Ministerpräsident Beckstein hat zum Landesbank-Debakel ausgesagt - und sich hinter Finanzminister Huber gestellt.
Manchmal neigt Peter Welnhofer beinahe zu kabarettistischen Ausbrüchen. "Das ist schwierig, mir den Kragen umzudrehen", sagt der wohlbeleibte Vorsitzende des Landesbank-Untersuchungsausschusses, bevor er am Montagabend den letzten Zeugen vernimmt.
Ministerpräsident Günther Beckstein sagte als letzter Zeuge im Untersuchungsausschuss zur BayernLB aus. (© Foto: AP)
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Ebendieses Schicksal hat der ihm nämlich angedroht, sollte Welnhofer nicht auf die Zeugenbelehrung verzichten. Doch der Vorsitzende erklärt auch Ministerpräsident Günther Beckstein, dass er die Wahrheit sagen müsse.
Nach 37 Zeugen und Sachverständigen ist es wenig überraschend, dass Beckstein nichts Neues mitzuteilen hat: Man habe die weltweite Finanzmarktkrise nicht vorhersehen können, sagt der Ministerpräsident - und wenn das schon Fachleute nicht konnten, wie hätten es dann die Verwaltungsratsmitglieder wissen sollen. Jede Mitverantwortung der Staatsregierung an der Landesbank-Misere weist er zurück.
Allerdings räumt auch Beckstein Versäumnisse in der Informationspolitik ein. Es sei aus heutiger Sicht besser gewesen, wenn die BayernLB im vergangenen Jahr schon Quartalsberichte veröffentlicht hätte. Finanzminister Erwin Huber allerdings könne dafür nichts.
"Ich habe keinen Zweifel, dass er den Landtag über die gesicherte Faktenlage richtig und vollständig informiert hat", sagt Beckstein. Wenn er vorläufige Zahlen nicht genannt habe, sei Huber damit lediglich den Forderungen des Bankvorstands nachgekommen. Die Opposition bezweifelt das bekanntlich, weswegen das Gremium, das Ende Juni seine Abschlussberichte beraten wird, beharrlich unter dem Titel "Huber-Lügen-Ausschuss" geführt wird.
Doch für Grünen-Fraktionschef Sepp Dürr sitzt an diesem Tag der eigentlich Verantwortliche der Landesbank-Misere auf dem Zeugenstuhl. Seine Zwischenbilanz hat er nämlich schon gezogen und neben Huber, den er als Lügner überführt haben will, noch einen anderen Versager ausgemacht: Der Ministerpräsident habe "die Gesamtverantwortung", sagt Dürr.
Immerhin sei die Landesbank zur Hälfte Eigentum des Freistaats. Von 1988 bis 2007 saß Beckstein - zunächst als Innenstaatssekretär, dann als Innenminister - im Verwaltungsrat und Dürr hätte "mehr von ihm erwartet". Denn der Verwaltungsrat sei dazu da, die Richtlinien vorzugeben und den Vorstand zu kontrollieren. Hätte der Verwaltungsrat, also auch Beckstein, schon frühzeitig das Engagement der Bank auf dem US-Immobilienmarkt unterbunden, wäre es nie zu den Milliardenbelastungen gekommen. Die BayernLB beziffert diese mittlerweile auf 4,5 Milliarden Euro.
Und noch eine weitere Verfehlung wirft Dürr dem Ministerpräsidenten vor: Er hätte Finanzminister Huber schon längst entlassen können.
- Bayerische Landesbank "Das Geschäft mit riskanten Anlagen ist praktisch tot" 09.06.2008
- Finanzkrise der BayernLB Huber weist alle Anschuldigungen zurück 06.06.2008
- BayernLB-Untersuchungsausschuss CSU-Fraktionschef weist Mitverantwortung zurück 06.06.2008
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(SZ vom 10.06.2008/dmo)
Wirbel um Obama-Biographie
Die neueste Antwort
Ein paar Mrd. hin oder her, wen juckt's?
Volkes Seele brodelt wg. ganz was anderem: Das Rauchverbot bringt sämtliche Stammtische landauf/landab täglich erneut in Rage.
- Da kann der Beckstein sich jetzt hinter, oder vor den Huber stellen, der Kas' 50%+X ist im September gebissen, jede Wette!
Danach dann könnte sich eine neue Regierung nochmal mit dem Fall befassen, weil die faulen Papiere den Herren Zockern ja nicht aus heiterem Himmel in den Schoss gefallen sind, sondern diesen Trotteln wohl eher von anderen Finanzinstituten angedient wurden.
Da liesse sich also u.U. noch die eine oder andere Mrde. an Schadenersatz holen...
Gruss,C.
In dem Ende Mai abgeschlossenen zweiten Geschäftsquartal sei ein Verlust von 2,8 Milliarden Dollar oder 5,14 Dollar je Aktie angefallen, teilte Lehman auf Basis vorläufiger Zahlen am Montag in New York mit. . . . und weiter . . . Experten hatten im Schnitt mit einem Minus von lediglich 0,22 Dollar gerechnet.
Die Experten scheinen auch keine FACHLEUTE zu sein . . .
an der Klärung der wirklich wichtigen Fragen interessiert . . . macht nix.
nur wenige der beteiligten Banken sind glimpflich davon gekommen, die meisten tappten in die subprime-Falle und es gab nur einen größeren Fond, der nicht rein tappte, sondern dagegen spekulierte.
Warum sollte dann ausgerechnet die BayernLB diese FACHLEUTE haben? Kann die sich diese FACHLEUTE überhaupt leisten?
Und Sie vergessen die Banker der Sparkassen, die auch im Rat sitzen . . .
Für was? Für die Hälfte? Und was ist mit der anderen Hälfte die ja bekanntlich den Sparkassen gehört wer trägt dafür die Gesamtverantwortung? Auch der Ministerpräsident oder doch die Sparkassenbanker?
Dass der Rat die Richtlinien vorgibt, haben Sie immerhin scharfäugig erkannt allerdings, das Tagesgeschäft erledigen und verantworten Vorstand, RiskManagement und Anlageabteilung . . . darauf müsste mal ein Blick geworfen werden das unselige Info-Gebaren des Verstands lässt da einiges an Bockmist vermuten
Hätte der Verwaltungsrat schon frühzeitig das Engagement der Bank auf dem US-Immobilienmarkt unterbunden, wäre . . . tja, Herr Dürr, da haben Sie ja vielleicht recht . . . nicht recht haben Sie allerdings, wenn Sie die Verantwortung auf Beckstein und Huber zuspitzen und die übrigen Räte außen vor lassen und diesen einen Persilschein ausstellen.
Vielleicht waren es ja die Sparkassenbanker, die das Engagement nicht frühzeitig unterbinden wollten könnt doch auch sein, oder?
Aber was solls, es ist Wahlkampf und Sie haben Ihre Zwischenbilanz schon gezogen . . .
Wirklich interessant wäre: welches sind und wo sind die Schwachstellen! Die Risikorechenmodellen + Stress-Szenearien, die Programme, die Datenbasis. Erfolgte regelmäßiger checkup. Wer overruled? Anlageabteilung, Vorstand, Rat?
Der Klärung dieser Fragen müsste zu Maßnahmen führen, die derartiges künftig verhindern. Aber das ist ja nicht Aufgabe des Ausschusses, hier gehts um Wahlkampfgetöse . .
Paging