Nürnberg, Fürth, Erlangen und Schwabach sowie die umliegenden Landkreise verbinden.
  • Gutachter sollen die besten Trassen festlegen.
  • Ein Gesamtkonzept für die ganze Region gibt es bislang nicht.
Von Katja Auer, Nürnberg

Der Frankenschnellweg ist ja inzwischen eine Art Oxymoron, das Wort trägt einen Widerspruch in sich, weil man meistens gar nicht schnell voran kommt auf dieser Straße. Deswegen soll er ja ausgebaut werden, aber nicht einmal das geht besonders schnell. Wenn schon nicht mit dem Auto, dann sollen die Verkehrsteilnehmer rund um Nürnberg bald wenigstens mit dem Fahrrad zügig vorankommen: Auf Radschnellwegen, die Nürnberg, Fürth, Erlangen und Schwabach und die umliegenden Landkreise verbinden sollen.

Streit um den Frankenkriechweg

Seit Jahrzehnten streitet die Stadt Nürnberg für und um einen "kreuzungsfreien" Ausbau des Frankenschnellwegs. Nun stoppt eine weitere Klage das Projekt - und erhitzt die Gemüter mehr denn je. Von Olaf Przybilla mehr ...

Gutachter sollen die besten Trassen festlegen, die Staatsregierung übernimmt die Hälfte der Kosten für die Studie. "Wir erleben in Deutschland einen neuen Fahrradboom", sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann in Nürnberg. Immer mehr E-Bikes werden verkauft, damit könnten Radfahrer nun auch größere Distanzen überwinden. "Auch die, die es aus eigener Kraft nicht könnten", sagte Herrmann bei der Vorstellung der Pläne. Nun müssten die Radfahrer auch Vorrang haben und nicht alle 100 Meter an einer Ampel halten. Deswegen brauche es die Fahrrad-Autobahnen, damit die Leute größere Entfernungen ohne Auto zurücklegten. Pendler sollen auf das Rad umsteigen, auch Schüler und Studenten, die zwischen den Uni-Standorten in Erlangen und Nürnberg hin- und herfahren. Vom Wohnort zum Arbeitsplatz und zurück auf dem Fahrrad, dafür sollen sich mehr Menschen entscheiden, wenn es die Schnellwege gibt.

Ein Gesamtkonzept gibt es noch nicht

Ein Gesamtkonzept für die ganze Region gibt es bislang nicht, zum ersten Mal tun sich die Städte und Landkreise zusammen und planen die Trassen über die eigenen kommunalen Grenzen hinaus.

Konkurrenz für die Radlhauptstadt

Beim "Fahrradklima-Test" des ADFC kann sich München nicht verbessern. Der erste Platz geht erneut an Münster. Kritik gibt es vor allem an Ampelschaltungen und der schlechten Fahrradmitnahme in Bus und Bahn. Von Marco Völklein mehr ...

"Wir werden da noch einiges erfinden müssen", sagte Nürnbergs Oberbürgermeister Ulrich Maly. Wie der Winterdienst organisiert wird, zum Beispiel, wenn die Radwege nicht direkt an einer Straße verlaufen. Denn wenn sie Nürnberg und Erlangen verbinden sollen, könnten sie beispielsweise auch quer durch das Knoblauchsland verlaufen oder auch verschiedene Zuständigkeitsbereiche kreuzen. Weil die Wege nicht an den Stadtgrenzen enden sollen, werde das auch Auswirkungen auf die Verkehrsströme in den Städten haben, sagte Maly. Auch dort müsse man versuchen, die Radfahrer möglichst ohne große Stopps durch die Straßen zu lotsen. Wo genau, das soll nun die Studie klären. Etwa 20 mögliche Trassen gebe es schon, sagte Maly, wie ein S-Bahn-Netz verbinden sie die fünf beteiligten Städte und vier Landkreise. "Am Ende werden fünf bis sechs übrig bleiben", sagte Maly. Mit dem Bau könnte dann in anderthalb Jahren begonnen werden.

Das ist nach Ansicht von Nürnbergs Baureferent Daniel Ulrich zwar eine etwas zu optimistische Schätzung, dass es möglichst bald losgehen soll, unterstützt er allerdings auch. "Das Projekt hat keinen touristischen Schwerpunkt", sagte er. Für Urlauber, die quer durch die Landschaft radeln, gebe es bereits Radwege. Die neuen Trassen sollen breit genug sein für den schnellen Verkehr und auch das gefahrlose Überholen möglich machen. So könnten sie zu einer echten Alternative für Pendler werden.

Auch in München gibt es Pläne

Richtig neu ist die Idee der Franken nicht, in Holland gibt es Radschnellwege schon seit Beginn der 1980er Jahre. Demnächst will sich der Innenausschuss des Landtags, der auch für den Verkehr zuständig ist, dort umsehen. In Deutschland gibt es ebenfalls Pläne, demnächst soll die erste Fahrrad-Autobahn in Nordrhein-Westfalen eröffnet werden.

Auch in München haben sich Experten schon mit den Radwegen beschäftigt. In einer Studie, die am 24. Juli vorgestellt werden soll, ermittelten sie 14 Korridore, auf denen Radschnellwege sinnvoll wären. Alle Trassen enden am Rande des Stadtzentrums. Darüber hinaus halten die Verkehrsgutachter eine Ost-West- und eine Nord-Süd-Verbindung quer durch das Stadtzentrum für wünschenswert.