Unterfranken Justizangestellter soll Elfjährige an Silvester erschossen haben

  • Knapp zwei Wochen nachdem eine Elfjährige im unterfränkischen Unterschleichach von einem Projektil tödlich in den Kopf getroffen wurde, scheint die Polizei einen Tatverdächtigen festgenommen zu haben.
  • Es soll sich nach Informationen der Süddeutschen Zeitung um einen Angestellten einer Justizvollzugsanstalt in Unterfranken handeln.
  • Familienangehörige äußerten sich erleichtert über die Festnahme.
Von Olaf Przybilla

Der Tod eines elfjährigen Mädchens in der Silvesternacht im unterfränkischen Unterschleichach, Landkreis Haßberge, bleibt womöglich nicht ungesühnt. Knapp zwei Wochen nachdem die Elfjährige eine Stunde nach Neujahrsbeginn von einem Projektil tödlich in den Kopf getroffen wurde, ist es der Sonderkommission nun offenbar gelungen, den Besitzer der Waffe zu ermitteln, mit dem das Mädchen erschossen worden sein soll.

Die Staatsanwaltschaft Bamberg bestätigte, dass ein Tatverdächtiger festgenommen wurde. Noch unbestätigten Informationen der Süddeutschen Zeitung zufolge soll es sich bei dem Mann um einen Angestellten der Justizvollzugsanstalt Ebrach handeln. Er soll selbst Familienvater sein und aus dem Ort Unterschleichach stammen.

Wie die Ermittler auf den Mann kamen

Das Landeskriminalamt hatte Spuren auf dem Projektil festgestellt, mit dem die Elfjährige erschossen wurde. Diese sollen aus der Kleinkaliberwaffe des nun festgenommenen Mannes stammen. Er soll am Vormittag dem Haftrichter vorgeführt werden.

Die Ermittler hatten in der vergangenen Tagen Waffenhalter aus der Region überprüft, die im Waffenregister des Landratsamtes festgehalten sind. Mithilfe des Landeskrimialamtes und eines Profilers sind sie nun offenbar auf die Spur des Mannes gestoßen, der in der Silvesternacht im Oberauracher Gemeindeteil Unterschleichach im Landkreis Haßberge unterwegs gewesen sein soll.

Im SZ-Gespräch sagte der Bürgermeister von Oberaurach, Thomas Sechser, er fühle etwas zwischen "Schock und Erleichterung". Schock deshalb, weil es offenbar ein Mann aus dem Dorf gewesen sein könnte, der die Schüsse abgegeben habe. Unterschleichach zählt etwa 400 Einwohner.

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Erleichterung deshalb, weil er und viele andere Einwohner in der Kommune Angst gehabt haben, der Fall könnte womöglich niemals aufgeklärt werden. Es hätten in den vergangenen Tagen sehr viele Gerüchte in der Ortschaft kursiert. Es seien darüber womöglich auch persönliche Beziehungen zerbrochen. Dass es nun ein Mann seines Alters gewesen sein könnte - der Festgenommene soll 53 Jahre alt sein - verstöre ihn sehr. "Ich bin ehrlich gesagt davon ausgegangen, dass es ein jüngerer Mensch gewesen sein könnte", sagte Sechser. Im Dorf habe am Dienstag große Unruhe geherrscht, nachdem die Polizei mit viel Personal ein Haus durchsucht habe.

Durchsuchung in der Justizvollzugsanstalt Ebrach

Der Leiter der Justizvollzugsanstalt Ebrach, Gerhard Weigand, wollte sich auf Anfrage nicht zu der Festnahme äußern. Nach SZ-Informationen wurde die persönliche Habe des Mannes in der JVA am Dienstag ebenfalls von Ermittlern durchsucht.

Die Dienstwaffen von JVA-Angestellten müssen in der Vollzuganstalt bleiben. Bei der Kleinkaliberwaffe, aus der der Schuss gekommen sein soll, dürfte es sich um eine private Waffe handeln.

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Einer Bekannten des Mannes zufolge, arbeitet der nun festgenommene Mann schon mehr als zehn Jahre in der Justizvollzugsanstalt. Zuvor habe er einen anderen Beruf ausgeübt.

Was die Familie des Opfers zur Festnahme sagt

Der Vater der Elfjährigen äußerte sich erleichtert. In einem Interview mit dem Fernsehsender Sat 1 Bayern sagte er, er würde dem Menschen, der seine Tochter getötet habe, gerne in die Augen schauen. "Er hat mir mein Kind genommen, und ich würde ihn gerne mal fragen, was er sich dabei gedacht hat", sagte der Vater.

Er habe in den knapp zwei Wochen seit dem Tod seiner Tochter kaum geschlafen, aber die Hoffnung nie aufgegeben, dass der Todesschütze doch noch entdeckt werde. Er sei sich sicher gewesen, "der Täter gesteht entweder oder er wird gefasst". Es sei brutal, was ihm und seiner Familie widerfahren sei. Er könne nicht verstehen, wie ein Mensch in der Lage sei, solche womöglich "unüberlegten Sachen zu machen". Seine Tochter habe das Leben geliebt, dass es ihr so früh genommen worden sei, empfinde er als "unvorstellbar". Sein Leben habe sich seit der Silvesternacht komplett verändert: "Mir fehlt meine Tochter Tag und Nacht."

Auch die Tante des Mädchens äußerte sich in der Interview. Man habe jetzt viele Fragen an den Schützen: "Warum musste das so stattfinden? Was hast du in dieser Nacht getan? Warum benutzt du an Silvester eine Waffe? Was fällt dir überhaupt ein?" Der Täter habe auch das Leben der Angehörigen des Mädchens zerstört. "Und das wollen wir ihm auch sagen. Er soll wissen, was er angerichtet hat." Immerhin bestehe nun nach der Festnahme eines Mannes die Hoffnung, mit der Tat abschließen und in Ruhe trauern zu können.

Die Polizei in Würzburg wollte die Festnahme und Details der Festnahme weder bestätigen noch dementieren. Die Staatsanwaltschaft Bamberg will sich heute Mittag zu dem Fall äußern.