Innenminister Herrmann zieht Bilanz:Nicht nur die Bedrohung durch al-Qaida hat sich verändert. Auch die Rechts- und Linksextremen beschäftigen die Verfassungsschützer.
Die Gefahr durch islamistischen Terrorismus besteht nach Einschätzung von Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) im Freistaat unvermindert fort. Konkrete Hinweise auf Anschläge bestünden zwar nicht, sagte der Minister bei der Vorstellung des Halbjahresberichts zum Verfassungsschutz in München. Es gebe jedoch keinen Anlass für die Annahme, dass mit Anschlagsversuchen nicht mehr zu rechnen wäre.
Bayerns Innenminister Joachim Herrmann stellt die Halbjahresbilanz des Verfassungsschutzes vor. (© Foto: dpa)
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Zugleich wies Herrmann darauf hin, dass das Potenzial gewaltbereiter Rechtsextremisten im Freistaat unverändert hoch geblieben sei. So gebe es in Bayern derzeit rund 1100 gewaltbereite Rechtsextremisten.
Hinsichtlich des islamistischen Terrorismus veränderten sich Herrmann zufolge die Bedrohungsszenarien in den vergangenen Jahren deutlich. Als neue Stufe versuche die Terrororganisation al-Qaida gezielt, zum Islam übergetretene Deutsche als Selbstmordattentäter anzuwerben, die sich wegen ihres westlichen Aussehens und ihrer Staatsangehörigkeit unauffälliger bewegen könnten.
Der Minister zitierte in diesem Zusammenhang BKA-Präsident Jörg Ziercke, nach dessen Angaben inzwischen mehr als 50 Islamisten aus Deutschland in Trainingslagern der al-Qaida, der Taliban und der Islamic Jihad Union (IJU) ausgebildet würden.
Herrmann warnte vor der wachsenden Bedeutung des sogenannten Salafismus in islamistischen Kreisen. In Bayern seien derzeit etwa 100 Personen salafistischen Netzwerken zuzurechnen, die eine fundamentalistische Ausrichtung des Islam vertreten. Zwar lehnten die Salafisten überwiegend Gewalt ab, es gebe aber einen jihadistischen Flügel, der auf Gewalt zur Durchsetzung seiner Ziele setze.
Zurückgegangen ist im ersten Halbjahr 2008 in Bayern die Zahl der Gewaltdelikte mit rechtsextremistischem Hintergrund. Laut Herrmann wurden von Januar bis Juni 26 solcher Delikte verzeichnet, im Vorjahreszeitraum waren es noch 50. Allerdings warnte der Minister davor, dass das Gewaltpotenzial der Rechtextremisten nach wie vor unverändert geblieben sei. In Bayern werde von 700 Angehörigen der rechtsextremistischen Skinhead-Szene und 400 Neonazis ausgegangen.
Deutlich gestiegen ist im Freistaat hingegen die Zahl der linksextremistischen Gewalttaten, von 40 im ersten Halbjahr 2007 auf 54 im ersten Halbjahr 2008. Ursache hierfür dürfte unter anderem der Wahlkampf der bayerischen NPD sein, "durch den sich Autonome provoziert fühlen und zu Gegenaktionen aufrufen", betonte Herrmann.
Er verwies darauf, dass die Partei Die Linke Beobachtungsobjekt des Verfassungsschutzes in Bayern bleibe. Schließlich sei die Parteiführung nach wie vor bestrebt, das Modell "einer anderen Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung" zu verwirklichen.
(ddp-bay/bica)
Die neueste Antwort
Kein Wunder dass die Zahlen der rechtsextremistischen Kriminalität zurückgeht, da in den wenigsten Fällen ein rechtsextremer Hintergrund festgestellt wird. Da haut ein Skinny mal kurz nen Türken oder dunkelhäutigen auf die Mütze, das war dann infolge Alkoholgenusses oder anderweitiger Agression, aber nie nicht rechtradikal, da wird eine Farbige angepöbelt, eine Griechin vor die U-Bahn geworfen, nee nee, is nich rechtsradikal, nur menschliches Versagen. Aber jeder Graffitysprayer ist meist auch ein Linker, wenn Linke sich wehren, dass die Polizei ihren Wagen bei einer Demo stürmt, ist das natürlich linksextremistische Gewalttat.
