Untersuchung zu Missbrauch im Kloster Ettal Schläge als pädagogisches Mittel

Es war eine Institution, aus der es kein Entrinnen gab. Im Internat des Benediktinerklosters Ettal herrschte bis in die achtziger Jahre hinein "ein System der Unterdrückung". Das geht aus einem Untersuchungsbericht hervor, der der SZ vorliegt. Auch sexuelle Übergriffe seien Teil dieses Gewaltsystems gewesen.

Im Internat des Benediktinerklosters Ettal herrschte bis in die achtziger Jahre hinein "ein System der Unterdrückung". Gewalt sei "gezielt als pädagogisches Mittel eingesetzt" worden. Auch sexuelle Übergriffe seien Teil dieses Gewaltsystems gewesen. Das geht aus einem Untersuchungsbericht hervor, der der SZ vorliegt und der an diesem Donnerstag vorgestellt wird.

Vor drei Jahren war offenbar geworden, dass Mönche in Ettal zahlreiche Schüler misshandelt und sexuell missbraucht hatten. Der 150-seitige Bericht des sozialwissenschaftlichen Instituts IPP in München und des Sozialpsychologen Heiner Keupp ist ein verheerendes Zeugnis für das Internat in Ettal, wo über Jahrzehnte die Söhne deutscher Spitzenpolitiker, Adeliger und Industrieller ihre Schulzeit verbrachten.

Diese Elite hätten die Mönche "durch Selektion und schmerzvolle Bestrafung der Leistungsschwachen" geformt, heißt es in dem Bericht. Körperliche Züchtigungen seien "gezielt als pädagogisches Mittel eingesetzt" worden. Die Heftigkeit der Gewalt lasse keinen anderen Schluss zu, "als dass die Täter entweder die Kontrolle über ihre Affekte verloren oder auf der Basis sadistischer Motivation handelten". Die sexuellen Übergriffe seien "eine spezifische Variante der Gewalt" gewesen, "die sich in sexualisierter Weise manifestierte".

Ettal, so sehen es die Wissenschaftler, war eine "totale Institution", aus der es kein Entrinnen gab. Die Erzieher hätten ihre Rolle nicht annähernd ausfüllen können, die Geistlichen seien für ihre pädagogische Tätigkeit auch völlig unzureichend qualifiziert gewesen. Diese Überforderung sei ein wesentlicher Grund für die damaligen Gewaltexzesse.

Heiner Keupp und seine Mitarbeiter haben für die Studie mehr als 40 Interviews mit ehemaligen Schülern und Mitgliedern des Klosters geführt, auch mit Mönchen, denen sexuelle Übergriffe und Misshandlungen vorgeworfen wurden.

Den vollständigen Text lesen Sie auf der Seite Drei der Donnerstagsausgabe der Süddeutschen Zeitung.