Unternehmer mit Strafanzeige gegen Georg Schmid "Das ist ja wie im Kommunismus"

Franz Lunzner: Als Unternehmer ist er sauer, wenn Politiker den Staat betrügen. Er hat Strafanzeige gegen den Ex-CSU-Fraktionschef Schmid gestellt.

(Foto: oh)

Wenn Politiker den Staat betrügen, wird er so richtig sauer: Unternehmer Franz Lunzner hat Strafanzeige gegen CSU-Mann Georg Schmid gestellt, weil dieser seine Frau auf Staatskosten beschäftigt hatte. Im Interview verrät Lunzner, wie sein Umfeld reagiert hat - und warum er sich trotzdem wünscht, dass die CSU an der Macht bleibt.

Von Stefan Mayr

Franz Lunzner aus Neuburg/Donau ist Unternehmer und war 24 Jahre lang CSU-Mitglied. Der 61-Jährige hat Strafanzeige gegen den CSU-Politiker Georg Schmid gestellt, weil dieser jahrelang seine Frau auf Staatskosten beschäftigt hatte.

Herr Lunzner, obwohl Sie jahrelang CSU-Mitglied waren und immer noch mit der Partei sympathisieren, haben Sie Georg Schmid angezeigt. Das müssen Sie uns erklären.

Lunzner: Ich baue mit meinem Betrieb Schweineställe, Getreideanlagen und Komponenten für Biogasanlagen. Weil mein Sohn auch Unternehmer ist und mit mir zusammenarbeitet, werden wir alle Jahre vom Zoll auf Scheinselbständigkeit kontrolliert. Bei uns war noch nie etwas. Der Chef einer anderen Firma musste aber zwei Jahre lang ins Gefängnis. Jetzt will ich, dass die Staatsanwaltschaft auch im Hause Schmid mal nachschaut.

Herr Schmid hat inzwischen immerhin seinen Rückzug aus der Politik angekündigt, sich entschuldigt und von einem "Granatenfehler" gesprochen.

Das ist doch keine Entschuldigung. Im selben Atemzug hat er die Schuld auf die Presse geschoben, da lache ich mich doch tot. Wenn jemand die Leute und den Staat betrügt, dann ist doch klar, dass da die Presse berichtet. Beim Georg Winter ist es dasselbe. Wenn ich meine 13- und 14-jährigen Söhne beschäftigen würde, weiß ich nicht, was die Behörden mit mir machen würden.

Wie waren die Reaktionen, nachdem Ihre Strafanzeige öffentlich wurde?

Es haben irrsinnig viele Leute angerufen, und da war kein einziger negativer Anruf dabei. Die Leute haben gesagt, da müssen wir weiter was machen. Wir wollen jetzt eine Initiative gegen korrupte Politiker und Behördenwillkür gründen. In den Landratsämtern schafft oft das Ei an und nicht die Henne, das kann es doch nicht sein.

Sie klingen sehr verärgert. Werden Sie im September trotzdem CSU wählen?

Heuer wähle ich wahrscheinlich was anderes. Eigentlich will ich nicht, dass die CSU abgewählt wird. Der Seehofer soll dran bleiben, aber bitte auf keinen Fall in einer Alleinregierung. Wo das hinführt, sehen wir gerade. Das ist ja wie im Kommunismus.