Es hat sich nichts aber rein gar nichts in Bayern geändert, so lange diese CSU die Übermacht hat, wird es sich auch nicht ändern.
Liebe rain66,
ja, ich gebe es ganz offen zu:
Unser "Verfassungsschutz" ist so überflüssig wie ein Kropf, wie wir hier in Bayern zu sagen pflegen. Denn *wenn* dieser seine Aufgabe ernst nehmen würde, stünden beispielsweise unser Innen-Wolfi unter Beobachtung oder der famose Bundesverteidigungsmichel. Diejenigen geben nämlich ganz offen zu, im Zweifelsfall auf die Verfassung zu pfeifen und sägen ganz ungeniert an den letzten Stuhlbeinen.
Im Übrigen hat der VS schon zur Genüge bewiesen, dass er einen Grossteil der zu überwachenden Organisationen selbst stellt. Ein Grossteil der Führungsriegen ist doch vom VS unterwandert, so dass man schon nicht mehr feststellen kann, wer eigentlich noch nicht für ihn arbeitet. Aber zur Angstaufrechterhaltung ist das prima, denn wenn wirklich einmal diese nachlassen sollte, kommt passenderweise wieder etwas vor...gerade immer rechtzeitig.
"..Ich mach' mir die Welt, wide-wide-wie sie mir gefällt"
DW / der vorm Herrmann und dem VS wesentlich mehr Angst hat als vor der al-Qaida
Wer wegen Erdöl Kriege gegen islamische Länder führt wie die USA oder dies wohlgesonnen begleitet wie die CDU/CSU, der ist ein Heuchler, wenn er von der drohenden Gefahr aus diesen Ländern spricht.
Ein schönes Zitat von Hans-Hochen Vogel aus dem derzeitigem Strauß-Spezial zum 20. Todestag passt hierzu zu hundert Prozent :
"Und dann warf Minister Vogel dem CSU-Vorsitzenden Strauß einen Satz von bajuwarischer Wucht vor die Füße: "Herr Strauß, es gibt Feuerwehrleute, sagt man bei uns in Bayern, die zündeln, um dann zu zeigen, was sie für famose Feuerwehrleute sind."".
Wenn ein Verfassungsbericht für Sie nicht mehr als das Schüren von Ängsten ist, Dieter_Wondrazil, darf ich Sie darin auch an die Passagen verweisen, in denen über Rechtsextremismus berichtet wird. Ihm sind allein 14 von 40 Seiten des Berichts gewidmet.
verfassungsschutz.bayern.de/imperia/md/content/lfv_internet/service/halbjahresbericht_2008.pdf
Soll der Bericht Ihrer Meinung nach lieber unterbleiben. Lieber totschweigen, was nicht gefällt. Oder treffen Sie da eine Vorauswahl ... nein ... wie heißt das noch gleich ... richtig: Eine Vorzensur. Soll die Berichterstattung lieber unterbleiben, nur damit möglichst keiner Angst bekommen muss? Oje. Was machen wir da bloß mit anderen Berichten?
rack66
"Konkrete Hinweise auf Anschläge bestünden zwar nicht [...] es gebe jedoch keinen Anlass für die Annahme, dass mit Anschlagsversuchen nicht mehr zu rechnen wäre"
Es gibt auch keinen Anlass für die Annahme, dass das Schüren von diffusen Ängsten *ohne jeglichen konkreten Hinweis* keinen entsprechenden Zweck verfolgt:
nämlich das Weichklopfen des Bürgers, bis er soweit ist, dass er *jegliche* staatliche Maßnahme dankbar annimmt und eben nicht mehr kritisch hinterfragt. Angst ist ein schlechter Ratgeber....
Das allgemeine Lebensrisiko übertrifft die "Bedrohung durch al-Qaida" um mehrere Zehnerpotenzen. Die einzig richtige Schlussfolgerung kann deswegen nur der Verzicht auf die Existanz an sich sein. Herr Herrmann, ich lasse ihnen freiwillig den Vortritt...
DW
P.S.
An Metrofan: Wenn Sie wirklich glauben, dass Herrmann "kritisch und informativ" ist, glauben Sie bestimmt auch an den Weihnachtsmann. Den sollten Sie mal fragen.
an finnsburg: Ihr Beitrag ist soweit unter jeglichem Niveau, dass mein Monitor ihn gar nicht anzeigt. Ich verzichte deswegen auf eine Antwort.
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