Vanessas Mörder bleibt eingesperrt Richter macht Verurteiltem Hoffnung

Die Gewaltphantasien seien in dieser Therapie nur unzureichend bearbeitet worden, befand Schulte, insbesondere sei das Tatmotiv bis heute nicht geklärt worden. Michael W. behauptet bis heute, er habe das Mädchen nur erschrecken wollen und habe dann in Panik zugestochen, als es aufgewacht sei. Wenn W. jetzt in Freiheit komme, argumentierte Schulte, werde er von den unvermeidlich auftretenden Stresssituation rasch überfordert sein, das Wiederholungsrisiko sei "nicht kalkulierbar".

Es gehe bei dieser Entscheidung nicht um ein "Auf-Dauer-Wegsperren", betonte Richter Hoesch, sondern einzig und allein um die Frage, ob Michael W. so gefährlich sei, dass sein verfassungsmäßiger Freiheitsanspruch hinter dem Sicherheitsanspruch der Allgemeinheit zurückstehen müsse. Die Vorgabe des Bundesverfassungsgerichts, die Gefährlichkeit müsse "hochgradig" sein, berge eine gewisse Bandbreite in sich, sagte Hoesch. Wenn jedoch "der Rückfall wahrscheinlicher ist als dessen Ausbleiben", dann sei dies jedenfalls als "hochgradig" anzusehen.

Hoesch machte dem Verurteilten jedoch durchaus Hoffnung, dass er in absehbarer Zeit freikommen könne. "Wenn er sich auf eine intensive deliktorientierte Therapie einlässt, kann man in zwei bis drei Jahren mit Vollzugslockerungen und nach etwa fünf Jahren mit einer Freilassung rechnen", sagte Hoesch. Das Gericht ordnete deshalb auch an, dass W. von der Justizvollzugsanstalt Straubing wieder in die sozialtherapeutische Anstalt in Erlangen verlegt werden muss.

Weil das Bundesverfassungsgericht einen deutlichen Abstand zwischen Strafvollzug und Sicherungsverwahrung fordert, müsse W. "frühestmöglich" die Chance auf eine intensive Therapie gewährt werden. Eventuell vorhandene Sicherheitsbedenken müssten dagegen zurücktreten und, falls nötig, durch erhöhten Personaleinsatz ausgeglichen werden.

Michael W.'s Verteidiger Adam Ahmed kündigte an, er werde gegen das Urteil Revision einlegen. Nach der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte sei die Entscheidung ein klarer Verstoß gegen das Rückwirkungsverbot, sagte Ahmed.