Während seine Tochter verhungerte, herrschte auf der Internetseite des Vaters heile Welt: Fotos mit dem Mädchen auf dem Schoß und "Hobby: Familie". Er schweigt beharrlich.

Nach dem Hungertod eines dreijährigen Mädchens aus dem mittelfränkischen Thalmässing befragen Ermittler Verwandte der Familie und Mitarbeiter des Jugendamtes. Bisher haben sie noch keine Hinweise, wie es zu dem Drama kommen konnte.

Ortschild in Franken, dpa

Offenbar unbemerkt von Nachbarn und Jugendamt ist in Thalmässing, in Franken, ein Kleinkind verhungert. (© Foto: dpa)

Anzeige

Der 29-jährige Vater der verhungerten Sarah verweigere bisher jede Aussage, sagte der Leiter der Nürnberger Justizpressestelle, Thomas Koch. Gegen den Mann und seine 26-jährige Frau war am Dienstag Haftbefehl wegen Totschlags durch Unterlassen ergangen.

Die inzwischen verhungerte Tochter auf dem Schoß

Der Vater habe offenbar versucht, nach außen den Eindruck einer intakten Familie zu vermitteln. Auf einer Internetseite berichtet er von seinen "hübschen Kindern, auf die ich sehr stolz bin". Neben Lastwagen und Modellbau zähle auch die Familie zu seinen Hobbys. Auf Bildern präsentiert sich der inzwischen Inhaftierte mit der später verhungerten Tochter auf dem Schoß.

Wie der Gerichtssprecher sagte, hat die Mutter bereits zwei ältere Kinder, die ihr vom Jugendamt genommen wurden. Bis zum vergangenen Jahr hatten Mitarbeiter des Jugendamtes die Familie mit ihren zwei kleinen Kindern regelmäßig besucht.

Warum diese Besuche eingestellt wurden, wollen die Ermittler jetzt prüfen lassen. Vorwürfe oder einen Verdacht gegen Mitarbeiter des Jugendamtes gebe es aber nicht, sagte Koch. "Es gibt keine Ermittlungen gegen Mitarbeiter des Jugendamtes, sie haben den Status als Zeugen."

Zudem würden Unterlagen der Behörde gesichtet. Sarahs Vater, der laut Staatsanwaltschaft als Lkw-Fahrer arbeitet, sitzt in Untersuchungshaft. Die Mutter des Mädchens liegt nach einer Notoperation auf der Intensivstation in Nürnberg. Sie sei bislang nicht ansprechbar, sagte Koch.

Selbst den Krankenwagen gerufen

Die dreijährige Sarah war am Montagmorgen in einer Nürnberger Klinik an den Folgen einer Mangel- und Unterernährung gestorben. Sie hatte aber keine Anzeichen einer Misshandlung. Die Eltern des Kindes hatten am Samstag noch selbst den Rettungsdienst gerufen, der das Mädchen ins Krankenhaus brachte.

Vom Tod ihrer Tochter habe die 26-jährige Mutter vor ihrer Operation noch erfahren, erklärte der Sprecher des Nürnberger Polizeipräsidiums, Peter Grimm. Der Ehemann habe die junge Frau am Montagnachmittag ins Krankenhaus gebracht, wo er in ihrem Beisein verhaftet wurde. Wie Grimm betonte, steht die Erkrankung der Frau in keinem Zusammenhang mit dem Tod des Mädchens. Die 26-Jährige sei seit längerem erkrankt.

Die Familie aus Thalmässing im Landkreis Roth wurde jahrelang vom Jugendamt betreut. Dabei soll es keine Anzeichen für eine Gefährdung der Kinder gegeben haben. Neben der dreijährigen Sarah hat das Paar noch einen vier Jahre alten Sohn. Er ist nach Angaben der Behörden wohlauf und wird derzeit von den Großeltern versorgt.

Leser empfehlen 

(AP/dpa/ehr/bica)