Unzufriedene Franken Partei der Vernachlässigten

Die neue "Partei für Franken" kämpft für fränkische Interessen - Parteichef Gattenlöher will sogar in den Landtag einziehen.

Von O. Przybilla

Für Marco Mehl stellt sich der Gang der politischen Zeitgeschichte in Franken folgendermaßen dar: Erst mussten die Mittelfranken bluten, als Günther Beckstein demontiert wurde. Dann kamen die Oberfranken dran, denen mit Monika Hohlmeier ein Export der besonderen Art zuteil wurde. Und schließlich kapitulierte Unterfranken, deren einziger Staatssekretär Bernd Weiß vor Horst Seehofer in die Knie gehen musste.

Ein fränkischer Bezirk nach dem anderen sei von der CSU vorgeführt worden, sagt der 28 Jahre alte Rechtsreferendar Mehl, der selbst acht Jahre lang Mitglied der CSU war und zuletzt der Jungen Union im Kreis Erlangen vorstand. Aus Verbitterung ist Mehl ausgetreten. Seit Samstag ist er nun stellvertretender Landesvorsitzender der "Partei für Franken".

Zum Chef der Parteifranken wurde in Bamberg der 53 Jahre alte Industriemeister Robert Gattenlöhner gewählt, ein ehemaliger Sozialdemokrat. 51 von 51 möglichen Stimmen entfielen auf ihn. Die Geburtsstunde der Partei sei "eigentlich fast schon zu brav" über die Bühne gegangen, sagt er.

Angst vor politischen Obskuranten

Gattenlöhner muss davon im Nachhinein berichten, denn die Gründungsmitglieder wollten nicht, dass man ihnen beim Parteigründen über die Schulter schaute - auch weil Gattenlöhner nicht ausschließen konnte, dass sich unter die Gründer auch politische Obskuranten mischen könnten.

Den "Fränkischen Bund" - ein Verein, der sich bislang für die Interessenvertretung in Franken zuständig fühlt - hatten vor 18 Jahren auch drei Rechtslastige aus der Taufe gehoben. Das sollte sich unter gar keinen Umständen wiederholen.

"Wir sind eine Volkspartei für alle Franken, personell und programmatisch", sagt das Vorstandsmitglied Volker Backert, der wie Gattenlöhner bis vor kurzem Sozialdemokrat war. "Altbayernlastig", schimpft Backert, geriere sich beileibe nicht nur die CSU.

Auch in der bayerischen SPD sind sämtliche Schaltstellen mit Nicht-Franken besetzt: Parteivorsitz, Fraktionsvorsitz, der Posten der Generalsekretärin. Als Backert das sagt, sitzt er im Keller eines altfränkischen Gasthofes. Zünftig geht es zu: Rauchbier wird gereicht, ein fränkischer Kleinversand wirbt für folkloristisch bedruckte Textilien ("Gott sei Dank: Ich bin a Frank"). Und an der Wand hängt das neue Parteilogo - eine Mischung aus fränkischem Wappen auf rotweißem Grund und einer ansteigenden Konjunkturkurve, die durch steil abfallende Abschnitte charakterisiert ist.

"Ein fränkischer Betrieb nach dem anderen zerbröselt", ruft Gattenlöhner in den Kellerraum, "und kaum einen in München interessiert es." Die von ihm wahrgenommene "wirtschaftliche Benachteiligung" wollen die Parteifranken bekämpfen.

Ihr erstes Ziel soll der Einzug in den Landtag sein. Aber "wenn es erst mal nur eins bis zwei Prozent sind", sei das auch nicht schlimm, sagt Parteisprecher Backert. Auf lange Sicht würden die Parteifranken auf jeden Fall reüssieren. Immerhin sei früher auch der Main zunächst "in südlicher Richtung geflossen". Das war im Oligozän.