Das Projekt Zeitungszeugen darf Nazi-Hetzblätter nachdrucken - und das ist gut so. Bei dem Streit ging es um mehr als nur um Urheberrechte.
Muss man die Deutschen 64 Jahre nach Kriegsende noch vor ihrer Vergangenheit beschützen? Ja, argumentierte der Freistaat Bayern zu Beginn des Jahres und versuchte dem Verleger des Projekts Zeitungszeugen den Nachdruck alter Nazi-Zeitungen zu verbieten. Nein, urteilte das Münchner Landgericht nun - zumindest, was die Exemplare aus der Zeit vor 1939 angeht.
Das Projekt Zeitungszeugen darf Nazi-Hetzblätter weiter nachdrucken. (© Foto: ddp)
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Unabhängig von der komplizierten juristischen Debatte über Urheberrechtsfristen und Zitatfreiheiten ist das Urteil erfreulich. Nicht weil der englische Verleger Peter McGee sein dünnes Wochenblatt nun wieder für 3,90 Euro an deutsche Kioske ausliefern kann. Es ging bei dem Streit immer um mehr.
Der Freistaat argumentierte, er wolle mit dem Verbot dem Missbrauch durch NS-Nostalgiker und Neonazis vorbeugen. Das war ehrenwert, aber es war auch unsinnig. Hitlers "Mein Kampf", für den die bayerische Staatsregierung ebenfalls die Nutzungsrechte beansprucht, kann sich jeder Interessierte ohne großen Aufwand im Internet herunterladen.
Das Gleiche gilt für Nazi-Filme, -Musik, -Poster und sonstige Devotionalien. Kein deutsches Gesetz - nicht einmal eines aus Bayern - kann heute noch verhindern, dass dieses Zeug in Umlauf gerät.
Wer nicht will, dass Jugendliche auf rechtsextreme Ideen reinfallen, darf die Konfrontation nicht scheuen. Ein Verbot schenkt braunen Brüllblättern wie dem Völkischen Beobachter nur eine Aura des Mystischen, die sie nicht verdienen.
Joseph Goebbels schrieb nach dem Reichstagsbrand: "Nun soll (...) über die rote Weltpest Gottes Strafgericht, verkündet durch die Stimme des Volkes, hereinbrechen." Merke: Nichts schreckt besser von Nazis ab als - Nazis.
(SZ vom 26.03.2009)
Gewalt in Syrien
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Das machen heute die etablierten Parteien ebenfalls. Komisch.
Auch komisch, wie die Kommentare in der SZ suggerieren, dass die Autoren der Artikel die Zeitzeugen garnicht gelesen haben. Man hätte sich wenigstens die Bilder angucken können. Hat man aber nicht.
Stattdessen wird in einem Claudia-Roth-ähnlichen Tonfall berichtet, und man bekommt sogar noch locker die Kurve. Erst hieß es "oh gott, die Nazizeitungen verblenden die Leute", jetzt nach dem Urteil: "die Nazi-Zeitungen soll man ruhig lesen, um zu sehen wie schrecklich der Goebbels war".
Verehrte SDZ,
meine Familie hat, wie viele andere, viel leid im 3 Reich durchgemacht und wir wünschen das nicht nur über diese Zeit mit ein paar Verboten gesprochen wird sondern geschichtlich und auch verständlich aufgearbeitet wird. Ich finde das daß Gericht insoweit richtig gehandelt hat. Aber eins vermisse ich bei der Darbietung der Nazi-Zeitung die Auseinandersetzung aus historischer, politischer und rechtlicher Sicht. Es reicht nicht wenn ein Artikel dargestellt wird ohne diesen Artikel zu bearbeiten, also:
Was bedeutete dieser Artikel zu dieser Zeit ? Was bewirkte dieser Artikel zu dieser Zeit ? Welchen Einfluß hatte dieser Artikel auf die Menschen zu dieser Zeit ? Wie kann man ein Wiederholen vermieden ?
Nur wenn man sich in dieser Form mit solchen Artikeln auseinandersetzt kann man eine Wiederholung vermeiden.
Mit freundl. Grüßen
P_M_Bruley
Und wo ich gerade dabei bin... wenn man sich Hìtlers militärische Entscheidungen so ansieht, also Aushungern von Leningrad, Warten auf Superpanzer vor der Panzerschlacht von Kursk, Ablehnung von düsengetriebenen Jägern, stattdessen die Idee von Ein-Bomben-Bombern, Vertrauen auf die V2 bei gleichzeitigem Kleinreden des Bombardements deutscher Städte, Ignorieren der psychologischen Bedeutung der Einnahme Moskaus für das DEUTSCHE Heer, dann kann man wohl mit einigem Recht davon sprechen, daß er das Bild des überlegenen und grausamen Angreifers, der selbst alles wegsteckt, mit katastrophalen militärischen Folgen zur Leitschnur seiner ganzen Kriegsführung gemacht hat.
Da so einige Kameraden der CSU und der NPD die "Tatsächlichkeiten" aus jeder Zeit immer versucht haben schöner zu reden, werden sich so einige nun braunärgern; denn historische Zeitungen aus der NS-Zeit sprechen die Originalsprache, unverfälscht und grausam! Der Vorwand eines angeblichen "Missbrauchs" war von Anfang an ein Witz, das hätte jeder raushören können, der an einem Parteitag teilgenommen hätte, bzw. dem Hinterrücksgerede gelauscht hätte.
Der NPD kann man da nicht einmal böse sein, denn die stehen wenigstens zu dem Blödsinn und den Verdrehungen, den/die sie verbreiten, aber die CSU... Vornherum die Weltoffenen spielen und untersich z.B. in altdeutsch-konservativer Manier die Hoheit der Kathedrale vor der Moschee propagieren. Früher waren wir alle doof, mag sein, aber heute MUSS jeder wissen, wie diese Kameraden ticken. Ich kann nicht in Worte fassen, wie sehr mich diese Partei anekelt!!!
Ich denke, am klarsten ist wohl folgende Passage in dieser Hinsicht:
"Thus, for the formation of higher cultures the existence of lower human types was one of the most essential preconditions, since they alone were able to compensate for the lack of technical aids without which a higher development is not conceivable. It is certain that the first culture of humanity was based less on the tamed animal than on the use of lower human beings.
Only after the enslavement of subjected races did the same fate strike beasts, and not the other way around, as some people would like to think. For first the conquered warrior drew the plow-and only after him the horse. Only pacifistic fools can regard this as a sign of human depravity, failing to realize that this development had to take place in order to reach the point where today these sky-pilots could force their drivel on the world."
Ich stelle mir da wirklich die Frage, was diese niederen Menschen davon abgehalten haben sollte wegzulaufen, so ganz ohne Pferde, Ketten etc.
Was als nächstes die Frage aufwirft, warum es dem Autor trotzdem so einleuchtend erscheint oder ob es ihm überhaupt einleuchtend erscheint und er es nicht um der Einsicht willen sagt, sondern nur um Pazifisten zu quälen.